Müller-Hofmann, Wilhelm

Wilhelm Müller-Hofmann

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5.4.1885 Brünn / Brno – 2.9.1948 Wien

In Brünn geboren wuchs Wilhelm Müller-Hofmann in Bayern auf. Nach Absolvierung der Gewerblichen Fortbildungsschule studierte er in München an der Akademie der Bildenden Künste. 1905/06 absolvierte er einen eineinhalbjährigen Militärdienst in Bayern, danach war er als selbständiger Porträtmaler, Theatermaler und Illustrator tätig. Er leistete den gesamten Ersten Weltkrieg hindurch Kriegsdienst im deutschen Heer und wurde 1916 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. 1919 übernahm Wilhelm Müller-Hofmann mit dem Berufstitel Professor die Leitung der Fachklasse für Malerei an der Wiener Kunstgewerbeschule. Im November 1921 ließ er sich von seiner ersten Frau Eva Huch scheiden und heiratete mit Dispens am 12. April 1922 Hermine Zuckerkandl, wobei er verpflichtet wurde, für seine geschiedene Gattin weiterhin zu sorgen. Hermine Zuckerkandl war eines der drei Kinder von Otto Zuckerkandl, Primararzt am Wiener Rothschildspital, und Amalie Zuckerkandl. Ihr Vater war mosaischen Glaubens, ihre Mutter anlässlich ihrer Hochzeit 1895 zum Judentum übergetreten. 1919 hatte sich das Ehepaar Zuckerkandl scheiden lassen. Hermine Zuckerkandl besaß ein Drittel des Sanatoriums Purkersdorf, das zwar seit dem Ende der Habsburger Monarchie keine großen Gewinne abwarf, aber eine beträchtliche Wertanlage darstellte. Am 24. Mai 1923 kam Viktor Carl, der erste Sohn von Hermine und Wilhelm Müller-Hofmann, zur Welt, am 12. Februar 1926 folgte der zweite Sohn Rudolf Immanuel. Am 1. April 1928 wurde Wilhelm Müller-Hofmann als Leiter der Fachklasse für Malerei wirklicher Lehrer an der Kunstgewerbeschule Wien. Mit dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich waren Hermine und Wilhelm Müller-Hofmann Verfolgungen durch das NS-Regime ausgesetzt. Trotz ihres römisch-katholischen Glaubensbekenntnisses galt Hermine Müller-Hofmann nach den "Nürnberger Gesetzen" als Jüdin. Aufgrund des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge und der Verfassung eines Spottgedichtes auf Adolf Hitler wurde Müller-Hofmann noch im März 1938 vom Dienst suspendiert und am 30. November 1938 auf Verfügung des Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten in den "zeitlichen Ruhestand" versetzt. Nachdem die Pläne zur Emigration der gesamten Familie nicht realisierbar waren, schickte das Ehepaar Müller-Hofmann seine Söhne Viktor und Rudolf Anfang 1939 nach Schweden. Da er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte und als Einnahmequelle nur mehr über eine kleine Pension verfügte, war Müller-Hofmann gezwungen, Teile seines Eigentums zu verkaufen. Er galt nicht als Jude, unterlag also nicht den entsprechenden Beschränkungen des NS-Regimes. So verkaufte er auch Kunstgegenstände für die Familie Zuckerkandl, u. a. im Jänner 1940 um 150 Reichsmark sieben japanische Drucke an das Staatliche Kunstgewerbemuseum in Wien, das heutige MAK, die aus dem Eigentum von Amalie Zuckerkandl stammten. Das Ehepaar Müller-Hofmann zog sich zu FreundInnen der Familie nach Oberbayern zurück, wo die beiden unter der latenten Bedrohung durch das NS-Regime bis 1945 lebten. Am 18. Oktober 1945 trat Wilhelm Müller-Hofmann wieder seinen Dienst an der nunmehrigen Hochschule für angewandte Kunst in Wien an. Die ehemalige Wohnung des Ehepaars im Palais Augarten war geplündert und von der sowjetischen Besatzungsmacht in Beschlag genommen worden. Die Familie bezog 1948 eine Wohnung im Belvedere. Am 2. September 1948 starb Wilhelm Müller-Hofmann, wahrscheinlich in Folge einer Angina pectoris, die er sich aufgrund der Belastungen in der NS-Zeit zugezogen hatte.

Am 28. September 2007 empfahl der Kunstrückgabebeirat auf Basis des Dossiers der Provenienzforschung im MAK die Restitution der sieben japanischen Drucke an die ErbInnen nach Wilhelm Müller-Hofmann. Die Übergabe der Drucke erfolgte am 22. Jänner 2009.

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Publikationen zur Person / Institution

Beschluss des Kunstrückgabebeirats, Prof. Wilhelm Müller-Hofmann, 28.9.2007, URL: www.provenienzforschung.gv.at/beiratsbeschluesse/Mueller-Hofmann_Wilhelm_2007-09-28.pdf (3.12.2020).

Ruth Pleyer, Was blieb, war kaum "das nackte Leben" – Gustav Klimts "Bildnis der Amalie Zuckerkandl", in: Verena Pawlowsky/Harald Wendelin (Hg.), Enteignete Kunst. Raub und Rückgabe – Österreich von 1938 bis heute, Wien 2006, 122–141.

Archivalien

MAK-Bibliotheksarchiv, Zl. 98-1939, Zl. 9-1940.

Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlung und Archiv, PA Wilhelm Müller-Hofmann.