Akademie der bildenden Künste in Wien

Akademie der bildenden Künste in Wien

Blick in die Säulenhalle mit Hitler-Büste, Schwarz-Weiß-Foto
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weitere Bezeichnungen: Academia von der Mallerey, Bildthauer, Fortification, Prospectiv und Architectur-Khunst (ab 1692), Kaiserl. Hof-Academie der Mahler- Bild-Hauer und anderer freyen Künste (ab 1725/26), k. k. Akademie der vereinigten bildenden Künste (ab 1772), k. k. Akademie der bildenden Künste (ab 1800), k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien (ab 1865), Akademie der bildenden Künste in Wien (ab 1918), Akademie der bildenden Künste Wien (ab 1998)

Die Gründung der Akademie der bildenden Künste geht auf eine Privatinitiative des kaiserlichen Kammermalers Peter Strudel (1660–1714) zurück und fand ihre urkundliche Anerkennung durch das Kaiserhaus im Jahr 1692. Nach dem Tod Strudels erfolgte die Neugründung 1726 als öffentliche kaiserliche Hofakademie unter der Leitung von Jacob van Schuppen (1670–1751). Mit der Errichtung einer eigenständigen Kupferstecherakademie unter Jakob Mathias Schmutzer (1733–1811) 1766 wurde der Grundstock für die Sammlung des heutigen Kupferstichkabinetts gelegt. Schmutzers Kupferstecherakademie wurde 1772 in die "k. k. Akademie der vereinigten bildenden Künste", welche die bestehenden Wiener Kunstlehranstalten zu einer Institution zusammenschloss, eingegliedert und der Sammlungsbestand in Folge gezielt ausgebaut. Eine weitere am Haus existierende, ursprünglich als Lehrmittelkabinett gegründete und noch keiner expliziten Sammlungsstrategie unterliegende Bildersammlung erfuhr 1822 mit dem Legat von Anton Franz de Paula Graf von Lamberg-Sprinzenstein (1740–1822) – es beinhaltete u. a. Hieronymus Boschs Weltgerichtstriptychon sowie Werke von Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck und andere Niederländer des 17. Jahrhunderts – eine entscheidende Aufwertung hin zu einer eigenständigen Gemäldegalerie von internationaler Bedeutung. Nach wechselnden Standorten im heutigen 1. Wiener Bezirk und infolge zunehmenden Raummangels wurde 1871 der Neubau des Akademiegebäudes am Schillerplatz genehmigt, der 1877 feierlich eröffnet wurde. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gingen die Sammlungen der Akademie in das Eigentum der Republik Österreich über.

Bereits während der Jahre des austrofaschistischen Regimes herrschte an der Akademie ein den Nationalsozialismus nicht ablehnendes Klima, das eine rasche "Gleichschaltung" nach dem "Anschluss" 1938 beförderte. Bereits am 12. März 1938 bestellte die Landesleitung Wien der NSDAP ein aus Ferdinand Andri, Wilhelm Dachauer und Alexander Popp bestehendes Leitungsgremium, das in Folge 13 Bedienstete vom Dienst entheben und bis zur Ernennung Popps zum Rektor im Sommer 1941 bestehen sollte. Die Akademie war nun der Abteilung IV des Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten unter der Leitung von Kajetan Mühlmann, ab 1940 dem Generalreferat Kunstförderung des Reichsstatthalters in Wien unterstellt. Ab dem Wintersemester 1944/45 fand an der Akademie kein regulärer Unterricht mehr statt – spätestens mit Jänner 1945 erfolgte ihre endgültige Schließung im Rahmen der allgemeinen Stilllegung der Kunsthochschulen.

Der Gesamtbestand der Gemäldegalerie im Jahr 1938 betrug rund 1.900 Werke. Um das Sammlungsinventar zu erweitern, beabsichtigten das kommissarische Leitungsgremium und der Direktor der Gemäldegalerie, Robert Eigenberger, 1939 an der Zuteilung von Kunstgegenständen aus entzogenen Sammlungen zu partizipieren – bei gegenwärtigem Forschungsstand können allerdings keine solchen Zuteilungen nachgewiesen werden. Im August desselben Jahres wurde Eigenberger beauftragt, die Bestände der Gemäldegalerie in die Kategorien A, B und C einzuteilen und angesichts des drohenden Kriegsbeginns die Bergung der Objekte der Kategorie A vorzubereiten. In den folgenden vier Bergungsphasen der Jahre 1939, 1942, 1944 und 1945 wurden mehr als 600 Objekte überwiegend der Kategorien A und B in die Bergungsstellen Stift Heiligenkreuz, Creditanstalt–Bankverein in Wien 1, Schottengasse 6-8, Schloss Schönborn in Niederösterreich und Bergwerk Lauffen bei Bad Ischl verbracht. Beinahe 1.700 Objekte hatte Eigenberger 1939 als drittrangige Bestände kategorisiert, von denen etwa 1.300 im Akademiegebäude zurückgelassen wurden. Durch einen Bombentreffer am 12. März 1945 wurden 520 Werke zerstört bzw. gelten seither als verschollen. Zudem gingen 120 der in externe Bergungsorte ausgelagerten Werke u. a. durch Plünderungen verloren. Ende 1942 waren auch in der Bibliothek und den ihr angegliederten Sammlungen des heutigen Kupferstichkabinetts Bergungsmaßnahmen eingeleitet worden. Die wertvollsten Bestände wurden in einen Banktresor in der Wiener Rockhgasse und weniger wertvolle Objekte in ein Kellerdepot der Akademie umgelagert, während die minderbewerteten Restbestände in den bisherigen Räumlichkeiten belassen wurden. Die aktuelle Quellenlage bietet, mit wenigen Ausnahmen, keinen detaillierten Aufschluss darüber, welche Bestände des heutigen Kupferstichkabinetts tatsächlich geborgen wurden oder kriegsbedingte Verluste erlitten.

Am 19. April 1945, nach dem Ende der Kämpfe im Wiener Stadtgebiet, übernahm Herbert Boeckl die provisorischen Geschäfte des Rektors, die Wiederaufnahme des Unterrichts folgte nur wenige Tage später. Im Zuge der Entnazifizierung des Personalstandes kam es zu 37 Dienstenthebungen unmittelbar nach Kriegsende. Ein Großteil der betroffenen Personen wurde jedoch spätestens mit der Verabschiedung des Nationalsozialistengesetzes 1947 rehabilitiert.

1988 wurde der Gemäldegalerie die Glyptothek der Akademie angegliedert. Im Rahmen des Kunsthochschul-Organisationsgesetzes erfuhr die Akademie 1998, unter Beibehaltung des leicht gekürzten Namens "Akademie der bildenden Künste Wien", die Ernennung zur Universität. 2003 wurde das Kupferstichkabinett als selbständige Organisationseinheit von der Bibliothek getrennt. Die systematische Provenienzforschung in den Sammlungen der Gemäldegalerie und des Kupferstichkabinetts startete im Jahr 2013.

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Publikationen zur Person / Institution

Beatrix Bastl, "Herrschaft des Abschaums". Universitätsbibliothek und Universitätsarchiv der Akademie der Bildenden Künste Wien von 1933 bis 1948, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich (2012) 2, 7–28.

Beatrix Bastl/Paul Köpf, Universitätsbibliothek der Akademie der bildenden Künste Wien in der Zeit zwischen 1933 und 1948, in: Bruno Bauer/Christina Köstner-Pemsel/Markus Stumpf (Hg.), NS-Provenienzforschung an österreichischen Bibliotheken. Anspruch und Wirklichkeit, Graz-Feldkirch 2011, 273–288, URL: fedora.phaidra.univie.ac.at/fedora/objects/o:290050/methods/bdef:Content/download (3.12.2020).

Martin Bilek, Die Akademie der bildenden Künste 1967/68 bis 1991/92. Statistik der Meisterschulen und Institute, Wien 1992.

Heribert Hutter, Akademie der bildenden Künste in Wien. Akademie heute. Schenkungen d. Professoren u. andere Widmungen, Wien 1977.

Elisabeth Klamper, Zur politischen Geschichte der Akademie der bildenden Künste 1918 bis 1948. Eine Bestandsaufnahme, in: Hans Seiger/Michael Lunardi/Peter Josef Populorum (Hg.), Im Reich der Kunst. Die Wiener Akademie der bildenden Künste und die faschistische Kunstpolitik, Wien 1990, 5–64.

Monika Knofler, 1688, 1692, 1726, 1772. Die ersten 100 wechselvollen Gründungsjahre der Akademie der bildenden Künste Wien, in: DERDIEDAS, Akademiezeitung Sondernummer zum 325 Jahre Jubiläum, Wien 2017, 28–33.

Carl Friedrich Arnold von Lützow, Geschichte der k. k. Akademie der bildenden Künste. Festschrift zur Eröffnung des neuen Akademie-Gebäudes, Wien 1877.

Irene Nierhaus, Adoration und Selbstverherrlichung. Künstlerische und kunstpolitische Schwerpunkte an der Akademie der bildenden Künste von den dreißiger bis Ende der vierziger Jahre, in: Hans Seiger/Michael Lunardi/Peter Josef Populorum (Hg.), Im Reich der Kunst. Die Wiener Akademie der bildenden Künste und die faschistische Kunstpolitik, Wien 1990, 65–158.

Verena Pawlowsky, Die Akademie der bildenden Künste Wien im Nationalsozialismus. Lehrende, Studierende und Verwaltungspersonal, Wien-Köln-Weimar 2015.

Margatethe Poch-Kalous, Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien, Wien 1968.

René Schober, "...da ihre Beschädigung keinen Verlust von unersetzlichen Kulturwerten darstellen würde". Bergungen und Kriegsverluste der Akademischen Gemäldegalerie im Zweiten Weltkrieg, in: Pia Schölnberger/Sabine Loitfellner (Hg.), Bergung von Kulturgut im Nationalsozialismus. Mythen – Hintergründe – Auswirkungen (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 6), Wien-Köln-Weimar 2016, 149–174, URL: doi.org/10.7767/9783205201564-009.

Renate Trnek, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien. Illsutriertes Bestandsverzeichnis, Wien 1989.

Walter Wagner, Die Geschichte der Akademie der bildenden Künste in Wien, Wien 1967.

Publikationen der Person / Institution

Akademie der bildenden Künste Wien, Die K. K. Akademie der Bildenden Künste in Wien in den Jahren 1892–1917. Zum Gedächtnis des zweihundertfünfundzwanzigjährigen Bestandes der Akademie, Wien 1917.
Akademie der bildenden Künste in Wien, Die Akademie der bildenden Künste Wien, Jahrbuch 1940, Wien 1940.
Akademie der bildenden Künste in Wien, Jubiläumsausstellung, 25.10.1942–3.1.1943, Wien 1942.

Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste, Wien (Hg.), Meisterzeichnungen des 16. und 17. Jahrhunderts aus dem Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien. Ausgewählt und bearbeitet von Erwin Pokorny, Wien 1998.

Archivalien

UAAbKW, Verwaltungsakten.