Goldmann, David

David Goldmann

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9.3.1887 Atzelsdorf, Niederösterreich – 15.11.1967 New York

Aus äußerst bescheidenen Verhältnissen stammend, brachte es David Goldmann, der sich in den frühen 1910er-Jahren in Wien niederließ, u. a. zum Direktor der Ujpester Tuchfabriks AG in Budapest, der Wollwarenverkaufs AG in Günzelsdorf sowie der Stoffdruckfabrik in Guntramsdorf. Zusammen mit seiner Frau, der Sängerin Lilly Darwasch (née Juliana Nigl, gesch. Stärk, 1886–1978), und seiner Tochter übersiedelte er 1928 von der Kolingasse 11 in eine rund 20 Zimmer umfassende Wohnung am Freiheitsplatz (heute Rooseveltplatz) in Wien 9. Dort befand sich auch Goldmanns kostbare Kunstsammlung, die er im Laufe seiner Wiener Jahre sowohl aus Liebhaberei als auch als Wertanlage akquiriert hatte – darunter Gemälde, Miniaturen, Altwiener Porzellan, Gobelins und Mobiliar. Bereits während des Austrofaschismus war Goldmann, der aus einer mährischen jüdischen Familie stammte und die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft besaß, von nationalsozialistischer Gewalt betroffen. Zwei seiner sechs Geschwister, Filipp (genannt Gustl) und Therese, führten das Wiener Café City, in dem 1934 die Kleinkunstbühne Brettl am Alsergrund City, später ABC genannt, eröffnet wurde, wo Berühmtheiten wie Fritz Grünbaum oder Karl Farkas auftraten und u. a. Stücke von Jura Soyfer gespielt wurden. Das Café wurde im selben Jahr Ziel eines Bombenanschlags des illegalen Nationalsozialisten Anton Geckel, den David und Gustl Goldmann fassen und der Polizei übergeben konnten. Aufgrund dieses Ereignisses sowie wegen seines Reichtums, den die NS-Propaganda als "Kriegsgewinnlertum" infolge des Ersten Weltkrieges darstellte, floh David Goldmann noch am 11. März 1938 gemeinsam mit seiner Familie nach Prag, von dort weiter nach London und 1940 schließlich in die USA. Unterdessen wurde Goldmanns Vermögen von der Gestapo eingezogen. Mit Erlass vom 22. Dezember 1938 beauftragte der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler das Dorotheum damit, die Sachwerte zu schätzen und listenmäßig zu erfassen, da "der Jude David Goldmann während seines Aufenthaltes im Lande Österreich volks- und staatsfeindliche Bestrebungen verfolgt hat". Das Dorotheum versteigerte in der Folge die gesamte Wohnungseinrichtung gemeinsam mit Kunstgegenständen von geringerem Wert direkt in Goldmanns Privatwohnung. Die Auktion hätte im April 1939 stattfinden sollen, wurde aber auf Ende August 1939 verschoben. Versteigert wurde u. a. ein Porträt John Quincy Adams' von Goldmanns Tochter im Alter von sechs Jahren, das bis heute nicht wieder aufgefunden werden konnte. Während die Valuten und der Schmuck in das Depot der Gestapo, Staatspolizeileitstelle Wien, kamen, gingen 21 Posten als Ausstattung in die beschlagnahmte Villa des Wiener Kunstsammlers Georg Duschinsky in der Cottagegasse 39, die nun als Dienstgebäude des Inspekteurs der Sicherheitspolizei fungierte. Die wertvollen Kunstwerke aus der Sammlung Goldmann wurden jedoch, nachdem sie von der Zentralstelle für Denkmalschutz mit 400.000 Schilling [!] geschätzt worden waren, für die Ausfuhr gesperrt und dem Zentraldepot für beschlagnahmte Sammlungen übergeben. Um die 20 Objekte wurden für das Linzer Kunstmuseum vorgemerkt und knapp 60 vom Staatlichen Kunstgewerbemuseum in Wien, von den Wiener Städtischen Sammlungen, vom Ferdinandeum in Innsbruck, von der Alten und Neuen Galerie sowie der Kunstgewerbesammlung des Grazer Joanneums angefordert. Die Sammlung Goldmann verblieb jedoch infolge der Kriegsereignisse in Verwahrung des Instituts für Denkmalpflege und überdauerte die Jahre aufgeteilt auf verschiedene Orte wie dem Salzbergwerk in Altaussee, Stift Kremsmünster, dem Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz, dem Ferdinandeum und dem Joanneum; der Großteil blieb allerdings in Wien.

Während zwei bei der Bergung verlorengegangene Objekte gemeinsam mit den Mobilien aus Goldmanns – ebenfalls beschlagnahmter und von der NSDAP übernommener – Villa in Bad Ischl sowie die vom Dorotheum versteigerten Stücke bis heute verschollen sind, wurden die in Verwahrung des Bundesdenkmalamtes verbliebenen Kunstwerke nach Kriegsende an David Goldmann, der in den USA seine Sammeltätigkeit wieder aufnahm, zurückgestellt. Eine Ausnahme davon stellten fünf Werke dar, welche die Museumsdirektoren der Albertina und des Österreichischen Museums für angewandte Kunst für die Sammlungen ihrer Häuser erwerben wollten. Sie erwirkten die Ausfuhrsperre für ein Selbstbildnis Rudolf von Alts sowie für zwei Altwiener Porzellane und zwei böhmische Glaspokale und erwarben diese Stücke in der Folge durch Tausch. Im November 2012 sprach sich der Kunstrückgabebeirat für eine Übereignung der Objekte unter der Voraussetzung aus, dass die RechtsnachfolgerInnen die erhaltenen Gegenleistungen gemäß § 1 Abs. 2 Kunstrückgabegesetz zurückerstatten. Nachdem dies nicht erfolgte, wurde der Rücktausch nicht vorgenommen.

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Publikationen zur Person / Institution

Beschluss des Kunstrückgabebeirats, David Goldmann, 30.11.2012, URL: www.provenienzforschung.gv.at/beiratsbeschluesse/Goldmann_David_2012-11-30.pdf (3.12.2020)

Dorotheum Wien, Versteigerung der Wohnungseinrichtung Wien IX., Hermann Göring-Platz 14, 3., 4. und 5. April 1939, URL: doi.org/10.11588/diglit.15042.
Dorotheum Wien, Versteigerung der Wohnungseinrichtung Wien IX., Hermann Göring-Platz 14, 28., 29. und 30. August 1939.

Sophie Lillie, Lilly und David Goldmann, in: Alexandra Reininghaus (Hg.), Recollecting. Raub und Restitution, Wien 2009, 133.
Sophie Lillie, Was einmal war. Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens (= Bibliothek des Raubes 8), Wien 2003.

Archivalien

Albertina-Archiv, Korrespondenzen 1948.

BDA-Archiv, K. 36/1, PM David Goldmann.

BArch Koblenz, B 323/1205, Erwerbungswünsche aus beschlagnahmtem Kunstbesitz.

DÖW, Verzeichnis der in der Ostmark eingezogenen, bezw. beschlagnahmten Vermögenswerte, 22.7.1938, Zl. 19400/170.
DÖW, Gestapo, Staatspolizeileitstelle Wien, Tagesrapport Nr. 10 vom 24. und 25. Januar 1939, Verzeichnis über beschlagnahmte Vermögenswerte der Gestapo, Staatspolizeileitstelle Wien, 14.3.1939, Zl. 19400/170.

MAK-Archiv, Korrespondenzen 1942; 1948.

OeStA/AdR, E-uReang, FLD, Zl. 14.393 I-II, David Goldmann.
OeStA/AdR, E-uReang, Hilfsfonds, Alter Hilfsfonds, 12.860, David Goldmann.
OeStA/AdR, ZNSZ, RStH Wien, K. 22, S/IIG-760/39-80.

Online-Edition der Karteien zum sogenannten Zentraldepot für beschlagnahmte Sammlungen in Wien, Karteikarten zur beschlagnahmten Sammlung David Goldmann (Kürzel GO), 1–109, URL: www.zdk-online.org/suche/?filter%5Bcollection%5D=go (3.12.2020).