Demeter, Stefanie

Stefanie Demeter

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24. 12.1879 Wien – 1.6.1942 Maly Trostinec

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Stefanie Brüll wurde als ältere von zwei Töchtern in eine wohlhabende jüdische Familie geboren. Ihr Großvater Adolf Brüll war Inhaber der Firma Adolf Brüll & Söhne, einem Speditions-, Commissions- und Incassogeschäft in Bielitz, Schlesien, ihr Vater Alfred Brüll war als Direktor einer Transportgesellschaft im ersten Bezirk in Wien tätig. Die Mutter Eleonore, née Steiner, entstammte einer bürgerlichen Wiener Familie. Im August 1909 konvertierte Stefanie gemeinsam mit ihrem späteren, aus Györ stammenden, Ehemann, dem Handels-Delegierten der ungarischen Regierung, Stephen (Stefan) Demeter (1879–1936), zum evangelischen Glauben. Im November desselben Jahres heirateten sie. Das Ehepaar lebte in einer seit 1875 im Eigentum der Familie Brüll befindlichen Villa in Unter St. Veit in Wien Hietzing, gegenüber von Gustav Klimts Atelier. Während seiner weltweiten beruflichen Reisen sammelte Stephen Demeter aus Liebhaberei hunderte ethnologische Objekte. Diese Reisen und sein Interesse an Ethnographika brachten ihn und seine Frau Stefanie ab den frühen 1920er-Jahren mit Wissenschaftern des Museums für Völkerkunde (MVK) in Kontakt. Das Ehepaar Demeter übergab dem Museum im Laufe der Jahre immer wieder wertvolle Objekte als Geschenk, wie 1924 einen für seine Seltenheit gerühmten "Papuakopf", der in der Neu Guinea Sammlung ausgestellt wurde. Seit 1920 betrieb Stephen Demeter in Wien einen Agentur- und Kommissionshandel, bei dem seine Frau Stefanie als Prokuristin angemeldet war. Durch die angespannte wirtschaftliche Situation der Zwischenkriegszeit mussten Stephen und Stefanie Demeter mehrmals die Büroadresse ändern und schließlich ihre Villa aufgeben. Der Umzug in eine Wohnung hatte Auswirkungen auf die große ethnologische SammlungTrotz seiner prekären Situation spendete Stephen Demeter 1934 dem MVK noch einmal 11 Objekte aus Japan, Ceylon, den Salomonen und Indonesien, die als Post XX und Post XXI/1934 inventarisiert wurden. Im Jahr 1935 überließ das Ehepaar Demeter dem Museum 23 verschiedene Kolli (Kisten), eine altchinesische Bronzevase aus der Han-Periode, Pflanzentöpfe und 7 peruanische Altertümer diesmal als Leihgaben auf fünf Jahre, sowie 60 ethnographische Bücher. Die Übergabe von 24 Holzkassetten mit Diapositiven und Filmnegativen, 400 Passepartouts und zwei Mappen mit Vortragsmanuskripten, ebenfalls als Leihgaben auf fünf Jahre, ist ohne Datum. Drei Kartons mit Fotos aus Guatemala, Peru und Bolivien schenkte Stephen Demeter dem Direktor des MVK Fritz Röck (1879–1953). Kurz vor seinem Tod verkaufte Stephen Demeter 16 ethnographische Objekte und 64 Bände Ethnographischer Bücher an Honorarkonsul Friedrich Wolff-Knize (1890–1949), die dieser dem Museum als Spende übergab, darunter mehrere als wertvoll und selten beschriebene Stücke, wie ein Churinga, ein Riesenschwirrholz aus Mittelaustralien. Im Juni 1936 starb Stephen Demeter im Alter von 56 Jahren. Da keine anderen Verwandten oder ein Testament ermittelt werden konnten, ist anzunehmen, dass Stefanie seine Erbin war.

Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich musste Stefanie Demeter abermals übersiedeln, ab dem 16. Juli 1938 war sie in Untermiete in der Neubaugasse 56/3/4 in Wien 7 gemeldet. Sie übergab dem Museum weitere 351 ethnographische Objekte als Leihgaben, darunter Perlmuttarbeiten von den Salomonen, eine japanische Holzmaske, Tanzmasken aus Ceylon und Neuguinea, Lackobjekte und vieles mehr. 12 Objekte der Liste inventarisierte das Museum 1940 als Geschenk unter Post XII/1940. Stefanie Demeter wurde von ihrer jüngeren, in London lebenden Schwester Melanie Adler (1888–1963) unterstützt. Ein Verkauf der als Leihgaben im Museum befindlichen Sammlungen bzw. einiger anderer Objekte kam nicht zustande und die geplante Flucht nach England gelang ihr nicht mehr. Ab August 1941 war Stefanie Demeter in der Sammelwohnung Müllnergasse 33, Wien 9, gemeldet, von wo sie am 27. Mai 1942, gemeinsam mit 18 weiteren Personen, deportiert und am 1. Juni 1942 in Maly Trostinec ermordet wurde. 

Der Kunstrückgabebeirat beschloss am 14. Dezember 2005 die Rückgabe der 12 im Jahr 1940 in den Besitz des MVK übergegangenen Objekte, auch über die als Leihgabe im Museum befindlichen Objekte wurden die RechtsnachfolgerInnen von Stefanie Demeter informiert. Viele der vom Ehepaar Demeter dem MVK übergebenen Objekte, Bücher und Fotografien sind heute wegen zu unspezifischer Beschreibung nicht mehr auffindbar bzw. nicht mehr als solche identifizierbar.

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Veröffentlichungsdatum
Publikationen zur Person / Institution

Ildikó Cazan-Simányi, Ermordet in Maly Trostinec. Die Leihgaben der Stefanie Demeter, in: Archiv 67 (2018), 132–147.

Alfred Janata, Franz Heger und die Sammlungen "kaukasischer Altertümer" in Wien, in: Archiv für Völkerkunde 32 (1978), 127–142.

Archivalien

WMW-Archiv, Sammlermappe Stephen Demeter.
WMW-Archiv, Direktionsakten, 1935/110a,b, 1939/205, 1940/45, 1940/174b.

Bezirksgericht Wien Hietzing, Amtliches Grundbuch, Grundbuchseinlage 75, Katastralgemeinde Unter St. Veit.

Kirchenbücher, Evangelisch-Lutherischen Kirche, URL: www.familysearch.org (8.1.2026).