Dworschak, Fritz

Fritz Dworschak

Porträt, Schwarz-Weiß-Foto
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Der Numismatiker Fritz Dworschak machte in der NS-Zeit Karriere und übernahm zentrale Funktionen in der Wiener Museumslandschaft. Nachdem er 1913 an der Universität Wien promoviert und im selben Jahr die Staatsprüfung am Institut für österreichische Geschichtsforschung abgelegt hatte, war er als Volontär im Kunsthistorischen Museum in Wien tätig, wo er 1915 angestellt wurde. Neben seiner Tätigkeit als Kustos des Museums war er von 1924 bis 1939 auch Experte für Münzen und Medaillen im Dorotheum. Im März 1938 gelangte Dworschak an die Spitze des Kunsthistorischen Museums, war vorerst Kommissarischer Leiter und von 1941 bis zu seiner Dienstenthebung am 26. April 1945 Erster Direktor. Im Juli 1938 beantragte Dworschak unter Hinweis auf seine "gesamtdeutsche Einstellung" und weil er sich "seit jeher der Hitler-Bewegung verbunden" fühlte die Aufnahme in die NSDAP. Diese wurde zunächst abgelehnt, ab Oktober 1940 führte er allerdings die Mitgliedsnummer 9,020.874. Unterstützt von dem bereits seit 1932 in der NSDAP aktiven Waffenexperten Leopold Ruprecht verwaltete Dworschak das im Herbst 1938 eingerichtete Zentraldepot für beschlagnahmte Sammlungen in der Neuen Burg. Ab Sommer 1939 koordinierte er die Bergungen aus den Wiener staatlichen Museen, deren Oberaufsicht im Sommer 1942 Ludwig Berg vom Generalreferat für Kunstförderung, Staatstheater, Museen und Volksbildung übernahm. Neben diesen Funktionen wurde Dworschak im August 1941 Sachverständiger für die Ankaufsstelle für Kulturgut der Reichskammer der bildenden Künste. Zudem leitete er ab August 1942 den "Sonderauftrag Münzen" und spielte damit die zentrale Rolle bei den Erwerbungen von Münzen und Medaillen für das in Linz geplante "Führer-Museum". Im Oktober 1943 heiratete er die seit Juni 1943 als Spezialistin für griechische Münzen für diesen Sonderauftrag angestellte Elfriede Höbarth. 1946 stritt Dworschak im Zuge eines Volksgerichtsverfahrens seine NSDAP-Mitgliedschaft ab. Der Bundesbedienstete Dworschak wurde im März 1947 in den dauernden Ruhestand versetzt, fand jedoch wenige Monate später Anstellung als Vertragsbediensteter der Stadt Krems, wo er bis zu seiner Pensionierung 1958 blieb. 1960 erhielt er "aufgrund besonderer Verdienste" den Berufstitel Hofrat verliehen.

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Veröffentlichungsdatum
Publikationen zur Person / Institution

N. N., Dworschak, Fritz, in: aeiou, Österreich-Lexikon, URL: www.aeiou.at/aeiou.encyclop.d/d997647.htm (3.12.2020).

Lee Sorensen, Dworschak, Fritz, in: Dictionary of Art Historians, URL: arthistorians.info/dworschakf (3.12.2020).

Jüdisches Museum Berlin, Raub und Restitution, Glossar, Fritz Dwoschark, URL: jmberlin.de/raub-und-restitution/de/glossar_d.php (3.12.2020).

Harry Kühnel, Dr. Fritz Dworschak. Versuch einer Würdigung, in: Mitteilungen des Kremser Stadtarchivs 23/24/25 (1985), 265-281.

Emanuele Sbardella, Die dritte Seite der Medaille. Dworschak als Sonderbeauftragter Hitlers für den Aufbau eines Münzkabinettes im sog. Führermuseum. Masterarbeit, TU Berlin, eingereicht am 30. April 2015.

Publikationen der Person / Institution

zahlreiche numismatische Publikationen

Führer durch das Erzbischöfliche Dom- und Diözesanmuseum in Wien, bearbeitet von Fritz Dworschak und Justus Schmidt, Wien 1933 (mehrere Auflagen).

Fritz Dworschak (Hg.), Kataloge der stiftlichen Kunstsammlungen in Klosterneuburg, Klosterneuburg 1937–1943.
Fritz Dworschak, Der Maler Martin Johann Schmidt, genannt "Der Kremser Schmidt", 1718-1801, Wien 1955.
Fritz Dworschak, Krems und Stein, Wachau: Niederösterreich (= Kleine Kunstführer 652), München 1957.
Fritz Dworschak, Wachau und Nibelungengau (= Große Kunstführer 34), München 1961.

Ludwig Baldass, Fritz Dworschak, Die Gotik in Niederösterreich. Kunst, Kultur und Geschichte eines Landes im Spätmittelalter, Wien 1963.

Archivalien

DASP, Trauungsbuch Dürnstein 1891–1924, fol. 115, Trauung von Friedrich Dworschak und Maria Dum, 19.9.1916, URL: data.matricula-online.eu/de/oesterreich/st-poelten/duernstein/02-04/?pg=132 (3.12.2020).

KHM-Archiv, IV 95, NL Fritz Dworschak; 1/KL/1938 (Ernennung zum Kommissarischen Leiter, Anmeldung bei Reichskammer); 3/KL/1938, 93/KL/1939 (Bezüge und Aufwandsentschädigungen); 119/KL/1939 (Ausstellungseröffnung Berlin); 130/KL/1939 (Studienreisen); 149/KL/1939 (Dienstreise Böhmen, Schlesien); 53/KL/1941 (KHM Eigentum in den verschiedenen Gauen, Korrespondenz); 63/KL/1941 (Korrespondenzen, Anstellung Gassauer); 138/KL/1941 (Vortrag in Rom); 144/KL/1941 (Urlaub pro 1941); 205/KL/1941 (Dienstreise nach Linz); 206/KL/1941 (Ernennung zum Sachverständigen der Reichskammer der bildenden Künste); 259/KL/1941 (Ernennung zum ersten Direktor des KHM); 52/ED/1942 (Betrauung mit der Leitung des Münzkabinetts); 124/ED/1942 (Berufung in den Fachbeirat); 153/ED/1942 (Urlaub); 9/ED/1943 (UK-Stellung); 25/ED/1943 (Urlaub); 44/ED/1943 (Dienstreise mit Höbarth nach München); 72/ED/1943 (Erkrankung); 18/ED/1944 (Reisen und Abwesenheiten); 2/ED/1945 (Bericht über Bergungsmaßnahmen); 16/ED/1945 (Reisen u.a.); 46/ED/1945 (Maßnahmen gg. NationalsozialistInnen auf Grund des Verfassungsgesetzes v. 8.5.1945); 33/ED/1945 (Sonderauftrag); I 31, Dworschak an Dorotheum, 19.12.1939 (Niederlegung der Expertentätigkeit); 248/VK/43, Verehelichung mit Elfriede Höbarth.

OeStA/AdR, UWK, BMU, Personalakten, K. 3/28, Friedrich Dworschak.
OeStA/AdR, ZNsZ, Gauakt 562, Fritz Dworschak.

WStLA, LG für Strafsachen, A11, Vr-Strafakten, VgVr 1929/46 Ludwig Berg, Fritz Dworschak.
WStLA, Gauakten, A1-'Gauakten', Personalakten des Gaues Wien, 315.283, Fritz Dworschak.
WStLA, Historische Wiener Meldeunterlagen, Meldeauskunft Fritz Dworschak.