Bodenkreditanstalt / Depot Löwelstraße, Wien

Bodenkreditanstalt / Depot Löwelstraße, Wien

Frontale Ansicht des dreistöckigen Gebäudes, Schwarz-Weiß-Foto
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Löwelstraße 20, Teinfaltstraße 8, Wien 1

weitere Bezeichnung: Bodencreditanstalt
 

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Das Gebäude der Bodenkreditanstalt wurde 1884 bis 1887 nach Plänen Emil von Försters im Auftrag der Allgemeinen k. k. privaten Boden-Credit Anstalt errichtet. Bedingt durch seine Größe hat der Gebäudekomplex sowohl die Adresse Teinfaltstraße 8 als auch Löwelstraße 20. In Folge der Weltwirtschaftskrise 1929 übernahm die Creditanstalt für Handel und Gewerbe die vormals zweitgrößte Bank Österreichs. Das Gebäude stand zunächst leer; ab 1934 hatte das Schutzkorpskommando für das Bundesland Wien dort seinen Sitz. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich ist bereits am 15. März 1938 die Nutzung als SA-Kaserne dokumentiert. Ab 1940 war in dem Gebäudekomplex auch die Industrie- und Handelskammer für Niederdonau ansässig, ab 1942 das Büro der Flugmotorenwerke Ostmark und ab 1943 die Gauwirtschaftskammer Niederdonau. Das Institut für Denkmalpflege mietete ab Mai 1943 einzelne Tresorräume im Keller- und Erdgeschoß von den Gauwerken Niederdonau, nachdem der Musealreferent beim Generalreferat für Kunstförderung der Reichsstatthalterei in Wien Ludwig Berg diese für die Bergung als geeignet befunden und deren Fenster hatte vermauern lassen. Auf einer Fläche von 200 bis 300 m² lagerten, jeweils getrennt nach Sammlungszugehörigkeit, Einzelobjekte aus der Restaurierwerkstätte des Instituts für Denkmalpflege, sichergestellte Sammlungen (z. B. Antiken und Asiatika aus der Sammlung Lanckoroński; Gemälde und Skulpturen aus dem Schottenstift); hinzu kamen Kunstgegenstände der Städtischen Sammlungen Wien (z. B. Sammlung Grillparzer), des Staatlichen Kunstgewerbemuseums in Wien, der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste sowie einzelne Werke der Österreichischen Galerie und der Musikinstrumentensammlung des Kunsthistorischen Museums. Ab 1944 nutzten auch PrivatsammlerInnen die Räumlichkeiten zur Bergung, beispielsweise Maria Buberl, Hermine Schattenfroh und Josef Pfundner. Mitte November 1944 fand ein Großtransport von Teilen des Einlagerungsgutes nach Altaussee statt; weitere Transporte gingen in die zu Bergungsstellen umfunktionierten Schlösser Thürntal, Schönborn und Waidhofen an der Thaya. Eine vollständige Räumung des Depots erfolgte jedoch nicht.

Bereits am 8. Mai 1945 erhielt das Schottenstift seine noch in der Löwelstraße 20 gelagerten Kunstgegenstände zurück. Im Oktober 1946 holten die Städtischen Sammlungen 32 Kisten Bergungsgut von dort ab. Das Bundesdenkmalamt (BDA) nutzte die Tresorräume weiterhin als Depot, insbesondere für Objekte, deren Status als verfolgungsbedingt entzogen dokumentiert war bzw. deren Provenienz als unbekannt galt, darunter beispielsweise die später versteigerten Kunstwerke aus der Sammlung Wilhelm Freund. Die im Depot St. Marx befindlichen Objekte verbrachte das BDA im Zuge von dessen Auflösung im Jahr 1948 in die Bodenkreditanstalt, im September 1949 folgte das Bergungsgut aus Schloss Schönborn und 1951 jenes "aus den alten Beständen des Instituts für Denkmalpflege" sowie die bis zur Auflösung am 22. März 1951 im Depot Wollzeile gelagerten Werke. Hierbei sowie bei dem im Juni 1961 hinzugekommenen Restbestand aus dem Central Collecting Point München handelte es sich um Gegenstände unbekannter Provenienz, d. h. um nicht beanspruchte bzw. nicht identifizierte Objekte. Nach der Räumung der Depots in Salzburg und Altaussee 1963 gelangten auch die bisher dort verwahrten Bestände in die Löwelstraße 20. Das BDA löste das Depot aufgrund schlechter Lagerbedingungen auf und verbrachte am 20. Januar 1967 die letzten Kisten in die ehemalige Kartause Mauerbach.

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Veröffentlichungsdatum
Publikationen zur Person / Institution

Peter Eigner/Peter Melichar, Das Ende der Boden-Credit-Anstalt 1929 und die Rolle Rudolf Siegharts, in: Bankrott. Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 19 (2008) 3, 56–114.

Peter Eigner/Helmut Falschlehner/Andreas Resch, Geschichte der österreichischen Privatbanken, Wiesbaden 2018.

Sabine Erkinger-Kovanda, Bodenkreditanstalt, Allgemeine Österreichische, URL: www.austria-forum.org/af/AEIOU/Bodencreditanstalt%2C_Allgemeine_%C3%96sterreichische, unter Bezugnahme auf Eintrag in E. Bruckmüller, Österreich-Lexikon, Verlagsgemeinschaft Österreich-Lexikon, 2004 (3 Bde.) (7.12.2020).

N. N., Errichtung der Gauwirtschaftskammer Niederdonau, in: Badener Zeitung, 19.6.1943, 6, URL: anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=bzt&datum=19430619&seite=6  (17.12.2020).

N. N., Einheitliche Führung des Wiener Freiwilligen Schutzkorps, in: Illustrierte Kronen-Zeitung, 3.7.1934, 7, URL: anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19340703&seite=7 (17.12.2020).

N. N., Mitteilungen der NSDAP, in: Das Kleine Volksblatt, 15.3.1938, 11–12, URL: anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dkv&datum=19380315&seite=11 (17.12.2020).

N. N., Spezialgas für frühere Heimwehrkaserne – Wiens Stadtverwaltung braucht Platz, in: Kleine Volks-Zeitung, 30.9.1938, 8, URL: anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=kvz&datum=19380930&seite=8 (17.12.2020).

Anneliese Schallmeiner, "Die modernen Nibelungen salzen ihre Schätze ein", Altaussee als Bergungsort des Instituts für Denkmalpflege, in: Pia Schölnberger/Sabine Loitfellner (Hg.), Bergung von Kulturgut im Nationalsozialismus, Mythen – Hintergründe – Auswirkungen (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 6), Wien-Köln-Weimar 2016, 103–128, URL: doi.org/10.7767/9783205201564-007.

René Schober, "… da ihre Beschädigung keinen Verlust von unersetzlichen Kulturwerten darstellen würde", Bergungen und Kriegsverluste der akademischen Gemäldegalerie im Zweiten Weltkrieg, in: Pia Schölnberger/Sabine Loitfellner (Hg.), Bergung von Kulturgut im Nationalsozialismus, Mythen – Hintergründe – Auswirkungen (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 6), Wien-Köln-Weimar 2016, 149–174, URL: doi.org/10.7767/9783205201564-009.

Dieter Stiefel, Die Krise der Credit-Anstalt in den 1930er Jahren und ihre Folgen für das österreichische Bankensystem, in: Bankrott. Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 19 (2008) 3, 117–141.

Archivalien

BDA-Archiv, Restitutionsmaterialien, K. 2; K. 5/1; K. 5/2, M. 4, M. 5;  K. 6;  K. 7, M. 1, M. 4, M. 5, M. 6, M. 8, M. 12; K. 24, M. 2; K. 26, M. 4; K. 26/1, M. 17; K29, M.1b.

OeStA/AdR, UWK, BMU, II, 15B1, K. 98, M. 1; M. 2.