Gaweinstal, Pfarrhof

Pfarrhof Gaweinstal

Schwarzweißfoto mit Kirchturm und Wohngebäude
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 Kirchenplatz 1, 2191 Gaweinstal

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Ende Januar 1941 teilte Herbert Seiberl dem für kulturelle Belange zuständigen Oberregierungsrat der Verwaltungsgruppe des Gaus Niederdonau Leopold Pindur mit, dass er sich veranlasst sehe, “Vorsorge für die notwendige Bergung von Kunstgegenständen“ aus dem Benediktiner-Schottenstift in Wien zu treffen. Basierend auf dem so genannten Reichsleistungsgesetz vom 1.9.1939 (RGBl. I S. 1645) wies Pindur der Denkmalbehörde die Räume des Pfarrhofs von Gaweinstal für die Unterbringung von Kunstwerken zu. Den Pfarrhof hatte Seiberl bereits ins Auge gefasst, als er 1940 die Notwendigkeit einer Renovierung gegenüber Pindur erwähnte, da er Platz für eine größere Anzahl von Kunstwerken böte und abseits der Bahnlinien, die Ziel alliierter Luftangriffe waren, lag. Am 24. Februar 1941 wurden 157 Gemälde und zwei Biedermeiertische aus der Galerie des Schottenstifts in den Gaweinstaler Pfarrhof gebracht. Im Mai 1941 stellte Seiberl beim Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten in Berlin einen Antrag auf Gewährung einer Beihilfe zur Restaurierung der Stuckdecke im Pfarrhof und wies darauf hin, dass zahlreiche Fachkräfte sofort eingesetzt werden könnten, da sie ohne Beschäftigung seien. 1942 erfolgte die Restaurierung von 112 Gemälden, die aus dem Bergungsdepot im Pfarrhof am 29. April 1942 (21 Gemälde) sowie am 9. November 1942 (91 Gemälde) in die Restaurierwerkstatt des Instituts für Denkmalpflege am Rennweg, Wien 3 überstellt wurden. Gleichzeitig kehrten im November 1942 20 der inzwischen restaurierten Bilder in den Gaweinstaler Pfarrhof zurück. Der Rücktransport der Gemälde nach Wien fand bereits im Januar 1945 statt. Zur Zwischenlagerung wurden sie aus Gaweinstal in die vom Institut für Denkmalpflege angemieteten Räume der Bodenkreditanstalt in der Teinfaltstraße 8, Wien 1, gebracht und am 8. Mai 1945 dem Schottenstift übergeben. Die dafür erstellten Listen ergaben allerdings, dass einige Kunstwerke fehlten. Die Gegenstände waren 1944 der Restaurierungswerkstätte des Instituts für Denkmalpflege vom Schottenstift, vom Stift Herzogenburg und privaten Eigentümern, wie Ferdinand Piatti und Anton Lanckoronski, anvertraut worden. Für den Verlust machte die Denkmalbehörde Soldaten der Roten Armee, die die Amtsräume des Instituts besetzt gehalten hatten, sowie italienische Kriegsgefangene verantwortlich. Noch im Januar 1946 informierte das Staatsdenkmalamt die Eigentümer über die erstattete Anzeige wegen der verloren gegangenen Kunstwerke und regte eine Revision an. Josef Zykan, Referent des seit März 1946 wiederhergestellten Bundesdenkmalamts (BDA), stellte bei seiner Besichtigung im Pfarrhof am 25. April 1946 fest, dass zwölf Gemälde nicht aufzufinden seien. Zehn restaurierte Bilder sowie 24 Kunstobjekte, darunter auch Spiegel und Plastiken, wurden in der Folge an das Stift abgeliefert, 35 beschädigte Gemälde zur Restaurierung in die amtlichen Werkstätten des BDA überführt. Am 25. Juli 1946 erfolgte die Auflösung des Bergungsorts Gaweinstal.

1956 beauftragte das Kammeramt des Schottenstiftes Hans Herbst, Schätzmeister während der NS-Zeit und Chefexperte der Kunstabteilung des Dorotheums, den verlorenen Gemälden nachzuspüren. Er konnte einige Fehler aus den früheren Erfassungen des Schottenstifts und des BDA ausräumen. So klärte er beispielsweise auf, dass das holländische Gemälde Mann mit Buch nicht verloren gegangen war, sondern sich unter einem anderen Titel Bauern in der Schenke in den amtlichen Werkstätten zur Restaurierung befand. 36 Gemälde meldete das Benediktinerstift Schotten am 26. Februar 1957 bei der Finanzlandesdirektion (FLD) an, um gemäß Regierungsvorlage zum Besatzungsschadengesetz (§ 6 Abs. 9) eine Entschädigung zu erhalten. Die vom BDA befürwortete Zuerkennung der Entschädigung lehnte die FLD jedoch am 9. März 1957 ab, da eine Entschädigung für in Verlust geratene Kunstwerke damals nicht vorgesehen war.

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Publikationen zur Person / Institution

Anneliese Schallmeiner, Die modernen Nibelungen salzen ihre Schätze ein, Altaussee als Bergungsort des Instituts für Denkmalpflege, in: Pia Schölnberger/Sabine Loitfellner (Hg.), Bergung von Kulturgut im Nationalsozialismus, Mythen – Hintergründe – Auswirkungen (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 6) Wien-Köln-Weimar 2016, 103–129.

Archivalien

BDA-Archiv, Restitutionsmaterialien, K. 1, Bergungorte Niederösterreich, M. 16 Gaweinstal.
BDA-Archiv, Topografisches Archiv, K. Diverses 5, Gaweinstal, NÖ; K. 22-1, Gaweinstal Pfarrhof und Pfarrkirche.