Munk, Aranka

Aranka Munk

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28.11.1862 Budapest– 26.11.1941 Łódź
née Pulitzer

Aranka Pulitzer stammte aus einer wohlhabenden österreichisch-ungarischen Familie. Im November 1882 heiratete sie in Budapest den Holzindustriellen Alexander Munk, mit dem sie drei Töchter bekam: Lili (1884–1885), Maria (1887–1911) und Lola Christine (1900–1942). 1920 heiratete Lola Munk den Buchhändler Hans Sachsel (1893–1950), von dem sie sich 1925 scheiden ließ; in zweiter Ehe war sie mit Eduard Kraus verheiratet, der 1936 starb. Die Familie bewohnte eine Villa in Wien 18, Sternwartestraße 52. Ihre älteste Tochter Maria (Ria) Munk beging 1911 mit nur 24 Jahren Suizid. In seinem Tagebuch notierte Arthur Schnitzler (1862–1931) in diesem Zusammenhang kryptisch "wegen Hans H. Ewers", was auf eine mögliche unglückliche Liebesbeziehung mit dem Schriftsteller Hanns Heinz Ewers (1871–1943) hindeuten könnte. Die genauen Umstände bleiben jedoch unklar. Aranka und Alexander Munk ließen sich 1913 vor dem Rabbinat und dem Bezirksgericht scheiden. Aranka Munk bewohnte fortan eine Wohnung in Wien 6, Köstlergasse 10/23. Gustav Klimt war 1912 beauftragt worden, posthum ein Gemälde der Tochter, Ria Munk auf dem Totenbett, zu malen, das Aranka Munk jedoch 1914 dem Bildhauer Josef Heu (1876–1952) schenkte. Klimt fertigte weitere Bildnisse von Ria Munk an, die er, nachdem sie bei der Auftraggeberin Aranka Munk ebenfalls keinen Gefallen fanden, übermalte (Die Tänzerin, 1916/1918, Damenbildnis in Weiß, 1917/18). Das Bildnis Ria Munk III blieb aufgrund des Todes von Gustav Klimt 1918 unvollendet. Es zierte eine Wand des 1914 erworbenen Sommerfrische-Domizils von Aranka Munk in Bad Aussee, Marktleithe 78, wo einige Verwandte bereits Liegenschaften besaßen.

Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich 1938 zählten Aranka Munk und ihre Tochter Lola zum Kreis der Verfolgten. In einem Brief bat Aranka Munk 1939 ihren Ausseer Hausverwalter, auf das Bild vom "armen Mitzerl" besonders Obacht zu geben. Im Oktober 1941 wurden Aranka Munk und Lola Kraus von Wien nach Łódź deportiert und wenig später dort bzw. in Chelmno ermordet. Laut Bescheid der Gestapoleitstelle Linz war die Villa in Aussee am 23. November 1938 zugunsten des Landes Österreich eingezogen und letztlich 1942 vom Oberfinanzpräsidenten Wien an ein "Umsiedlerehepaar" namens Ruth und Hermann Kobbe aus dem Buchenland (Bukowina) veräußert worden. Die Einrichtung der Villa Aranka Munk in Bad Aussee verteilte Gottfried Reimer (1911–1992), stellvertretender Leiter des "Sonderauftrags Linz", nach der Enteignung systematisch: Bereits im Februar 1942 gelangten volkskundliche Gegenstände im Wert von 200 Reichsmark – darunter Gmundner Keramikkrüge, ein bemaltes Bauernbett sowie Kupfer- und Messinggeschirr – an das örtliche Heimathaus. Weitere Gegenstände im Gesamtwert von rund 5.500 Reichsmark wurden gemäß Erlass des Reichsfinanzministeriums dem Reichsfinanzerholungsheim "Alpenhof" zugewiesen. Ein besonders wertvoller Aubusson-Teppich, dessen Wert der Ausseer Tischler Hugo Petter auf 25.000 Reichsmark schätzte, war im September 1943 für den sogenannten "Sonderauftrag Linz" vorgesehen. Die übrigen Bilder und Kunstgegenstände wurden dem Reichsgau Oberdonau zugewiesen; ihr Verbleib ist bis heute ungeklärt. Die dem Heimathaus Bad Aussee überlassenen Objekte – darunter auch der dort verwahrte Aubusson-Teppich – wurden 1944 im Bergwerk Altaussee eingelagert. Im Zusammenhang mit der Schätzung des zu verkaufenden Hauses besichtigte Gaukonservator Franz Juraschek die Villa und informierte im Juli 1942 Justus Schmidt vom Gaumuseum in Linz u. a. über die Existenz eines unvollendeten "Damenportraits" von Gustav Klimt. Auch Herbert Seiberl, Leiter des Institutes für Denkmalpflege, wusste spätestens im November 1942 von der Existenz des Porträts. Wolfgang Gurlitt, der in der NS-Zeit Geschäfte mit "entarteter" Kunst und entzogenen Werken machte und in Nachbarschaft zu Aranka Munk wohnte, eignete sich das Bild auf bisher ungeklärte Weise an.

Gurlitt übernahm 1946 die Direktion der Neuen Galerie der Stadt Linz, heute Lentos Kunstmuseum. 1948 schloss er trotz massiver Bedenken der österreichischen Behörden mit der Stadt Linz einen Leihvertrag betreffend seine Kunstsammlung ab. Das Restitutionsverfahren über die Villa Aranka Munks endete im März 1950 mit dem Abschluss eines außergerichtlichen Vergleichs zwischen den ErbInnen nach Aranka Munk und Hermann sowie Ruth Maria Kobbe. Die 1944 in Altaussee eingelagerten Gegenstände aus dem Heimathaus wurden 1952 an die ErbInnen zurückgestellt, die sie im Dorotheum versteigern ließen. 1953 erfolgte nach Verhandlungen, in die Justus Schmidt involviert war, der Ankauf zahlreicher Werke aus der Sammlung Gurlitt und 1956 erwarb die Neue Galerie das Klimt-Gemälde Bildnis Ria Munk. Dabei wurde die Identität der Dargestellten verschleiert und das Bild kategorisch als Damenbildnis bezeichnet, obwohl bekannt war, dass es aus jüdischem Eigentum stammte. Das Gemälde galt lange Zeit als eines der Hauptwerke des Museums. Nach jahrelangen Recherchen restituierte die Stadt Linz das Gemälde im Sommer 2009 auf Grundlage eines einstimmigen Beschlusses des Verwaltungsausschusses der Stadt Linz an die ErbInnengemeinschaft nach Aranka Munk. Am 23. Juni 2010 versteigerte Christie's London das Gemälde im Rahmen des Evening Sales Impressionist & Modern Art um 18,8 Millionen Pfund.

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Publikationen zur Person / Institution

N. N., Provenienzforschung am Lentos Museum Linz, Zwischenbericht, Oktober 2019, URL: www.lentos.at/assets/media/Jobs/Bericht-Provenienzforschung.pdf (12.6.2024).

Marian Bisanz-Prakken, Ria Munk III von Gustav Klimt. Ein posthumes Bildnis neu betrachtet, in: Parnass 29 (2009) 3, 54–59.

Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller (Hrsg.), Hermann Bahr – Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931), Tagebuch von Arthur Schnitzler, 14. 1. 1912, Stand 7. 1. 2025: schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/D041076.html  (20.5.2025). 

Michael John, Die 'Connection' Bad Aussee – Berlin – Linz. Kunsthandel mit Folgen, in: Eva Blimlinger/Monika Mayer (Hg.), Kunst sammeln, Kunst handeln. Beiträge des Internationalen Symposiums in Wien (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 3), Wien-Köln-Weimar 2012, 101–118, URL: doi.org/10.7767/boehlau.9783205791997.101.

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Olga Kronsteiner, Die 20-Millionen-Braut, in: Der Standard, 28.5.2010, URL: www.derstandard.at/story/1271377655994/ria-munk-die-20-millionen-braut (12.6.2024).
Olga Kronsteiner, Auktionsstar Aranka Munk, in: Der Standard, 24.6.2010, URL: www.derstandard.at/story/1276413878460/auktionsstar-aranka-munk (25.3.2026).

LENTOS Kunstmuseum Linz (Hg.), Wolfgang Gurlitt Zauberprinz. Kunsthändler – Sammler, München 2019.

Sophie Lillie, Was einmal war. Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen, Wien 2003.
Sophie Lillie, Das kurze Leben der Maria Munk. Ein Portrait der Moderne von Gustav Klimt wird restituiert, in: Parnass, September/Oktober, 3/2009, 60–62.
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Thomas Trenkler, Der Fall Munk: Linz beteuert Interesse an Klärung, in: Der Standard, 18.11.2008, URL: www.derstandard.at/story/1226396936155/der-fall-munk-linz-beteuert-interesse-an-klaerung (25.3.2026).
Thomas Trenkler, "Ria Munk": Linz ist einsichtig, in: Der Standard, 20.4.2009, URL: www.derstandard.at/story/1237230326232/ria-munk-linz-ist-einsichtig (12.6.2024).

Archivalien

BArch Koblenz, B323/106.
BArch Koblenz, B323/118.
BArch Koblenz, B323/123.

BDA-Archiv, Restitutionsmaterialien, K. 10, Korrespondenzen: Hans Posse, Hermann Voß, Gottfried Reimer (I).
BDA-Archiv, Restitutionsmaterialien, K. 13, Mappe 5c, Kunstmuseum Linz (III).
BDA-Archiv, Restitutionsmaterialien, K. 22, Bergungsort Altaussee (I).
BDA-Archiv, Restitutionsmaterialien, K. 22/3, Bergungsort Altaussee (IV).
BDA-Archiv, Restitutionsmaterialien, K. 22/5, Bergungsort Altaussee (VI)
BDA-Archiv, Restitutionsmaterialien, K. 41, PM Aranka Munk.

OeStA/AdR, E-uReang, FLD, Zl. 14.148, Aranka Munk.
OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, VA 35.305, Aranka Munk.

OÖLA, VA 35.305, Aranka Munk:
OÖLA, Beschlagnahmtes Vermögen, Film 16/Schachtel 30.

StLA, Arisierungsakten Bad Aussee, Lg 8064, Aranka Munk.
StLA, LGfZRS, RK 477/1949, Aranka Munk.
StLA, FLD L-17-1010/1949, Aranka Munk.

WStLA, BG I, GZ-3A-545/49, Verlassenschaft Aranka Munk.
WStLA, BG 18, III, 7/1913, Scheidungsakt Aranka und Alexander Munk.
WStLA, Historische Wiener Meldeunterlagen, Meldeauskunft Alexander und Aranka Munk.