Kremsmünster, Reichskunstdepot

Reichskunstdepot Kremsmünster

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weitere Bezeichnung: Benediktinerstift Kremsmünster

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Das im Jahr 777 gegründete oberösterreichische Benediktinerstift Kremsmünster wurde im Jahr 1941 durch eine Verfügung der Gestapo beschlagnahmt und unter Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau gestellt. Ab dem Sommer 1941 wurde das Kloster unter dem Namen Reichskunstdepot Kremsmünster zur Lagerung von Kunstwerken des "Sonderauftrags Linz" verwendet. Der Vorschlag dafür stammte von Gaukonservator Franz Juraschek, der sich ebenso wie Gauleiter August Eigruber davon Vorteile für den Gau Oberdonau versprach und anregte, die wertvollen Objekte während ihrer Aufbewahrung in Kremsmünster bereits "in Form einer Ausstellung" zu zeigen. Dazu kam es nicht, wohl wurde aber die Anregung Eigrubers seitens der Verantwortlichen des "Sonderauftrags Linz" angenommen, wesentliche Teile der für Linz bestimmten und zu diesem Zeitpunkt in Wien unter Obhut des Instituts für Denkmalpflege verwahrten, 1938 in Wien sichergestellten bzw. beschlagnahmten Kunstbestände nach Kremsmünster zu verlagern. Die ersten und umfangreichsten Transporte erfolgten im Mai und Juni 1941 (28.5.1941, 30.5.1941, 4.6.1941, 11.6.1941, 24.6.1941, 26.6.1941) und beinhalteten Gemälde, Grafiken sowie Kunstgegenstände und Möbel aus den Sammlungen Alphonse Rothschild, Louis Rothschild, Oscar Bondy und Albert Pollak sowie in kleinerem Umfang auch aus den Sammlungen David Goldmann, Rudolf Gutmann, Felix Haas, Felix Kornfeld, Wally Kulka, Alfons Thorsch, Emmy Aldor und N. Pilzer. Durchgeführt wurden die Transporte von der Spedition Bäuml. Während Gauleitung und Gaukonservatorat die Einlagerung der wertvollsten Bestände des "Sonderauftrags" erwünscht hatten, kam es bald zu einer von Hans Posse, dem Leiter des "Sonderauftrags Linz", eingeleiteten Wende, wonach immer mehr als zweitrangig erachtete Bestände aus dem Depot des Münchner "Führerbaus" nach Kremsmünster verlagert wurden, um in München Platz für die hochwertigen Objekte zu schaffen. So wurden zwischen August 1941 und November 1943 in zwölf Transporten 1.732 Gemälde aus München nach Kremsmünster verlagert und manche der aus Wien nach Kremsmünster verbrachten Lieferungen dort nur mehr zwischengelagert, um nach München weitertransportiert zu werden (so zum Beispiel ein Transport vom 24. August 1942 mit Objekten aus den Sammlungen Berta Morelli, Ferdinand Bloch-Bauer, Oscar Bondy, Franz Erlach und anderen). Bis in das Jahr 1943 kamen aber nach wie vor Transporte aus Wien, im Jahr 1942 wurden auch in zwei Transporten (25.9. und 25.11.1942) 88 Gemälde und 15 Kisten mit Kunstgegenständen aus dem aufzulösenden Bergungsort "Jagd" in Steinbach bei Göstling nach Kremsmünster überstellt. Nach Bericht des Benediktinerpaters Richard Rankl befanden sich im Herbst 1943 etwa "5000 Bilder" und "400 Kisten" im Reichskunstdepot Kremsmünster. Seiner Schilderung zufolge befanden sich die eingelagerten Bestände im barocken Festsaal des Stiftes, dem Kaisersaal, sowie in mehreren Räumen des ehemaligen Konvents. Zur Sicherung wurden Türen abgemauert und versetzt. Mit der Depotverwaltung vor Ort war seitens des "Sonderauftrags Linz" der Kunsthistoriker Justus (Heinrich) Schmidt betraut worden, der Leiter der Kunstgeschichtlichen Abteilung des Gaumuseums in Linz und stellvertretender Kulturbeautragter des Reichsgaues Oberdonau war. In Kremsmünster unterstand ihm der promovierte Kunsthistoriker und Ordenspriester P. Petrus (Franz) Mayrhofer. Auch der von der Linzer Gestapo eingesetzte kommissarische Stiftsverwalter Ignaz Hager betrachtete sich als Verantwortlicher für das Reichskunstdepot und beklagte die unklaren Kompetenzen und Zuständigkeiten zwischen den Mitarbeitern des "Sonderauftrags Linz", des Wiener Instituts für Denkmalpflege und der Linzer Gaustellen. Trotz durchgeführter Tarnungsmaßnahmen, die den Klosterkomplex im Fall von Luftangriffen schützen sollten, bot das Reichskunstdepot Kremsmünster zu wenig Sicherheit für einen Bombenkrieg, 1943 wurde mit seiner Räumung begonnen. Die eingelagerten Bestände wurden teils in das ebenfalls vom Reichsgau Oberdonau beschlagnahmte Kloster Hohenfurth (Vyšší Brod), vorwiegend jedoch in die Bergwerksstollen in Altaussee transferiert, die nunmehr als zentraler Bergungsort für die Bestände des "Sonderauftrag Linz" dienen sollten.

Mit der Auslagerung nach Altaussee war die Funktion von Stift Kremsmünster als Kunstdepot aber noch nicht zu Ende, denn auch nach Kriegsende wurde das Kloster nochmals zur Unterbringung von Kunstwerken, diesmal im Zuge der Rückbringung und Restitution, verwendet. Bereits am 6. Mai 1945 hatte die amerikanische Militärbehörde den Prior des Stiftes, P. Richard Rankl, mit der Verwaltung des Stiftes betraut, mit der Rückkehr des Abtes am 29. Juli 1945 konnte das klösterliche Leben wieder aufgenommen werden. Zwischen November 1945 und Sommer 1946 wurden schließlich unter Verwaltung des Denkmalamts in acht Transporten Kunstgüter österreichischer Provenienz aus München ("Central Collecting Point") nach Kremsmünster überstellt. Es handelte sich dabei um Objekte der bereits in den Kriegsjahren hier eingelagerten Bestände der oben genannten beschlagnahmten Wiener Sammlungen, aber auch um enteigneten Kirchenbesitz etwa aus den Stiften Kremsmünster, St. Florian, Göttweig und Klosterneuburg. Laut vorliegenden Listen und Korrespondenzen waren die Objekte diesmal in der Stiftsmühle, aber auch in Räumen des Klosters wie dem Apostelzimmer untergebracht. Das Kloster drängte daher spätestens seit 1948 auf baldige Räumung. Bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht restituierte Gegenstände wurden daher 1949 zur weiteren Zwischenlagerung in das Depot des Bundesdenkmalamts in Salzburg-Kleßheim verbracht.

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Publikationen zur Person / Institution

Johann Großruck, Vermögensentzug und Restitution betreffend die oberösterreichischen Stifte mit den inkorporierten Pfarren (= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich 22/4), Wien-München 2004, URL: hiko.univie.ac.at/PDF/22-4.pdf (3.12.2020).

Rudolf Hundstorfer, Das Stift unterm Hakenkreuz, Kremsmünster-Linz 1961.

Birgit Kirchmayr/Friedrich Buchmayr/Michael John, Geraubte Kunst in Oberdonau, Linz 2007.

Benedikt Pitschmann, Die Einlagerung von Kunstschätzen im Stift Kremsmünster (1941–1944), in: Jahrbuch des öffentlichen Stiftsgymnasiums Kremsmünster 138 (1995), 59–61.

Archivalien

BDA-Archiv, Restitutionsmaterialien, K. 13/3 und 13/4: K-Inventar, Transportlisten, Korrespondenz.

BArch Koblenz, B323-123 und 124.
BArch Koblenz, NS 6-413, Transportlisten München Führerbau nach Kremsmünster.

Stiftsarchiv Kremsmünster, Tagebuch Richard Rankl.