Schwarz, Heinrich

Heinrich Schwarz

Porträt, Schwarz-Weiß-Foto
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9.11.1894 Prag – 20.9.1974 New York

Heinrich Schwarz war das zweite Kind des Industriellen Alois Louis Schwarz und seiner Frau Johanna, née Posamentier. Kurz nach seiner Geburt übersiedelten seine zum Katholizismus konvertierten Eltern von Prag nach Wien. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie in Wien und der Promotion bei Max Dvořak über Die Anfänge der Lithographie in Wien arbeitete Heinrich Schwarz zunächst von Oktober 1922 bis März 1923 als Volontär an der Albertina. Anschließend trat er eine Stelle als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Österreichischen Galerie im Belvedere unter Franz Martin Haberditzl an. Von Dezember 1927 hatte er dort die Position eines Vertragsangestellten des wissenschaftlichen Dienstes, dann die eines wissenschaftlichen Assistenten und schließlich ab 1935 die eines Kustos II. Klasse inne. Nach eigenen Angaben war Heinrich Schwarz im Jahr 1938 schließlich als Kustos I. Klasse beschäftigt.

Nach dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurde Schwarz jedoch im Zuge der Repressionen gegen jüdische Beamte am 4. April 1938 als "Nichtarier" aus dem Dienst entlassen. Im gleichen Jahr forderten ihn die Behörden auf, die "Judenvermögensabgabe" zu entrichten. In der dazugehörigen Vermögensanmeldung gab Schwarz auch eine Kunstsammlung mit Gemälden, Zeichnungen, Stichen und Fotografien an, die er in großen Teilen von seinem 1930 verstorbenen Vater noch zu dessen Lebzeiten erhalten hatte. Eine detaillierte Aufstellung der in seiner Wohnung am Schubertring 8 in Wien 1 untergebrachten Werke legte er nicht vor. Heinrich Schwarz besaß jedoch einen eigenen Sammlungsstempel, der sich in Frits Lugts erster Ausgabe von Les marques de collections (1921) unter der Nummer 1372 mit der Bemerkung "zeitgenössischer Sammler" und dem Hinweis, dass die Sammlung erst kürzlich begonnen worden war, findet. Im Jahr 1939 sah sich Heinrich Schwarz aufgrund des zunehmenden Verfolgungsdrucks gezwungen, Österreich zu verlassen. Am 17. März 1939 emigrierte er zunächst nach Kopenhagen, später nach Stockholm und schließlich über Norwegen in die USA, wo er am 3. Februar 1940 in New York einreiste. Um die Ausreise finanzieren zu können, verkaufte Heinrich Schwarz vor bzw. auf der Flucht Teile seiner kunstwissenschaftlichen Bibliothek und Werke aus seiner grafischen Sammlung. Unter den Objekten der Sammlung von Heinrich Schwarz gab es eine Reihe von Zeichnungen des Künstlers Heinrich Reinhold, über den er auch mehrfach publiziert hatte. Einige dieser Zeichnungen versteigerte das Kunstantiquariat C. G. Boerner in Leipzig 1939 und 1941 auf den Auktionen Nr. 201 und Nr. 204.

Nach der Einreise in die USA arbeitete Schwarz 1941 bis 1942 in der Albright Gallery in Buffalo, New York, und von 1943 bis 1953 als Kustos für Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafik am Museum of Art der Rhode Island School of Design in Providence, Rhode Island. Danach hatte er Professuren an der Wesleyan University in Middletown, Connecticut und der Columbia University in New York inne und war Kustos der Davison Art Center Collection (Wesleyan University). Schwarz‘ Antrag auf Einbürgerung in die USA vom 18. April 1940 wurde am 24. September 1945 stattgegeben. 1948 heiratete Heinrich Schwarz Elisabeth Arany, née Goldberger. Für während der nationalsozialistischen Diktatur erlittene Berufsschäden erhielt Heinrich Schwarz ab 1954 eine Pension nach dem Beamtenentschädigungsgesetz. 1956 beantragte er gegenüber der Republik Österreich Wiedergutmachung für den Verlust von Wertpapieren, der Einrichtung seiner letzten Wohnung in Wien sowie der Bibliothek. Eine Rückstellung seiner Vermögenswerte erfolgte nach aktuellem Forschungsstand nicht.

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Publikationen zur Person / Institution

Anselm Wagner (Hg.), Heinrich Schwarz. Techniken des Sehens - vor und nach der Fotografie. Ausgewählte Schriften 1929–1966, Salzburg 2006.

Anselm Wagner, Der Photoanwalt aus dem Belvedere. Zur Wiederentdeckung des vertriebenen Kunsthistorikers Heinrich Schwarz, in: Belvedere 2 (2006), 58–71.

Anselm Wagner, Integrating photography into the history of art. Remarks on the life and scientific estate of Heinrich Schwarz (1894–1974), in: PhotoResearcher. The Magazine of the European Society for the History of Photography 11 (2008), 14–26.

Ulrike Wendland, Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil, München 1999, Teil 2, 630–635.

Publikationen der Person / Institution

Auswahl:

Heinrich Schwarz/Franz Martin Haberditzl/Bruno Grimschitz, Galerie des 19. Jahrhunderts. Wissenschaftlicher Katalog, Wien 1924.

Heinrich Schwarz, Salzburg und das Salzkammergut. Eine künstlerische Entdeckung der Stadt und der Landschaft in Bildern des 19. Jahrhunderts, Wien 1926.

Heinrich Schwarz, Zwei Landschaften von Heinrich Reinhold, in: Amicis. Jahrbuch der Österreichischen Galerie, 1926, 61–65.

Heinrich Schwarz, Künstlerdokumente zu den Werken der Galerie des 19. Jahrhunderts, Österreichische Galerie Wien, Wien 1928.

Heinrich Schwarz (Hg.), Die Gedichte des Malers Ferdinand Olivier, Wien 1928.

Heinrich Schwarz/Franz Martin Haberditzl, Carl Schindler : Sein Leben u. sein Werk, Wien 1930.

Heinrich Schwarz, David Octavius Hill. Der Meister der Photographie, Leipzig 1931.

Heinrich Schwarz/Franz Martin Haberditzl / Bruno Grimschitz, Das Barockmuseum im Unteren Belvedere. Wissenschaftlicher Katalog, Wien 1934.

Heinrich Schwarz, Heinrich Reinhold in Italien, in: Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen 10 (1965),  71–96.

 

Archivalien

BDA-Ausfuhr, Zl. 703/1939, Heinrich Schwarz.

Getty Research Institute, Heinrich Schwarz papers, 1984-1974, URL: http://archives2.getty.edu:8082/xtf/view?docId=ead/920033/920033.xml;query=;brand=default (5.10.2021).

OeStA/AdR, E-uReang, FLD, ZI. 12.169, Heinrich Schwarz.
OeStA/AdR, E-uReang, VVSt VA 17.120, Heinrich Schwarz.

Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftensammlung, Teilnachlass Franz Glück, ZPH 1546/5/2.2.191. Schwarz Heinrich.

Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftensammlung, H.I.N.-211119, Schwarz Heinrich an Franz Martin Haberditzl.