Mit Beginn der großen Deportationen aus Wien im April 1941 erreichte die Anzahl der zurückgelassenen Wohnungen derart große Ausmaße, dass die Freiräumung und Verwertung der darin befindlichen Mobilien die Kapazitäten der von den NS-Behörden zur Kooperation gezwungenen Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) überstieg. Der Leiter der Verwaltungsstelle für jüdisches Umzugsgut (Vugesta) Karl Herber weigerte sich, die Habseligkeiten der in KZ- und Vernichtungslager deportierten Jüdinnen und Juden zu verwerten, weshalb Karl Ebner, Leiter des "Judenreferats“ (Referats II B/IV B) bzw. ab 1942 stellvertretender Leiter der Gestapoleitstelle Wien, den Schätzmeister und Tischler Bernhard Witke mit der Errichtung einer eigenen Möbelverwertungsstelle beauftragte. Der Hauptsitz der fortan unter der Bezeichnung "Möbelverwertungsstelle von jüdischem Umzugsgut Krummbaumgasse" agierenden Organisation befand sich in einer ehemaligen koscheren Volksküche in der Krummbaumgasse 8, Wien 2, samt Dependance in der Ferdinandstraße 25. Die Möbelverwertungsstelle hatte zwar ein Nahverhältnis zur Vugesta, zumal Buchhaltung und Gehaltsabrechnung zumindest teilweise über diese erfolgten, war aber direkt der Gestapo unterstellt und ihr weisungsgebunden. Als Vorgesetzte fungierten Karl Ebner, später Hans Dörhage und Josef Schindler, alle leitende Beamte der Gestapoleitestelle Wien. Neben Witke als Leiter der Möbelverwertungsstelle wirkte der Tischler Anton Grimm an Organisation und Verwertung mit. Beteiligt waren zudem die Schätzmeister Julius Fargel, Adolf Wawra und bis mindestens 1943 der Altwarenhändler Leopold Berka sowie nicht näher identifizierbare Schätzmeister mit den Nachnamen Kraus, Krenn, Getzinger, Salowitz, Bernhardt und Schaffran.
Die von der Gestapo an Witke erteilten, stetig erweiterten Befugnisse und Funktionen kumulierten in der Möbelverwertungsstelle. Sie nahm ihre Tätigkeit vermutlich im Sommer 1941 auf und führte diese wahrscheinlich bis zum letzten Deportationstransport im März 1945, insgesamt mehr als 40.000 Menschen betreffend, fort. Sie war das Resultat perfider Logistik, aufgebaut auf dem perfekten Ineinandergreifen von NS-Stellen (Zentralstelle für jüdische Auswanderung, Gestapo, NS-Finanzbehörden) unter Zwangsbeteiligung der Israelitischen Kultusgemeinde (Wohnungs- und Rechnungsamt) sowie unter Ausnutzung von jüdischen ZwangsarbeiterInnen, derer sich auch die von der Gestapo für Transportdienste engagierten Fuhrwerks- und Speditionsunternehmer J. Z. Dworak, Karl Neudorfer, Johann Zukal, Willi Dworak, Josef Swatosch, Maschka & Horak, u. a. bedienten. Genaue Details über die Arbeitsweise der Möbelverwertungsstelle sind nicht bekannt, zumal alle Beteiligten nach 1945 versuchten, Spuren ihrer Beteiligung an der Shoah zu verwischen; Beweismaterialien waren vernichtet, Opfer und ZeugInnen oftmals ermordet. Rekonstruieren lassen sich lediglich die Grundabläufe: Nachdem die betroffenen Menschen im Zuge von so genannten "Kommissionierungen" aus ihren Wohnungen in Sammellager gezwungen wurden, um anschließend in jeweils rund 1000 Menschen umfassenden Transporten in die Konzentrations- und Vernichtungslager im Osten deportiert zu werden, mussten sie neben der Unterzeichnung einer "Sondervollmacht" für die Zentralstelle für jüdische Auswanderung und eines "Vermögensverzeichnisses" ihre mit Adressen versehenen Wohnungsschlüssel den Beamten der Zentralstelle für jüdische Auswanderung aushändigen. Diese wurden dann gemeinsam mit Wohnungslisten über die Gestapo an die Möbelverwertungsstelle weitergegeben, anschließend übernahm arbeitsteilig Grimm die Wohnungen der "Polentransporte" und Witke jene der "Theresienstädter Juden" zur Verwertung. Die Wohnungen wurden besichtigt, teilweise inventarisiert, von jüdischen ZwangsarbeiterInnen bzw. der Israelitischen Kultusgemeinde geräumt und Übernahmebestätigungen der Schlüssel samt "Freimachungsbestätigungen“ an die Zentralstelle für jüdische Auswanderung rückübermittelt, um die Sammelquartiere anschließend durch das Wohnungsamt der IKG Wien mit neuen MieterInnen zu belegen. Wohnungseinrichtungen wurden sortiert, von den Schätzmeistern taxiert und in die einzelnen Lager der Möbelverwertungsstelle gebracht. Bekannt ist zudem, dass Witke und Grimm Kunstwerke dem Auktionshaus Weinmüller, dem Auktionshaus Kärntnerstraße oder der Vugesta zwecks Versteigerung im Dorotheum übergaben. Die Möbelverwertungsstelle veräußerte zudem direkt an Sammlungen und Museen, dokumentiert ist beispielsweise der Verkauf eines Teils der Bibliothek des am 9. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportierten Stefan Auspitz an die Österreichische Nationalbibliothek.
Die restlose Enteignung der jüdischen Bevölkerung zugunsten der NS-Finanzkassen war mit sozialpolitischen Maßnahmen sowie der Schaffung von Wohnraum für "deutsche Volksgenossen" verbunden und diente der Befriedigung der Begehrlichkeiten von NS-Parvenüs: Mobilien wurden gegen Einkaufsscheine an fünf Kategorien von Personen übergeben, prominente Nazis und Gestapoangehörige erhielten den Vortritt, danach bekamen Jungvermählte, Kinderreiche oder Bombengeschädigte die Möglichkeit zum Erwerb. Im ersten Stock der Zentrale in der Krummbaumgasse sollen wertvolle Gegenstände veräußert worden sein, im Erdgeschoss kamen u. a. Koffer von Deportierten zum Verkauf. Veräußerungen von minderwertigen Gütern fanden regelmäßig im Ottakringer und im Simmeringer Bräauhaus statt. Die Möbelverwertungsstelle lieferte Habseligkeiten der Deportierten zudem an diverse NS-Organisationen. Die auf ganz Wien verteilten Lager und Magazine vermischten sich teils mit den Depots der Schätzmeister, zumal Witke und Berka eigene Antiquitätenhandlungen betrieben und ihre Inventare mit dem geraubten Gut bestückten. Korruption und Amtsmissbrauch standen an der Tagesordnung, es gab wenig Kontrolle, die stetige, quantitative Zunahme der Güter waren entscheidender Faktor hierfür. Die zur Räumung der Wohnungen, für Lagerarbeiten und in der Buchhaltung herangezogenen jüdischen ZwangsarbeiterInnen entgingen zumindest vorübergehend den Deportationen. Manche standen unter dem "Schutz" Witkes und Ebners und wurden von diesen in Nachkriegsprozessen als Leumund genutzt. Einige Überlebende legten nach 1945 aber auch Zeugnis darüber ab, wie die Verwertungsvorgänge funktionierten, gaben einen Eindruck von den Mengen an Gütern, die die einzelnen Lager füllten und beschrieben die Spuren der Menschen, die in den Wohnungen zurückgeblieben waren.
Nachdem die die Zentralstelle für jüdische Auswanderung im März 1943 aufgelöst und mehr als 45.000 Menschen ihrer Vernichtung zugeführt worden waren, übernahm die Gestapo alleinig die Organisation der Deportationen nach Theresienstadt und Auschwitz. Fortan wurden u. a. jene Jüdinnen und Juden deportiert, deren Schutzstatus etwa durch den Tod einer/s "arischen“ Ehepartners/in weggefallen war oder die als U-Boote von der Gestapo enttarnt wurden. Witke räumte und verwertete auch diese Wohnungen. So soll er Kleidung und zwei Geigen vom untergetauchten Berthold Storfer, der im November 1943 von der Gestapo verhaftet und in Auschwitz ermordet wurde, an sich gebracht haben. Des Weiteren griff die Gestapo auf jene Mobilien von Geflüchteten zurück, die seit längerem beschlagnahmt oder sichergestellt waren, unter anderem jene von Imre Pirnitzer, dessen Einrichtung Witke an die NachmieterInnen der Wohnung direkt veräußerte oder auf die seit 1938 sichergestellte Sammlung von Julius Priester, dessen Kunstwerke 1954 zum Teil im Fahndungsblatt der Bundespolizeidirektion Wien publiziert wurden und die teils erst 2020 im Kunsthandel wieder auftauchten.
Über die Verwertung der Mobilien von 199 Personen aus vier Deportationstransporten zwischen Februar und April 1944 existiert ein "Leistungsbericht der Möbelverwertungsstelle Krummbaumgasse.“ Witke nannte darin einen Verwertungserlös von 188.255,90 Reichsmark. Dazu gehörte u. a. die Verwertung der Güter von Franziska und Ernst Egger, ihrer Tochter Elisabeth Stahl sowie Ernst Eggers Schwester Helene Mayer. Franziska Egger starb in Gestapohaft, die anderen Familienmitglieder wurden mit dem Deportationstransport 48c am 28. Juni 1944 nach Theresienstadt verbracht und ermordet. Witke, Ebner, der Lebensmittelgroßhändler Rudolf Schneeweiss, der Direktor der Deutschen Erdölindustrie Friedrich Ankershofen und andere NS-Protegés sowie Gestapobeamte erwarben aus dem Wohnungsinventar Kunstgegenstände, einen Teil übernahm der Nachmieter der Wohnung. Bis heute ist der Großteil der Sammlung Egger verschwunden. Die Rückstellungskommission der Stadt Wien beschloss im Jahr 2002 die Restitution eines Kokosnuss-Bechers aus dem Eigentum von Ernst Egger, der 1944 bei einer Auktion des Kunstversteigerungshauses Kärntnerstraße vom damaligen Historischen Museum der Stadt Wien (heute Wien Museum) erworben worden war. Ein Zusammenhang mit der Verwertung durch die Möbelverwertungsstelle Krummbaumgasse gilt als wahrscheinlich.
Die exakte Dimension der gigantischen Umverteilung persönlicher Gegenstände von mehr als 40.000 Menschen durch die Möbelverwertungsstelle Krummbaumgasse an die Wiener Bevölkerung ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Was mit den zum Ende des NS-Regimes vorhandenen Mobilien und entzogenen Habseligkeiten der Deportierten in den unzähligen von Ermittlungsbeamten nach 1945 aufgefundenen Depots geschah, wurde bislang nicht erforscht. Einige Akteure der Möbelverwertungsstelle Krummbaumgasse wurden nach Kriegsende vor Gericht gestellt. Das Volksgericht Wien verurteilte Bernhard Witke 1948 zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe und Vermögensverfall und Leopold Berka zu drei Jahren Haft und Vermögensverfall. Das Verfahren gegen Anton Grimm, der zu Kriegsende untertauchte, wurde 1955 eingestellt.