Loehr, August Octavian

August Loehr

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31.3.1882 Wien – 11.7.1965 Wien

August Loehr studierte Geschichte und Geografie an den Universitäten Wien und Heidelberg, promovierte 1905 mit einer Arbeit zur Schifffahrt im Donaugebiet bis zum Ende des 14. Jahrhunderts und wurde im selben Jahr ordentliches Mitglied und Bibliothekar am Institut für Österreichische Geschichtsforschung sowie ordentliches Mitglied des Österreichischen Institutes in Rom. 1906 erhielt Loehr eine Position als wissenschaftlicher Mitarbeiter am kaiserlichen Münzkabinett in Wien, zu dessen Leiter er 1913 avancieren sollte. Neben seiner Tätigkeit im k. k. Kunsthistorischen Hofmuseum war er ab 1908 als Experte für Münzfunde in der Denkmalpflege aktiv und studierte an der Juridischen Fakultät in Wien, 1911 erlangte er das Doktorat der Rechtswissenschaften und erhielt 1929 eine Honorarprofessur für Numismatik und Geldgeschichte an der Universität Wien. Im Sommer 1938 suchte Loehr, der in der NS-Diktion als "Mischling II. Grades" galt, um Versetzung in den Ruhestand an, wie es ihm von den Behörden nahegelegt worden war. Seine Honorarprofessur durfte er zwar nicht mehr ausüben, er konnte aber weiterhin wissenschaftlich arbeiten und publizieren und ab 1943 wieder einen Arbeitsplatz im Kunsthistorischen Museum (KHM) nutzen.

Unmittelbar nach der Befreiung Wiens erfolgte seine Ernennung zum Ersten Direktor des KHM mit 16. April 1945. Loehr gründete 1946 das Museum österreichischer Kultur (MÖK) als Abteilung des KHM in der Neuen Burg und lehrte nun auch Museumskunde an der Universität Wien. Als von den Verfolgungsmaßnahmen durch das NS-Regime Betroffener war Loehr 1945 zum Vorsitzenden der Sonderkommission zur Überprüfung der politischen Vergangenheit der öffentlich Bediensteten des Kunsthistorischen Museums (Senat Nr. 7 beim Staatsamt für Volksaufklärung, Unterricht und Erziehung und für Kultusangelegenheiten) und zum stellvertretenden Vorsitzenden des für die Entnazifizierung in der Albertina, der Österreichischen Galerie, dem Museum für Volkskunde und dem Museum für Völkerkunde zuständigen Senats Nr. 9 berufen worden. Nach dem Verbotsgesetz vom 8. Mai 1945 galten 118 der damals 343 Beschäftigten im Museum – sieben Frauen und 111 Männer – wegen ihrer NS-Vergangenheit als registrierungspflichtig. In vielen Fällen plädierte die Sonderkommission für die Weiterbeschäftigung, weil die Betroffenen sich nie politisch betätigt hätten und ihre Arbeitskraft für den Wiederaufbau benötigt wurde. Als Erster Direktor war Loehr auch für die Nennung der anmeldepflichtigen Objekte laut Vermögensentziehungsanmeldeverordnung (VEAV) verantwortlich. Zwar versicherte er in einem Schreiben an das Unterrichtsministerium, dass das KHM alle rückzustellenden Objekte erfassen und so rasch als möglich zurückgeben werde, allerdings wurden viele Objekte gar nicht gemeldet, wie etwa der Besitz des Deutschen Ordens oder ein Hammerflügel aus dem Besitz von Frida Gerngross bzw. ihrer Tochter Maria Gerngross, die beide in der Shoa ermordet wurden. Auch sprach sich Loehr in einigen Fällen dafür aus, dass die früheren und nun im Ausland lebenden EigentümerInnen einen Teil ihrer Sammlung dem Museum "spenden" sollten, um im Gegenzug dafür eine Ausfuhrgenehmigung vom Bundesdenkmalamt für ihre restlichen Kunstgegenstände zu bekommen. 1949 noch zum Generaldirektor der kulturhistorischen Sammlungen des Bundes ernannt, trat Loehr mit 31. Dezember 1949 in den Ruhestand, lehrte aber noch bis 1954 Numismatik und Geldgeschichte an der Universität Wien.

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Publikationen zur Person / Institution

Erwin M. Auer, DDr. August O. Loehr (31. März 1882 – 11. Juli 1965), Wien 1982.

Erwin M. Auer, Loehr, August Ritter von, in: Neue Deutsche Biographie 15, Berlin 1987, 44–45.

Fritz Fellner/Doris A. Corradini, Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon, Wien-Köln-Weimar 2006.

Eduard Holzmair, Nachruf auf August Loehr, in: Numismatische Zeitschrift 81 (1965), 68–75.

Andreas Huber, Rückkehr erwünscht. Im Nationalsozialismus aus "politischen" Gründen vertriebene Lehrende der Universität Wien, Wien 2016.

N. N., August Loehr, kMI 1933, wM 1945, in: Österreichische Akademie der Wissenschaften (Hg.), Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, URL: www.oeaw.ac.at/gedenkbuch/personen/i-p/august-loehr/ (3.12.2020).

Publikationen der Person / Institution

August Loehr, Beiträge zur Geschichte des mittelalterlichen Donauhandels, in: Oberbayrisches Archiv 60 (1916), 155–262.
August Loehr, Die Münzen- und Medaillensammlungen des Erzherzogs Franz Ferdinand von Österreich-Este, Wien 1918.
August Loehr, Geldwesen, Wien 1920/1923.
August Loehr, Die niederländische Medaille des 17. Jahrhunderts, Wien 1921.
August Loehr, Die Medaille in Österreich, Wien 1933.
August Loehr, Führer durch die Ausstellung der Bundessammlung von Medaillen, Münzen und Geldzeichen, Wien 1935.
August Loehr, Frühe Formen von Wertpapieren, Wien 1937.
August Loehr, Numismatik und Geldgeschichte, Wien 1944.
August Loehr, Österreichische Geldgeschichte, Wien 1946.
August Loehr, Entwicklung von Wertpapieren und Geldzeichen, Wien 1952.
August Loehr, Musealprobleme, Wien 1954.
August Loehr, Mitteilung der Weistümer-Kommission, Wien 1955.
August Loehr, Geschichte und Aufgabe der österreichischen Museen, Wien 1957.

Archivalien

KHM-Archiv, Direktionsakten: 84/ED/1943, 58/ED/1944, 27/ED/1945, 5/ED/1947; Personalia: III 1031, Nachtr. PA Loehr; III 2302, Biographie Loehr; III 2115 Parte Loehr.

OeStA/AdR, UWK, BMU, Personalakt August Loehr.