Luithlen, Victor

Victor Joseph Paul Luithlen

Porträt, Schwarz-Weiß-Foto
Info
Zusatzinformationen

20.5.1901 Wien – 14.11.1987 Wien

auch Viktor Luithlen

Victor Luithlen, Sohn eines Beamten im Ministerium für Handel und Verkehr, promovierte 1927 an der Universität Wien in Musikwissenschaft mit einer Arbeit über Johannes Brahms. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Amanuensis (Sekretär) in der Bibliothek und im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien wechselte er im November 1938 ins Kunsthistorische Museum, wo 1939 die Sammlung alter Musikinstrumente aus der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe herausgelöst und gemeinsam mit den Beständen der Gesellschaft für Musikfreunde im Palais Pallavicini neu präsentiert wurde. Im Dienste der NS-Propaganda organisierte Luithlen regelmäßig sogenannte Hausmusiken und trat auch selbst als Pianist auf. Er war Mitglied der Reichsmusikkammer und des Reichsbundes Deutscher Beamter. Mehrere Schreiben aus der NS-Zeit (politische Beurteilungen, Lebensläufe) führen an, dass Luithlen seit Januar 1938 Parteianwärter war. Die NSDAP-Mitgliedsnummer 9,477.302 erhielt er im Januar 1941, ohne jedoch eine Mitgliedskarte ausgehändigt zu bekommen. 1942 reiste Luithlen im Auftrag des Generalreferats für Kunstförderung, Staatstheater, Museen und Volksbildung beim Reichsstatthalter Wien und seines Vorgesetzten Fritz Dworschak nach Paris, um wissenschaftliche Bücher, Musikinstrumente und Münzen zu erwerben. Im März 1945 löste er Gert Adriani als Bergungsleiter in Lauffen ab. Aus gesundheitlichen Gründen vom Wehrdienst befreit, galt er wegen seiner Fachkenntnis und der "Mitwirkung in geheimer Reichssache" (Bergungen) während des gesamten Krieges als unabkömmlich. Ende 1945 gab er vor der Sonderkommission I. Instanz beim Staatsamt für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und für Kultusangelegenheiten an, dass sein Aufnahmeantrag in die NSDAP aus strategischen Gründen rückdatiert worden sei. Das Erkenntnis vom Dezember 1945 folgte dieser Argumentation, Luithlen wurde lediglich als Minderbelasteter eingestuft und unterlag in Folge der im April 1948 beschlossenen "vorzeitige[n] Beendigung der im Nationalsozialistengesetz vorgesehenen Sühnefolgen für minderbelastete Personen" (BGBl. 99/1948) keinen finanziellen oder beruflichen Einschränkungen mehr. Bis 1947 war er in Bad Ischl tätig und kümmerte sich um die Rücktransporte der im Salzbergwerk Lauffen geborgenen Museumsbestände, danach kehrte er nach Wien in den Dienst des Kunsthistorischen Museums zurück. 1952 wurde er zum Leiter, 1958 zum Direktor der Sammlung alter Musikinstrumente bestellt, wo er bis Mitte 1967 verblieb. Der in Fachkreisen renommierte Musikwissenschaftler war 1950 in die Neugestaltung und Wiedereröffnung des Mozart-Geburtshauses in Salzburg eingebunden. 1960 wurde er zum Präsidenten des neu gegründeten International Committee for Museums and Collections of Musical Instruments (CIMCIM) gewählt, 1965 zu dessen Ehrenpräsident. 1977 erhielt Luithlen das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.

Author Info
Veröffentlichungsdatum
Publikationen zur Person / Institution

Alexander Rausch,  Luithlen, Victor, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, URL: epub.oeaw.ac.at/ml/musik_L/Luithlen_Victor.xml (3.12.2020).

Stephan Turmalin, Die Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums in Wien während der Zeit des Nationalsozialismus, Wien 2018.

Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Viktor Luithlen, in: Verzeichnis der künstlerischen, wissenschaftlichen und kulturpolitischen Nachlässe in Österreich, URL: data.onb.ac.at/nlv_lex/perslex/L/Luithlen_Viktor.htm (3.12.2020).

Publikationen der Person / Institution

Victor Luithlen, Studie zu Johannes Brahms' Werken in Variationenform, Dissertation Universität Wien 1927.
Victor Luithlen, Führer durch die Sonderschau. Klaviere aus fünf Jahrhunderten, Wien 1939.
Victor Luithlen, Saiteninstrumente. Klaviere, Streichinstrumente, Zupfinstrumente, Wien 1941.
Victor Luithlen, Alte Musikinstrumente. Die Sammlung des Kunsthistorischen Museums in der Neuen Burg zu Wien, Wien 1954.

Karl Geiringer/Hedwig Kraus/Victor Luithlen, Johannes Brahms. Zentenar-Ausstellung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Wien 1933.

Archivalien

KHM-Archiv, I 109, Sonderbestand Senat 7 (Sonderkommission), Verhandlungsschrift Viktor Luithlen, 18.12.1945; III 1047, PA Viktor Luithlen; III 2116 Parte Victor Luithlen; IV 40, NL Viktor Luithlen.

OeStA/AdR, UWK, BMU, Personalakten, 3/103, Viktor Luithlen.
OeStA/AdR, ZNsZ, Gauakt 76052, Viktor Luithlen.

WStLA, Gauakten, A1-'Gauakten', Personalakten des Gaues Wien, Zl. 218033, Viktor Luithlen.