Silber, Max

Max Silber

Schwarzweiß-Porträtfoto eines Mannes
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8.7.1883 Salzburg – 2.8.1942 Salzburg

Max Silber, Archäologe und von 1933 bis 1942 Leiter bzw. Direktor des Salzburg Museum (damals auch Städtisches Museum Carolino Augusteum), hatte eine ausgeprägt deutschnationale Sozialisierung. Bereits während seiner Schulzeit in Salzburg war Silber, der aus einer bekannten Salzburger Familie stammte, Mitglied der Geheimen Verbindung Rugia, einer pflichtschlagenden deutschnationalen Gymnasialverbindung. Während des Studiums der klassischen Sprachen, Archäologie und Philologie an der Universität Wien schloss er sich der ebenfalls pflichtschlagenden deutschnationalen Burschenschaft Bruna Sudetia an. Im Ersten Weltkrieg wurde Silber nach zwei Verwundungen für kriegsuntauglich erklärt und kehrte nach Salzburg zurück. Seit 1921 war der Archäologe Mitglied der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde und erhielt in diesem Jahr eine Stelle im Salzburg Museum. Silbers Schwager Karl Adrian (1861–1949) betreute bereits seit 1904 die volkskundliche Sammlung im Salzburg Museum. Seit 1923 arbeitete Max Silber als Assistent des Museumsleiters Julius Leisching (1865–1933), ab 1928 stieg er offiziell zum Kustos im Salzburg Museum auf. 1933 übernahm Silber nach dem Tod Leischings die Leitung des Salzburg Museum – allerdings ohne den offiziellen Titel Museumsdirektor – und des Salzburger Museumsvereins. In diesem Jahr schied der Museumsleiter nach eigenen Angaben aus der Großdeutschen Volkspartei aus, der er seit 1922 angehört hatte. Während des Austrofaschismus war Silber als städtischer Beamter Mitglied der Vaterländischen Front.

Die nationalsozialistische Machtergreifung in Österreich begrüßte Max Silber enthusiastisch als "rettende Tat Adolf Hitlers" und bewarb sich offiziell um die Aufnahme in die NSDAP. Die Salzburger NSDAP-Kreisleitung befürwortete dies schriftlich, denn der Archäologe habe sich schon vor dem Umbruch für die NSDAP ausgesprochen und gehörte der deutschvölkischen Gewerkschaft an. Max Silber selbst gab gegenüber dem Salzburger Oberbürgermeister Anton Giger (1885–1945) im September 1938 schriftlich an, der NSDAP, dem NSV, dem Reichsluftschutzbund und dem Beamtenbund anzugehören; laut Akten des deutschen Bundesarchivs (Berlin Document Center) erhielt er im Mai 1938 die NSDAP-Mitgliedsnummer 6,344.475. Politik und Verwaltung schätzten nach dem "Anschluss" Silbers deutschnationale und nationalsozialistische Gesinnung. Die Vermittlung rassistischer und kriegspolitischer Ziele in der NS-Zeit sah Silber sowohl als persönliches Anliegen als auch als "gesamtdeutsche" Aufgabe, wie er es formulierte. Silber plante bereits im März 1938, seine Ideen zur Umgestaltung des von ihm geleiteten Museums im Sinne des NS-Ideologie umzusetzen. Er forcierte die Aufstockung der "sippenkundlichen" Quellen und fotografischen Porträtsammlung im Kontext der Bedeutung "für die Rassenkunde, Personen- und Familiengeschichte" und die Zusammenarbeit mit der SS-Institution Ahnenerbe. Auch plante er die Neuaufstellung der Volkskunde und der Ur- und Frühgeschichte nach NS-Kriterien. Silber arbeitete in Bezug auf die Umsetzung seiner kultur- und museumspolitischen Ziele eng mit Karl Springenschmid (1897–1981), dem Leiter des NS-"Gauschulungsamts" und Organisator der Salzburger Bücherverbrennung im April 1938, sowie dem "Kulturbeauftragten des Gauleiters" Albert Reitter (1895–1962) zusammen. Springenschmid und Reitter waren beide SS-Angehörige, letzterer war zudem bis zum Verbot der NSDAP im Juni 1933  als bekannter Nationalsozialist Mitglied des Verwaltungsrats des Salzburg Museum gewesen und kannte Silber daher gut. Auch in Wien hatte Max Silber aus seiner Studienzeit noch zahlreiche Kontakte. Das Ministerium für innere und kulturelle Angelegenheiten beauftragte ihn Ende 1938/Anfang 1939 im Rahmen einer "Sonderaktion" mit der Erfassung der Kunstgegenstände in den Klöstern Michaelbeuern und Mülln (das zu Michaelbeuern gehörte) für allfällige weitere Verwertungen nach der geplanten Beschlagnahmung. Max Silber hatte keine Skrupel, die Zuteilung von "arisierten" und entzogenen Gegenständen für das Salzburg Museum zu forcieren. Er intervenierte sogar bei der Gestapo, um die Übergabe des Gemäldes Ischl um 1820 (auch Kruzifix vor Salzkammergutlandschaft) von Franz Steinfeld, aus der "arisierten" Villa von Eugen und Ida Herz-Kestranek in St. Gilgen für das Museum zu erreichen. Das Werk wurde in den 1980er-Jahren vom Salzburg Museum (damals Salzburger Museum Carolino Augusteum/SMCA) an die Familie Herz-Kestranek restituiert. Die Salzburger Reichsstatthalterei ernannte Max Silber im Jahr 1941 zum Salzburger Fachmann "für die Verwertung der Schmuck- und Kunstgegenstände aus jüdischem Besitz". Ebenfalls 1941 beauftragte die Gauhauptstadt Salzburg Silber und das Salzburg Museum, Vorschläge für neue Straßenbenennungen vorzulegen. Der Museumsleiter benannte hierfür "gefallene SA-Männer aus der NS-Kampfzeit", also jener Zeit nach dem Verbot der NSDAP ab Juni 1933, in der auch der gescheiterte NS-Putsch im Juli 1934 stattfand. Anlässlich des Geburtstages Adolf Hitlers am 20. April 1941 setzte der Salzburger Oberbürgermeister Giger Max Silber schließlich offiziell als Museumsdirektor ein. Wenige Tage zuvor hatte er ihn als Mitglied des neu gebildeten "Beirates für kulturelle Belange der Gauhauptstadt Salzburg" nominiert. Bereits seit 1940 war Max Silber zudem ordentliches Mitglied des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches. Die in diesem Jahr geschlossene Ehe des Archäologen mit der Salzburgerin Pauline Pfusterwimmer (1876–1967) blieb kinderlos. Am Begräbnis Max Silbers am 5. August 1942 nahmen sowohl der Salzburger Oberbürgermeister als auch andere VertreterInnen von Stadt und "Gau" Salzburg teil.

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Publikationen zur Person / Institution

Peter Danner, Archäologie in Salzburg von 1938 bis 1945, in: Daniel Modl/Karl Peitler (Hg.), Archäologie in Österreich 1938–1945. Beiträge zum internationalen Symposium vom 27. bis 29. April 2015 am Universalmuseum Joanneum in Graz (=Schild von Steier, Beiheft 8/Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark 79) Graz 2020, 606–663.

Martin Hochleitner, Chronologie des Salzburg Museum, in: Salzburg Museum (Hg.), Anschluss, Krieg & Trümmer. Salzburg und sein Museum im Nationalsozialismus (= Jahresschrift des Salzburg Museum 60), Salzburg 2018, 17–38.

Susanne Rolinek, "…Anteil nehmen an der Neugestaltung des großen deutschen Vaterlandes". Max Silber und das Salzburg Museum bis 1942, in: Salzburg Museum (Hg.), Anschluss, Krieg & Trümmer. Salzburg und sein Museum im Nationalsozialismus (= Jahresschrift des Salzburg Museum 60), Salzburg 2018, 131–143.

Publikationen der Person / Institution

Max Silber, Über antike Beleuchtungsgeräte, Dissertation Universität Wien 1914.

Ders., Fund einer römischen Bronze-Kanne in Salzburg, in: Salzburger Museumsblätter 8 (1929), 1-2.

Ders. (gemeinsam mit Oliver Klose), Iuvavum. Führer durch die Altertumssammlungen des Museums Carolino Augusteum in Salzburg, Wien 1929.

Ders., Neuerwerbungen an Bronze-Äxten in der Prähistorischen Sammlung, Salzburg 1932.

Ders., Salzburg in Großdeutschland, in: Salzburger Museumsblätter 17 (1938), 1-3.

Ders., Geschichtliche und kulturelle Zusammenhänge Salzburgs mit Böhmen und Mähren bis zum Ausgang des Mittelalters, in: Salzburger Museumsblätter 18 (1939), 1-2.

Ders., Mozart-Erinnerungen im Stadt-Museum, in: Salzburger Museumsblätter 20 (1941), 5-6.

Ders. Paracelsus-Feier Salzburg 1941. Kurzer Führer durch die Paracelsus-Ausstellung zur 400. Wiederkehr des Todestages von Theophrastus Paracelsus, Salzburg 1941.

Ders., Isis-Darstellungen in keltisch-germanischer Auffassung. Ein Beitrag zur Deutung des Noreia Isis, in: Carinthia I (1942), 132. 

Archivalien

BArch Berlin-Lichterfelde, Sammlung Berlin Document Center (BDC), Personenbezogene Unterlagen der Reichskulturkammer (RKK), R 9361-V/33681, Silber, Max

Salzburg Museum, Archiv, Hausakten.

Stadtarchiv Salzburg, Personal-Kartei, Max Silber.