Alois Bauer, Gesellschafter der Gardinen- und Teppichfabrik Leopold Selmeczi & Sohn in Wiener Neustadt mit Niederlassung in Wien 1, Fischerstiege 9, wohnte mit seiner Ehefrau Ella, née Lederer, seit 1921 in einer von dem Architekten Alexander Wielemans um 1880/1881 im Renaissance-Stil errichteten Villa in Wien-Dornbach, Zwerngasse 14–16, die ihm zu 13/14 Anteilen gehörte. Dort kamen die Kinder Georg (1922) und Franziska (1925) zur Welt. Unmittelbar nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich wurde die Familie am 13. März 1938, Berichten zufolge, "von der Gestapo gewaltsam aus dem Haus gewiesen" und fand bei Alice Husser, der Schwester von Ella Bauer, in Wien Innere Stadt, Brandstätte 3, Zuflucht. In seiner Vermögensanmeldung vom 14. Juli 1938 gab Alois Bauer an, neben der Villa ein Drittel einer weiteren Liegenschaft im 21. Bezirk, ein Haus in Plank/Niederösterreich sowie Gemälde von Olga Wiesinger-Florian, Eduard Lichtenfels und Hans Burkhard zu besitzen. Außerdem listete er wertvolle Einrichtungsgegenstände auf, darunter einen zweitürigen Eichenschrank, einen Spiegel und einen Luster aus der Meissner Porzellanmanufaktur. Diese Objekte standen unter dem im Juni 1938 erlassenen "Führervorbehalt" und wurden aufgrund der am 6. Dezember 1938 von der Gestapo verfügten Beschlagnahme am 13. Dezember 1938 im Zentraldepot in der Neuen Burg deponiert. Das Finanzamt Innere Stadt-Ost forderte von Alois Bauer eine Reichsfluchtsteuer in Höhe von 150.000 Reichsmark, die bis zum 2. September 1938 zu entrichten war. Kurz davor, im Juli 1938 gelang es der Familie, nach Nachod in der Tschechoslowakei, dem Herkunftsort von Ella Bauers Familie, zu flüchten. 1939 trennten sich dort die Wege der Eheleute. Am 30. April 1939 ließ die Gestapoleitstelle Wien die Beschlagnahme des Liegenschaftsanteils von Alois Bauer grundbücherlich anmerken. 1940 wurde die Gemeindeverwaltung des Reichsgaues Wien als Eigentümerin eingetragen. Nach mehreren Transaktionen gelangte die Villa in der Zwerngasse bis 1944 vollständig in den Besitz der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), die sie bis zum Ende des NS-Regimes als Kinderheim nutzte. Die Einrichtungsgegenstände – darunter der erwähnte Spiegel und Luster – wurden am 4. September 1944 vom Finanzamt Innere Stadt-Ost zur Verwertung zwecks Schuldendeckung an das Dorotheum übergeben. Einem Gutachten des Instituts für Denkmalpflege aus dem Jahr 1944 zufolge besaßen die zuvor unter "Führervorbehalt" stehenden Objekte keinen musealen Wert.
Gemäß Feststellung des Landesgerichts für Zivilrechtssachen aus dem Jahr 1948 kam Alois Bauer vermutlich im Jahr 1941 in einem Lager im Generalgouvernement ums Leben. Ella, Georg und Franziska Bauer wurden am 17. Dezember 1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort am 23. Januar 1943 nach Auschwitz überstellt und ermordet. Enge Verwandte der Familie Bauer waren ebenfalls in unterschiedlichen Konzentrationslagern ermordet worden: Ella Bauers Bruder Artur Lederer (1898–1942, Auschwitz), dessen Ehefrau Marie, geborene Guttmann (1901–1943, Auschwitz), sowie Alois Bauers Schwester, Anna (1888–1942, Maly Trostinec) mit ihrem Ehemann Siegfried Diskant (1887–unbekannt, Generalgouvernement) und ihrem Sohn Hans Diskant (1922–1942, Auschwitz).
Bereits ab August 1946 nahm Alfred Husser, der Schwager von Alois Bauer, die Suche insbesondere nach den Objekten aus der Meissner Porzellanmanufaktur auf. Laut Auskunft von August Freis im August 1946, dem Sensal im Dorotheum, wurden diese am 29. September 1944 unter der Konsignationsnummer 38.898 an die Galerie Dr. Kriehuber in der Stallburggasse 2, Wien 1, versteigert, was diese jedoch bestritt. Gemäß den Bestimmungen des Zweiten Rückstellungsgesetzes wurde die Dornbacher Villa 1949 an die ErbInnen nach Alois, Alice, Georg und Franziska Bauer zurückgestellt. Über den Verbleib der Gemälde und Möbel ist nichts bekannt.