Hilfreich, Frieda

Frieda Hilfreich

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26.1.1884 Wien - Israel (?), unbekannt (nach September 1945)

Frieda (Frida) Hilfreich, von 1906 bis 1938 Eigentümerin eines Antiquitätengeschäfts in Wien 1, Petersplatz 4/Jungferngasse 2, war eines von sieben Kindern von Herrman (Hermann) Nagel und Rosalia, née Rosenfeld, die beide 1895 gestorben waren. 1905 heiratete sie den 1871 im südmährischen Schaffa (Šafov) geborenen Eduard Hilfreich, Sohn von Siegmund und Teresia Hilfreich, née Kandler, der 1904 einen Gewerbeschein für den Antiquitätenhandel am Standort Petersplatz 4 erworben hatte. 1906 erhielt Frieda Hilfreich ihren Gewerbeschein und führte das Geschäft fortan unter ihrem Namen. Ihr Mann war mit im Betrieb tätig, besaß aber eine Zeitlang noch eigene Unternehmen derselben Branche in Wien 1, Renngasse 9, und in Wien 9, Hörlgasse 18, – der Wohnadresse des Ehepaares, ehe es sich in Wien 1, Bauernmarkt 9, niederließ. Ein Bruder Eduard Hilfreichs, Adolf Hilfreich (1868–1931), besaß ab 1918 einen Kunst- und Antiquitätenhandel in Wien 1, Riemergasse 1, den nach seinem Tod die Witwe Ernestine, née Friedmann (1880–1942), weiterführte. Aus der Ehe von Frieda und Eduard Hilfreich stammten drei in Wien geborene Söhne – Kurt (1906), Paul (1909) und Leopold (1910) –, die bis zu ihrer Flucht im elterlichen Haushalt lebten. Kurt war Mitarbeiter im Geschäft seiner Mutter. Paul Hilfreich besaß ab Ende 1932 gemeinsam mit seinem Bruder Leopold eine Taxikonzession, ehe er als Sozialdemokrat nach den Februarkämpfen 1934 illegal in Palästina einreiste, dort später in Tel Aviv als Schlosser und Hilfsarbeiter tätig und mit Bassia Fany, née Weiser, verheiratet war.

Die Familie Hilfreich gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an und zählte nach dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich zu den Verfolgten. 1938 übernahm Martha Schreder, zunächst ohne Einschaltung der Vermögensverkehrsstelle (VVSt), Hilfreichs Antiquitätenhandlung. Die VVSt genehmigte nachträglich im Jänner 1939 die "Arisierung" und schrieb Schreder 1940 zusätzlich zum festgesetzten Kaufpreis von 2.000 Reichsmark wegen der guten Lage des Geschäfts eine "Arisierungsauflage" von 1.620 Reichsmark vor. Frieda und Eduard Hilfreich übergaben im Juli 1940 einen Koffer mit Effekten der Spedition Dr. Franz Reitter zur Aufbewahrung. Die behördliche Abmeldung erfolgte Anfang Jänner 1941 von der Adresse Wien 1, Franz-Josefs-Kai 5/I/10, nach Berlin. Tatsächlich flüchteten Eduard und Frieda Hilfreich jedoch nach Jugoslawien, wo sie sich zunächst in Zagreb aufhielten und nach dem deutschen Überfall auf das Königreich in ein Lager im kroatischen Draganić eingewiesen wurden. Im Dezember flohen sie in das inzwischen von Italien annektierte Ljubljana. Von April 1942 bis Mitte September 1943 lebten sie im Internierungslager Aprica in der Provinz Sondrino (Lombardei), ehe sie, um der Deportation durch die Deutschen zu entgehen, bei Campocologno (Graubünden) illegal in die Schweiz gelangten. Dort wurden sie neuerlich in verschiedenen Lagern interniert, unter anderem in Girenbad im Kanton Zürich und zuletzt im Flüchtlingsheim Flora in Paradiso-Lugano. Ihre Namen scheinen in einer Liste von befreiten Personen auf, die am 8. September 1945 an Bord des Dampfers Mataroa nach Palästina gelangten. Sohn Kurt hatte sich 1938 in Tel-Aviv niedergelassen und heiratete Sarah Rifka, née Hirschberg, sein Bruder Leopold war in Haifa als Kaufmann tätig. Ernestine Hilfreich war am 1942 nach Riga deportiert und ermordet worden.

Im November 1946 meldete Martha Schreder Hilfreichs Antiquitätenhandlung gemäß der Vermögensentziehungsanmeldungsverordnung (VEAV) beim zuständigen Magistrat als entzogenes Vermögen an. Das Rückstellungsverfahren endete im Juni 1951 mit einem Vergleich zwischen ihr und den Rückstellungswerbern Kurt, Paul und Leopold Hilfreich. Gegen die Zahlung von 25.000 Schiling und einer teilweisen Übernahme der Anwaltskosten der Familie Hilfreich blieb Schreder Inhaberin des Geschäfts.

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Publikationen zur Person / Institution

DÖW, Opferdatenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Eintrag zu Ernestine Hilfreich, URL: www.doew.at (5.6.2026).

Anna Pizzuti, Ebrei stranieri internati in Italia durante il periodo bellico (Datenbank), URL: www.annapizzuti.it/database/ricerca.php?a=view&recid=3464 (1.6.2026).

Archivalien

Archiv der IKG Wien, Bestand Jerusalem, Auswanderungsfragebogen Nr. 33.482, Kurt Hilfreich.
Archiv der IKG Wien, Matriken, Eduard Hilfreich, Frieda Nagel, Adolf Hilfreich.

BDA, Ausfuhr, Zl. 932/1938, 969/1938, F. Hilfreich.

IKG Wien, Friedhofsdatenbank, Adolf Hilfreich.

ITS Digital Archive, Bad Arolsen, DocID 467066, Frida Hilfreich, DocID 471173, Frida Nagel Hilfreich.

OeStA/AdR, Finanzen, Hilfsfonds, Alter Hilfsfonds, Zl. 50.238, Kurt Hilfreich.
OeStA/AdR, Finanzen, Hilfsfonds, Alter Hilfsfonds, Zl. 17.752, Paul Hilfreich.
OeStA/AdR, Finanzen, Hilfsfonds, Neuer Hilfsfonds, Zl. 15.756, Paul Hilfreich.
OeStA/AdR, Finanzen, K. u. Tr., St. 10.311, Frida Hilfreich.
OeStA/AdR, Finanzen, VVSt, Ha. 8093, Frieda Hilfreich / Martha Schreder.
OeStA/AdR, Handel und Verkehr, Spedition Reitter, Zl. 258, Frieda Hilfreich.

Schweizerisches Bundesarchiv Bern, E4264#1985/196#21582*, Dossier Eduard und Frieda Hilfreich.

Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw), Archiv, Matrikel, Nr. 149, Martha Moser.

WKO-Archiv, Zählblätter zu Eduard, Frieda, Adolf und Ernestine Hilfreich.

WStLA, M. Abt. 119, Öffentliche Verwaltungen, A 25, K. 270, Zl. 4361, Martha Schreder.
WStLA, 1.3.2.116, A 79, 636/1923, Trauungsakt Erwin Goldschmid und Martha Pauline Moser.
WStLA, M.Abt. 119, A41, VEAV 603, 1. Bez., Martha Schreder.
WStLA, Volksgericht, A1, Vg Vr 5595/48, Martha Schreder.