Reichel, Oskar

Oskar Reichel

Info
Zusatzinformationen

21.4.1869 Wien – 7.5.1943 Wien

Der in Wien lebende jüdische Arzt Oskar Reichel war ein bedeutender Kunstsammler. Als Auslöser für seine Sammelleidenschaft gelten die Werke des österreichischen Malers Anton Romako, die er laut eigener Aussage um 1900 zum ersten Mal gesehen hatte. Aber auch Werke junger Zeitgenossen waren in seiner Sammlung vertreten. Durchaus ungewöhnlich für die damalige Zeit, präsentierte Reichel seine Privatsammlung 1913 in der Wiener Galerie Miethke, wobei neben über 40 Werken Romakos Arbeiten von Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Max Oppenheimer, Anton Faistauer und Albert Paris Gütersloh, aber auch von Vincent van Gogh und Henri Toulouse-Lautrec vertreten waren. In den darauffolgenden Jahren trat Reichel immer wieder als Leihgeber in Erscheinung, der durch seine Freundschaft mit dem einstigen Leiter der Galerie Miethke, Arthur Roessler, einige der genannten Künstler selbst kennenlernte. Sein Kunstinteresse führte so weit, dass er Anfang der 1920er-Jahre eine eigene Galerie eröffnete, die mit der von ihm mitgeführten Firma Kunst und Wohnung, R. Lorenz, GesmbH in der Josefstädter Straße 21, Wien 8, verbunden war. Infolge des "Anschlusses" 1938 sah sich Reichel gezwungen, Teile seiner Sammlung zu verkaufen. Die Gemälde Anton Romakos wurden über den Kunsthandel und über Privatpersonen veräußert und kamen in weiterer Folge zum Teil in österreichische Museen und Sammlungen. Maßgeblich daran beteiligt waren u. a. Vita Maria Künstler und Wolfgang Gurlitt.
Oskar Reichel, zuletzt wohnhaft im Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, starb ebendort am 7. Mai 1943. Seine Frau Malvine wurde im Jänner 1943 nach Theresienstadt deportiert. Nach Kriegsende lebte sie für kurze Zeit in Wien und übersiedelte dann nach New York zu ihrem Sohn Hans, der 1939 in die USA geflüchtet war. Sohn Raimund war im März 1939 über Paraguay ins argentinische Exil gegangen und kehrte später nach Wien zurück, wo er 1997 starb. Der älteste Sohn Max war am 10. Juli 1940 in der NS-"Euthanasie"-Anstalt Brandenburg an der Havel ermordet worden.

Bislang konnten 23 Werke, die sich bis März 1938 im Eigentum von Oskar Reichel befunden hatten, in den Beständen der folgenden österreichischen Museen und Sammlungen aufgefunden und restituiert werden: Albertina, Leopold Museum Privatstiftung, Oberösterreichisches Landesmuseum, Universalmuseum Joanneum sowie Wien Museum.

Author Info
AutorIn
Veröffentlichungsdatum
Publikationen zur Person / Institution

Beschluss des Kunstrückgabebeirats, Dr. Oskar Reichel, 6.12.2011, URL: www.provenienzforschung.gv.at/beiratsbeschluesse/Reichel_Oskar_2011-12-06.pdf (3.12.2020).

Vierter Bericht des amtsführenden Stadtrates für Kultur und Wissenschaft über die gemäß dem Gemeinderatsbeschluss vom 29. April 1999 erfolgte Übereignung von Kunst- und Kulturgegenständen aus den Sammlungen der Museen der Stadt Wien sowie der Wiener Stadt- und Landesbibliothek vom 10. November 2003 (Restitutionsbericht 2003), URL: www.wienmuseum.at/fileadmin/user_upload/PDFs/Restitutionsbericht_2003.pdf (3.12.2020).

Julia Eßl, "Niemand wollte diese Bilder...". Die Privatsammlung Dr. Oskar Reichel, in: Eva Blimlinger/Heinz Schödl (Hg.), Die Praxis des Sammelns. Personen und Institutionen im Fokus der Provenienzforschung (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 5), Wien-Köln-Weimar 2014, 161–176, URL: doi.org/10.7767/boehlau.9783205793564.161.

Sophie Lillie, Was einmal war. Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens (= Bibliothek des Raubes 8), Wien 2003.

Galerie Miethke, Privatsammlung Dr. Oskar Reichel Wien, Wien 1913.

Werner J. Schweiger, Frühe Kokoschka-Sammler. Franz Hauer – Heinrich Rieger – Oskar Reichel, in: Mitteilungen aus dem Kunstarchiv (2002) 2, URL: archive.is/OKBv1 (3.12.2020).

Michael Wladika, Dossier Provenienzforschung bm:ukk – LMP, Dr. Oskar Reichel, 21.12.2009, URL: www.bmkoes.gv.at/dam/jcr:4680ba78-4a3d-4c25-b325-0b9c9b37e340/dossier_reichel.pdf (3.12.2020).

N. N., Fall Reichel: Leopold-Museum meldet Einigung, in: Der Standard, 30.6.2011, URL: derstandard.at/1308680070849/Fall-Reichel-Leopold-Museum-meldet-Einigung (3.12.2020).

N. N., Kommission empfiehlt Rückgabe von Raubkunst, in: Der Standard, 24.1.2012, URL: derstandard.at/1326503558035/Universalmuseum-Joanneum-Kommission-empfiehlt-Rueckgabe-von-Raubkunst (3.12.2020).

N. N., Linz gibt erneut Nazi-Raubkunst zurück, in: Der Standard, 4.7.2012, URL: derstandard.at/1339639750367/Linz-gibt-erneut-Nazi-Raubkunst-zurueck (3.12.2020).

Publikationen der Person / Institution

Oskar Reichel u. a., Anton Romako. Mit Bildern und begleitenden Texten, in: Bildende Künstler. Monatsschrift für Künstler und Kunstfreunde, H. 2/1911, Wien-Leipzig 1911, 51-66.

Archivalien

OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, VA 45.139, Oskar Reichel.

WStLA, Historische Wiener Meldeunterlagen, Meldeauskunft Oskar Reichel.