Salomon Kohn, häufig als der "Erfinder der Kunstpostkarte" bezeichnet, war mit Gittel Kohn, née Rappaport, verheiratet und hatte mit ihr zwei Kinder: Minna, später verehlichte Pixner (1919–2003) und Walter (1923–2016). 1898 gründete er zusammen mit seinen Brüdern Adolf (1870–1916) und Alfred (1880–1942) den Postkartenverlag Brüder Kohn, mit Hauptfiliale in der Teinfaltstraße 3, 1010 Wien, ein Pionierunternehmen, das in Wien von Künstlern gestaltete Bildpostkarten herstellte. Die Firma erlangte rasch Bekanntheit für ihre bahnbrechenden Kunstpostkarten, die fotografische Techniken mit künstlerischem Design verbanden. Sie spezialisierte sich auf Wiener Sehenswürdigkeiten, Karikaturen, Porträts von Prominenten, moderne Entwicklungen sowie humorvolle und skurrile Motive. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts expandierte das Unternehmen mit mehreren Filialen in Wien und einer in Berlin in der Friedrichstraße 164. Der Postkartenverlag Brüder Kohn machte Reproduktionen von Aquarellen oder Ölgemälden einem breiten Publikum zu erschwinglichen Preisen zugänglich. Alle Kunstpostkarten waren mit dem Aufdruck "B.K.W.I - Brüder Kohn Wien I." versehen. Kohns kulturelle Rolle ging allerdings weit über sein Geschäft hinaus: Sein Haus entwickelte sich zu einem Salon für KünstlerInnen, SchriftstellerInnen und MusikerInnen, in dem Persönlichkeiten wie der Komponist Gustav Mahler, der Schriftsteller Peter Altenberg, die Sopranistin Lotte Lehmann, der Dirigent Bruno Walter und der Theaterregisseur Max Reinhardt zu Gast waren. Nach Adolf Kohns Tod im Ersten Weltkrieg führte Salomon Kohn das Geschäft gemeinsam mit seinem Bruder Alfred bis zum "Anschluss" im März 1938 weiter.
Mit der NS-Machtübernahme erfolgte die Beschlagnahme des Postkartenverlages, der Hauptsitz in der Teinfaltstraße wurde durch Otto Faltis liquidiert, die Filiale in der Mariahilfer Straße vom Mitglied und ehemaligen Angestellten des Kaufhauses Herzmansky Paul Havlu arisiert. Salomon Kohn musste kurzzeitig als Angestellter in seiner eigenen Firma mitarbeiten, bevor er vollständig ausgeschlossen wurde. Der Vermögensentzug erstreckte sich auch auf sein Privateigentum: Seine Sammlungen von Originalkunstwerken, seltenen Postkarten, Fotoausrüstung und Haushaltsgegenständen wurden geraubt. Otto Faltis, der auch von Salomon Kohns Privatvermögen profitierte, verkaufte viele Werke im Ausland oder im Wiener Auktionshaus Dorotheum. Während Salomon und seine Frau Gittel mittellos und entrechtet der nationalsozialistischen Mordmaschinierie nicht mehr entkamen, gelang den Kindern die Flucht: Minna floh 1938 nach England, und Walter konnte 1939 mit einem Kindertransport ins Ausland gerettet werden. Walter Kohn erhielt 1998 den Nobelpreis für Chemie. Salomon und Gittel Kohn wurden am 20. Juni 1942 mit dem Transport Nr. 28 von Wien nach Theresienstadt deportiert, zwei Jahre später, am 28. Oktober 1944, nach Auschwitz, wo sie kurz nach ihrer Ankunft ermordet wurden.
Der Kunstrückgabebeirat empfahl in vier Sitzungen im Juni 2004, im März 2006, im September 2007 und im November 2010 die Rückgabe von insgesamt 1.909 Objekten aus der Nationalbibliothek und dem Theatermuseum an die RechtsnachfolgerInnen von Salomon Kohn. Zahlreiche weitere Objekte aus seiner Sammlung gelten heute als unauffindbar.