Walter Mentzel https://www.lexikon-provenienzforschung.org/ de Akademischer Verein jüdischer Mediziner in Wien https://www.lexikon-provenienzforschung.org/akademischer-verein-juedischer-mediziner-wien <span>Akademischer Verein jüdischer Mediziner in Wien</span> <div class="field field--name-field-figure field--type-image field--label-hidden field__item"> <img loading="lazy" src="/sites/default/files/styles/large/public/prov_article/stempel_akademischer_verein_j%C3%BCdischer_mediziner_0.jpg?itok=msmwCIHN" width="405" height="480" alt="Ovaler Stempelabdruck" title="Eigentumsstempel: Akademischer Verein jüdischer Mediziner Wien, undatiert. © Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien, Fotograf: Walter Mentzel" /> </div> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:40</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item"><strong>Akademischer Verein jüdischer Mediziner (AVJM) in Wien</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Der Akademische Verein jüdischer Mediziner in Wien (AVJM) wurde am 14. Juli 1911 von den drei Studenten Alfred Grünspan, Siegfried Berl und Josef Krenberger bei der k. k. Statthalterei Niederösterreich angezeigt und dessen Bildung am 31. August 1911 nach Prüfung der Vereinsstatuten durch die Vereinsbehörde und der Polizeidirektion Wien nicht untersagt. Der Sitz des Vereins wechselte bis 1938 mehrmals, zunächst lag er in Wien 9, Währinger Straße 13a (anatomisches Institut) und zuletzt 1938 in Wien 9, Alser Straße 28. Der Verein begann bereits unmittelbar nach seiner Gründung mit dem Aufbau einer Bibliothek, wie auch in den Vereinsstatuten 1911 bzw. in deren geänderter Version aus 1913 festgehalten wurde, und organisierte für seine Mitglieder einen eigenen Bibliotheksbetrieb. 1921 kam es zur Eingliederung des Vereins als medizinische Sektion (Zweigverein) in den Gesamtverband jüdischer Hochschüler Österreichs Judäa. Die statuarische Umwandlung erfolgte mit Genehmigung durch den Wiener Magistrat (MA 49) am 10. Mai 1921. 1924 änderte der Verein seinen Namen in Akademischer Verein jüdischer Mediziner – (Medizinische) Sektion des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler Judäa und galt damit als offizielle Vertretung der jüdischen MedizinerInnen gegenüber den Universitätsbehörden. 1937 umfasste die Vereinsbibliothek zirka 2.000 Bücher. Die letzte Generalversammlung des AVJM vor dem "Anschluss" fand am 16. November 1937 statt, bei der Emil Katz zum Obmann, Heinrich (Hirsch) Heller zum Ersten und Isidor Ten(n)enbaum zum Zweiten Vize-Obmann gewählt wurden.</p> <p>Der AVJM wurde am 13. September 1938 auf Antrag des vom Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich bestellten Stillhaltekommissars für Vereine, Organisationen und Verbände gemäß § 3 des <em>Gesetzes über die Überleitung und Eingliederung von Vereinen, Organisationen und Verbände</em> vom 17. Mai 1938 für aufgelöst erklärt und mit Bescheid des Wiener Magistrates (MA 2) vom 23. September 1939 aus dem Vereinskataster gelöscht. Währenddessen kam es im August 1938 durch den ehemaligen Obmann Emil Katz zur Anmeldung und durch die Gestapo zur Erfassung des Vereinsvermögens. Das angefertigte Vermögensverzeichnis führte eine Fachbibliothek von ungefähr 1.000 Bänden, ferner Lernmittel wie Mikroskope, Sezierzeuge etc. an. Über den weiteren Verbleib des beweglichen Vereinsvermögens gibt es keinerlei Hinweise. Es kam zu keiner Bestellung einer kommissarischen Verwaltung oder eines Liquidators, ebenso fehlen Hinweise auf eine angeordnete Verwertung etwa durch die <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="1739dbbd-7aa5-473f-a8d9-4f559f541d9e" href="/vermoegensverkehrsstelle" title="Vermögensverkehrsstelle">Vermögensverkehrsstelle</a>. Am 19. Jänner 1940 wurde vom Stillhaltekommissar ein Schlussbericht vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass der Verein aufgelöst und das Vermögen für entzogen erklärt worden war. Über den weiteren Verbleib der Bücher gibt es keine Hinweise. Das Inventar dürfte "wilden Arisierungen" zum Opfer gefallen sein. Im Jahr 1939 befanden sich am früheren Standort des Vereines bereits die Lokalitäten des Sturmheims der SA 3/3 und der NSDAP-Ortsgruppe Alservorstadt.</p> <p>An der <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="4229eb7f-9893-4a3f-a735-cb62edf78127" href="/zweigbibliothek-fuer-geschichte-der-medizin-der-universitaetsbibliothek-der-medizinischen" title="Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien">Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien</a> konnten im Zuge der systematischen Provenienzforschung zwei Bücher der ehemaligen Bibliothek des AVJM eruiert werden, die am Standort der Bibliothek des Institutes für Geschichte der Medizin nach 1938 inventarisiert worden waren. Da es nach 1945 zu keiner Wiederbegründung des Vereines kam, wurden die beiden Bücher im November 2019 an die Israelitische Kultusgemeinde Wien als Rechtsnachfolgerin restituiert.</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/39" hreflang="de">Bibliothekswesen</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/110" hreflang="de">MedizinerIn</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/19" hreflang="de">NS-Verfolgte/r</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/88" hreflang="de">NS-Vermögensentzug</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/186" hreflang="de">Walter Mentzel</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2019-11-18T23:00:00Z">18. November 2019</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Shoshana Duizend-Jensen, Jüdische Gemeinden, Vereine, Stiftungen und Fonds. "Arisierung" und Restitution (= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich  21/2), Wien-München 2004, URL: <a href="https://hiko.univie.ac.at/PDF/21-2.pdf">hiko.univie.ac.at/PDF/21-2.pdf</a> (3.12.2020).</p> <p>N. N., Korrespondenzen, Wien, in: Jüdische Volksstimme, 26.7.1911, 5, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=jvs&amp;datum=19110726&amp;seite=5">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=jvs&amp;datum=19110726&amp;seite=5</a> (3.12.2020).</p> <p>N. N., Kommilitonen! Jüdische Mediziner!, in: Jüdische Volksstimme, 20.9.1911, 4, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=jvs&amp;datum=19110920&amp;seite=4">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=jvs&amp;datum=19110920&amp;seite=4</a> (3.12.2020).</p> <p>N. N., Der akademische Verein jüdischer Mediziner, in: Die Stimme, 24.9.1937, 8, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dst&amp;datum=19370924&amp;seite=8">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dst&amp;datum=19370924&amp;seite=8 </a>(3.12.2020).</p> <p>N. N., Der akademische Verein jüdischer Mediziner, in: Die Stimme, 1.10.1937, 6, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dst&amp;datum=19371001&amp;seite=6">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dst&amp;datum=19371001&amp;seite=6 </a>(3.12.2020).</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>OeStA/AdR, ZNsZ, Stillhaltekommissar Wien (Stiko Wien), 31-M3, Akademischer Verein jüdischer Mediziner.</p> <p>UAW, Akademischer Senat, Sonderreihe des Akademischen Senates: Vereine, Senat S, 164120 Akademischer Verein jüdischer Mediziner, 1910–1927,<br /> UAW, Akademischer Senat, Sonderreihe des Akademischen Senates: Vereine, Senat S, 1447/1910–1911<br /> UAW, Akademischer Senat, Sonderreihe des Akademischen Senates: Vereine, Senat S 329/1913–1914.<br /> UAW, Akademischer Senat, Sonderreihe des Akademischen Senates: Vereine, Senat S 163.32 Akademischer Verein Jüdischer Mediziner, 1937.11.27.<br /> UAW, Med.Fak., Dekanat, 445/38 Akademischer Verein jüdischer Mediziner – Bekanntgabe des neugewählten Ausschusses.<br /> UAW, Rektorat, Promotionsprotokoll 1929-1941, Sign. 194 sowie Nationalien/Studienkataloge 1862–1938, Sign. 134.</p> <p>WStLA, M.Abt. 119, A32, gelöschte Vereine, 229/1921, Akademischer Verein jüdischer Mediziner.</p></div> </div> <div class="field field--name-field-links-external field--type-link field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"><a href="https://www.wikidata.org/wiki/Q106889631" rel="nofollow" target="_blank">Wikidata: Q106889631</a></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:40:31 +0000 acolono 1490 at https://www.lexikon-provenienzforschung.org Arisierungskommission der Wiener Photographeninnung https://www.lexikon-provenienzforschung.org/arisierungskommission-der-wiener-photographeninnung <span>Arisierungskommission der Wiener Photographeninnung</span> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:40</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item"><strong>Arisierungskommission der Wiener Photographeninnung</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-biographical-data field--type-text-long field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Zusatzinformationen</div> <div class="field__item"><p>weitere Bezeichnung: Arisierungskommission der Wiener Photographenzunft</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Seit der Ausschaltung des Parlaments 1933/34 und in den darauf folgenden Jahren des Austrofaschismus infiltrierten (illegale) Mitglieder der NSDAP die Verbandsstrukturen und Gremien der gesetzlichen Interessensvertretungen und Gewerbeorganisationen der FotografInnen. Gleichzeitig nahm die Zahl der jüdischen FotografInnen in den Funktionsorganen der gewerblichen Berufsverbände ab. Jene schon vor 1938 innerhalb der Gremien der Wiener Fotografenzunft aktiven NationalsozialistInnen übernahmen unmittelbar nach dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich leitende Funktionen in der Zunft. Sie bildeten zur Ausschaltung der jüdischen FotografInnen eine "Arisierungskommission", die ihre Tätigkeit auf der Basis bereits existierender "Planungslisten" aufnahm. Jene "Planungslisten" enthielten die zur Liquidierung oder "Arisierung" vorgesehenen jüdischen Betriebe. Bei den Kommissionsmitgliedern handelte es sich um eine informelle, innerhalb der Zunft bestehende Gruppe von Fotografen, die sich aus den neu bestellten Führungsorganen, den Beiräten und sogenannten "Vertrauensmännern" der Zunft zusammensetzte. Sie sollte in den folgenden Monaten eine wesentliche Steuerungsfunktion beim Prozess der "Arisierungen" übernehmen. Vorsitzender der Kommission war der nach dem "Anschluss" zum kommissarischen Zunftmeister bestellte und im Oktober 1938 zum Bezirksinnungsmeister des Fotografenhandwerks für die Ostmark ernannte <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6ca58b3a-cec0-4d6f-977b-a7f10e0e52ea" href="/jelinek-egon" title="Jelinek, Egon">Egon Jelinek</a>. Den Beirat der Zunft bildeten der Industriefotograf Karl Rudolf Scherb, sowie der von <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6ca58b3a-cec0-4d6f-977b-a7f10e0e52ea" href="/jelinek-egon" title="Jelinek, Egon">Jelinek</a> als Zunftmeister abgelöste Silverius Frey und <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="5e4f10bd-d86e-454d-a4e7-07bd7fd5aa66" href="/detoni-josef-leopold-anton" title="Detoni, Josef Leopold Anton">Josef A. Detoni</a>, der 1938 zum Sekretär der Bezirksstelle Ostmark der Zunft aufsteigen sollte. Ebenso gehörten <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="eb25b1cf-483a-4731-93d5-4e9b1286db81" href="/nohynek-gustav" title="Nohynek, Gustav">Gustav Nohynek</a>, der 1940 <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6ca58b3a-cec0-4d6f-977b-a7f10e0e52ea" href="/jelinek-egon" title="Jelinek, Egon">Jelinek</a> in der Funktion des Obermeisters der Zunft bzw. Innung folgen sollte, sowie der seit 1936 als Sekretär der Fotografenzunft tätige Franz Brandstätter dem Gremium an. Als "Vertrauensmänner" fungierten der "Blutordensträger" Roland Blumentritt sowie Heinrich Schuhmann. Zu den Aufgaben der Kommission gehörte die Auswahl der zu liquidierenden Betriebe, womit vor allem die Optimierung der Erwerbsmöglichkeiten durch eine Verringerung der Konkurrenzbetriebe innerhalb des Gewerbes hergestellt werden sollte. Zugleich verfügte sie gegenüber der ihr übergeordneten <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="1739dbbd-7aa5-473f-a8d9-4f559f541d9e" href="/vermoegensverkehrsstelle" title="Vermögensverkehrsstelle">Vermögensverkehrsstelle</a> über ein Einspruchs- und Vorschlagsrecht, was die Auswahl von aus ihrer Sicht geeigneten ÜbernahmekandidatInnen bei "Arisierungen" betraf und von dem sie in der Regel auch Gebrauch machte. Sie erzwang von den jüdischen FotografInnen die Rückgabe der Gewerbeberechtigungen und erstellte im Verlauf der "Arisierungen" sogenannte Begleitprotokolle zur Dokumentation des "Verhaltens der Juden". Parallel zu ihren Funktionen in der "Arisierungskommission" waren deren Mitglieder als Schätzmeister bei "Arisierungen" und Liquidierungen von Betrieben sowie als kommissarische Verwalter tätig. Sie schüchterten jüdische FotografInnen ein, übten Gewalt aus, denunzierten bei der Gestapo und bereicherten sich persönlich, wie aus verschiedenen Quellen hervorgeht.</p> <p>1938 existierten zirka 700 gewerbebehördlich angemeldete FotografInnen (ohne Fotohandlungen) in Wien, wovon viele ihren Beruf aufgrund der jahrelang anhaltenden Wirtschaftskrise in ihren Wohnungen ausübten. Bereits ab April 1938 wurden alle liquidierten und "arisierten" Betriebe bzw. jene, denen die Gewerbeberechtigung entzogen worden war, in der von <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="5e4f10bd-d86e-454d-a4e7-07bd7fd5aa66" href="/detoni-josef-leopold-anton" title="Detoni, Josef Leopold Anton">Detoni</a> herausgegebenen Verbandszeitschrift <em>Allgemeine photographische Zeitung</em> dokumentiert. Im Juli 1939 folgte dort eine quantitative Aufstellung der von den "Arisierungsmaßnahmen" betroffenen Unternehmen, der zur Folge von 184 als jüdisch klassifizierten Betrieben 39 "arisiert" und 145 liquidiert worden waren. Damit verschwanden wertvolle Fotoausrüstungen und über Jahrzehnte gewachsene Fotoarchive durch Verschleppungen der "AriseurInnen", durch Plünderungen und durch Vermögensentziehungen. Aus dem Kreis der Mitglieder der "Arisierungskommission" mussten sich nach 1945 lediglich <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6ca58b3a-cec0-4d6f-977b-a7f10e0e52ea" href="/jelinek-egon" title="Jelinek, Egon">Jelinek</a>, Blumentritt und <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="eb25b1cf-483a-4731-93d5-4e9b1286db81" href="/nohynek-gustav" title="Nohynek, Gustav">Nohynek</a> vor einem Volksgericht wegen § 10 und § 11 des Verbotsgesetzes ("Illegalität" bzw. qualifizierte "Illegalität") sowie § 3 (Quälerei und Misshandlung), § 4 (Verletzungen der Menschlichkeit und der Menschenwürde) und § 6 und § 7 des Kriegsverbrechergesetzes (missbräuchliche Bereicherung und Denunziation) verantworten. Sie alle übten nach Verbüßung ihrer Haftstrafen ihr Fotografengewerbe weiter aus.</p> <p> </p> <p>Aus dem Projekt <em>Durch das NS-Regime aus Österreich vertriebene und ermordete Fotografinnen und Fotografen und der Verbleib ihrer fotografischen Sammlungen</em> (Gefördert vom Nationalfonds der Republik Österreich. Durchgeführt von Dr. Walter Mentzel).</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/77" hreflang="de">&quot;Arisierung&quot;</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/103" hreflang="de">Firmen-Liquidation</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/13" hreflang="de">FotografInnengewerbe</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/82" hreflang="de">Kommissarische Verwaltung</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/88" hreflang="de">NS-Vermögensentzug</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/186" hreflang="de">Walter Mentzel</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2019-11-25T23:00:00Z">25. November 2019</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Kurzberichte, in: Allgemeine photographische Zeitung (1939) 7, 1, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phz&amp;datum=1939&amp;page=91">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phz&amp;datum=1939&amp;page=91</a> (3.12.2020).</p> <p>Joseph A. Detoni, Österreichisches-Photo-Adressbuch, Wien 1934–1937.</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>Archiv der Wirtschaftskammer Österreich, Gewerbeakt, Egon Jelinek.<br /> Archiv der Wirtschaftskammer Österreich, Gewerbeakt, Roland Blumentritt.</p> <p>OeStA/AdR, BKA, Zl. 210.199/12-2N/57, Egon Jelinek.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, FLD, 40774 Maximilian Birnbaum.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Gewerbe, 1189, Franz Löwy.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Gewerbe, 1306, Willi Pollak.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Gewerbe, 4060, Nachim Chefez.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Gewerbe, 4066, Oskar Weitzmann.<br /> OeStA/AdR, Präsidentschaftskanzlei, Zl. 15601/55, Egon Jellinek.<br /> OeStA/AdR, Präsidentschaftskanzlei, Zl. 1633/57, Egon Jellinek.<br /> OeStA/AdR, ZNsZ, Gauakt 7.310, Gustav Nohynek.<br /> OeStA/AdR, ZNsZ, Gauakt 12.296, Silverius Frey.<br /> OeStA/AdR, ZNsZ, Gauakt 12.281, Maximilian Kretschek.<br /> OeStA/AdR, ZNsZ, Gauakt 14.965, Josef A. Detoni.<br /> OeStA/AdR, ZNsZ, Gauakt 59.101, Karl Scherb.</p> <p>WStLA, Gauakten, A1, Personalakten des Gaues Wien, Josef A. Detoni.<br /> WStLA, Volksgericht, A1, Vg 12 Vr 3617/47, Jelinek Egon.<br /> WStLA, Volksgericht, A1, Vg 1h Vr 6587/47, Alfred Wenzl, Egon Jelinek, Gustav Nohynek.<br /> WStLA, Volksgericht, A1, Vg 1 Vr 4635/45, Gustav Nohynek, Johann Poppovic.<br /> WStLA, Volksgericht, A1, Vg Vr 2537/47, Gustav Nohynek, Johann Poppovic.<br /> WStLA, Volksgericht, A1, Vg 1h Vr 6587/47, Alfred Wenzl, Egon Jelinek, Gustav Nohynek.<br /> WStLA, Volksgericht, A1, Vg 5a Vr, 7275/48 Roland Blumentritt.</p></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:40:36 +0000 acolono 1495 at https://www.lexikon-provenienzforschung.org Arnstein, Alfred https://www.lexikon-provenienzforschung.org/arnstein-alfred <span>Arnstein, Alfred</span> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:40</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item">Alfred <strong>Arnstein</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-biographical-data field--type-text-long field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Zusatzinformationen</div> <div class="field__item"><p><span>26.6.1886 Wien – 3.1.1972 London</span></p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><span><span>Alfred Arnstein wurde am 26. Juni 1886 als Sohn des Rechtsanwaltes Emanuel Arnstein und Regina Hahn in Wien geboren. Er war seit 1920 mit Hildegard Arnstein, née Baum, verheiratet. Nachdem er sein Studium an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien 1910 mit seiner Promotion abgeschlossen hatte, erfolgte im September desselben Jahres seine Ernennung zum Assistenzarztstellvertreter und 1912 zum Assistenzarzt an der 3. Medizinischen Klinik (Abteilung Wilhelm Schlesinger) im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) in Wien. Neben seiner beruflichen Tätigkeit am AKH hielt er Vorträge zu medizinischen Themen bei Wiener Volksbildungsvereinen. Am Ersten Weltkrieg nahm Arnstein als Militärarzt im Rang eines Oberarztes bzw. Regimentsarztes teil und wurde mehrmals ausgezeichnet. Nach Kriegsende setzte er seine Arbeit als Assistenzarzt im AKH fort, schloss 1921 seine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin ab, und führte neben seiner Beschäftigung als Spitalsarzt eine private Ordination in Wien. Am 27. März 1925 schied er aus dem Personalstand des Allgemeinen Krankenhauses aus und trat in den Dienst der Gemeinde Wien an der Tuberkuloseabteilung des Versorgungsheimes am Krankenhaus in Lainz ein, wo er bis März 1938 als Vorstand und Primararzt wirkte. Arnstein war kein Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Er und seine Familie, mit der er 1938 in Wien 9, Ferstelgasse 4 wohnte, sahen sich aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nach dem "Anschluss" an das nationalsozialistische Deutschland der NS-Verfolgung ausgesetzt. Nach seiner zwangsweisen Versetzung in den dauernden Ruhestand am 23. April 1938 flüchtete er mit seiner Ehefrau und den beiden gemeinsamen Söhnen Hans und Heinrich Arnstein im August 1938 nach England, wo er ab 1941 in London als Arzt arbeitete. In seiner im Juli 1938 abgegebenen Vermögensanmeldung führte Arnstein eine private ärztliche Handbibliothek an. Das Vermögen der Familie Arnstein wurde von der Gestapo beschlagnahmt und verfiel aufgrund der <em>Elften Verordnung zum Reichsbürgergesetz</em> vom 25. November 1941 dem Reich. Schon zuvor war es zur Versteigerung des Wohnungsinterieurs durch das <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="e3bfa5fb-d6fd-46fe-ab81-0b9e77ad805d" href="/dorotheum" title="Dorotheum">Dorotheum</a> in Wien gekommen. Arnstein machte nach 1945 in zwei Verfahren bei der Rückstellungskommission beim Landesgericht für Zivilrechtssachen in Wien Ansprüche hinsichtlich der ihm auferlegten und von ihm bezahlten "Reichsfluchtsteuer" sowie eines Eigentumsanteiles an einer Liegenschaft in Wien 19, Cobenzlgasse 55 geltend. Während er die "Reichsfluchtsteuer" nicht zurückerstattet bekam, endete das zweite Verfahren mit einem Vergleich. Er starb 1972 in London.</span></span></p> <p><span><span>An der <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="4229eb7f-9893-4a3f-a735-cb62edf78127" href="/zweigbibliothek-fuer-geschichte-der-medizin-der-universitaetsbibliothek-der-medizinischen" title="Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien">Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien</a> wurde im Zuge der systematischen Provenienzforschung ein Buch mit der Provenienz Alfred Arnstein eruiert, das nach dem März 1938 der <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="d6cd71d7-9767-4429-8bbd-3e6adb421a44" href="/bibliothek-der-gesellschaft-der-aerzte-wien" title="Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien">Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien – Billrothaus</a> einverleibt worden war. Das Buch konnte 2012 an die RechtsnachfolgerInnen nach Alfred Arnstein restituiert werden.</span></span></p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/15" hreflang="de">Arzt/Ärztin</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/39" hreflang="de">Bibliothekswesen</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/110" hreflang="de">MedizinerIn</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/19" hreflang="de">NS-Verfolgte/r</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/88" hreflang="de">NS-Vermögensentzug</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/186" hreflang="de">Walter Mentzel</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2019-05-29T22:00:00Z">29. Mai 2019</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Bruno Bauer/Walter Mentzel, NS-Provenienzforschung an der Medizinischen Universität Wien 2011 und 2012. Restitutionen von Büchern der Bibliothek Sassenbach sowie den Privatbibliotheken von Raoul Fernand Jellinek-Mercedes und Alfred Arnstein, in: VÖB (= Mitteilungen der Vereinigung österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare) 66 (2013) 3/4, 449–457, URL: <a href="https://fedora.phaidra.univie.ac.at/fedora/objects/o:309203/methods/bdef:Content/download">fedora.phaidra.univie.ac.at/fedora/objects/o:309203/methods/bdef:Content/download</a> (3.12.2020).</p> <p>Renate Feikes, Emigration jüdischer Wiener Ärzte ab 1938 in die USA, speziell nach New York, 2 Bände, Dissertation Universität Wien 1999.</p> <p>Todesnachricht Alfred Arnstein, in: British Medical Journal, 22.1.1972, 317.</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>Archiv der IKG Wien, Matriken, Geburtsbuch, 1885–1886, Alfred Arnstein.</p> <p>OeStA/AdR, E-uReang, FLD, Zl. 901, Heinrich Arnstein.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, FLD, Zl. 4251, Alfred Arnstein.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, Hilfsfonds, Abgeltungsfonds 1272, Alfred Arnstein .<br /> OeStA/AdR, E-uReang, Hilfsfonds, Abgeltungsfonds 4047, Alfred Arnstein .<br /> OeStA/AdR, E-uReang, Hilfsfonds, Abgeltungsfonds 4812, Alfred Arnstein.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, VA  24391, Alfred Arnstein.</p> <p>UAW, Med. Fak., Sign. 134, Nationalien/Studienkataloge 1862–1938, Zl. 588 Alfred Arnstein (1906/07).<br /> UAW, Med. Fak., Sign. 190, Promotionsprotokoll, 1904–1912, Zl. 1056 Alfred Arnstein (Promotion 20.4.1910).<br /> UAW, Med. Fak., Sign. 196, Rigorosenprotokoll 1903–1930, Zl. 2 (Rigorosum: 22.4.1910).</p> <p>WStLA, M.Abt. 119, A41, VEAV 739, 19. Bez., Alfred Arnstein.<br /> WStLA, M.Abt. 202, A6, Personalakt 2. Reihe, Alfred Arnstein.</p></div> </div> <div class="field field--name-field-links-external field--type-link field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"><a href="https://d-nb.info/gnd/127260307" rel="nofollow" target="_blank">GND: 127260307</a></div> <div class="field__item"><a href="http://viaf.org/viaf/33015000" rel="nofollow" target="_blank">VIAF: 33015000</a></div> <div class="field__item"><a href="https://www.wikidata.org/wiki/Q109352508" rel="nofollow" target="_blank">Wikidata: Q109352508</a></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:40:21 +0000 acolono 1478 at https://www.lexikon-provenienzforschung.org Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien https://www.lexikon-provenienzforschung.org/bibliothek-der-gesellschaft-der-aerzte-wien <span>Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien</span> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:39</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item"><strong>Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-biographical-data field--type-text-long field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Zusatzinformationen</div> <div class="field__item"><p>weitere Bezeichnung: Wiener medizinische Bibliothek – Billrothhaus (1939–1945)</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Die von Wissenschaftern der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und Ärzten des Allgemeinen Krankenhauses in Wien 1837 als Verein gegründete Gesellschaft der Ärzte in Wien (GdÄW) etablierte sich während des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum des medizinisch-wissenschaftlichen Lebens. Die Errichtung einer eigenen Bibliothek (Lesekabinett) war schon bei den Vorbereitungen zur Konstituierung der Gesellschaft vorgesehen und wurde 1840 umgesetzt. Die Bibliothekserwerbungen wurden von Beginn an weitestgehend durch Schenkungen und Spenden, durch Beiträge der Mitglieder der GdÄW und später auch durch ausgeschiedene Bestände aus den Klinik- und Institutsbibliotheken des Allgemeinen Krankenhauses in Wien organisiert. So wurde ihr Bestand kontinuierlich erweitert und stellte Ende des 19. Jahrhunderts neben der Bibliothek im Josephinum (Standort der späteren Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin), jener des Doktoren-Kollegiums und der Bibliothek des sogenannten Ärztlichen Lesezimmers im Allgemeinen Krankenhaus Wien die größte zentrale medizinische Bibliothekseinrichtung in Wien dar.</p> <p>Nach dem “Anschluss“ im März 1938 kam es zu einer erzwungenen Austrittswelle jüdischer Mitglieder aus der GdÄW, die zu einer de facto Selbstauflösung und der Einstellung ihrer Tätigkeiten führte. So wurde auch der langjährige Bibliothekar und Dozent für Geschichte der Medizin, Isidor Fischer, zum Austritt gezwungen. Am 22. März 1938 ernannte der Gauobmann des NS-Ärztebundes (Gau Wien), Otto Planner-Plann, den bisherigen Vermögensverwalter der GdÄW, <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="becbe361-9030-4367-a38b-78007c05dddd" href="/irtl-adolf" title="Irtl, Adolf">Adolf Irtl</a> zum kommissarischen Leiter der Bibliothek. <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="becbe361-9030-4367-a38b-78007c05dddd" href="/irtl-adolf" title="Irtl, Adolf">Irtl</a> war bereits vor 1938 Funktionär der GdÄW und seit 1. März 1938 Mitglied der NSDAP. Mit dem Gesetz über die Überleitung und Eingliederung von Vereinen, Organisationen und Verbänden im Mai 1938 und der entsprechenden Verordnung des Reichsstatthalters in Österreich drohte die Auflösung der GdÄW. Bis Oktober 1938 versuchte <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="becbe361-9030-4367-a38b-78007c05dddd" href="/irtl-adolf" title="Irtl, Adolf">Irtl</a> den Weiterbestand der Gesellschaft und der Bibliothek durch Interventionen beim Dekanat der Medizinischen Fakultät und den vorgesetzten Stellen zu erwirken. Sein Ziel war vor allem die Bestandserhaltung der Bibliothek sowie eine Neugründung der Gesellschaft nach nationalsozialistischen Grundsätzen, wozu er eigene Vereinsstatuten ausgearbeitet hatte. Von der Reichsärzteführung und durch den Stillhaltekommissar wurde schließlich verfügt, das Vermögen der GdÄW der Reichsärztekammer in Berlin zu übertragen und ihr die Bibliothek zu unterstellen. Dieser Schritt erfolgte durch die Auflösung der GdÄW am 14. Oktober 1938. Als Nachfolgeorganisation wurde im Februar 1939 die Wiener medizinische Gesellschaft gegründet und darin die Bibliothek der ehemaligen GdÄW unter dem Namen Wiener medizinische Bibliothek – Billrothhaus integriert und von <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="becbe361-9030-4367-a38b-78007c05dddd" href="/irtl-adolf" title="Irtl, Adolf">Irtl</a> bis 1945 weitergeführt. Die Bibliothek der ehemaligen GdÄW war damit die einzige Bibliothek eines außeruniversitären medizinischen Vereins, die nicht von der Auflösung durch das NS-Regime betroffen war. Dies dürfte zum einen auf ihr unbestrittenes wissenschaftliches Ansehen und zum anderen auf deren materiellen Wert des Bestandes zurückzuführen sein. Bei der Vermögensschätzung am 31. März 1938 wurde das Haus am Standort der GdÄW in Wien 9, Frankgasse 8 mit 90.000,- Schilling und die am selben Standort sich befindende Bibliothek mit 250.000,- Schilling (Brandversicherungssumme) bewertet, ihr ein “unschätzbarer Wert“ beigemessen und als “größte [außeruniversitäre] deutsche medizinische Bibliothek“ bezeichnet. Während der Jahre 1938 bis 1945 kam es zur Weiterführung der Bibliotheksarbeit. Die Bestandserweiterung erfolgte vor allem durch Schenkungen von ÄrztInnen, den Schriftentausch mit deutschen Bibliotheken und den Erwerb von Nachlässen, wie u. a. jenen des Chirurgen Anton Eiselsberg. Im April 1939 bezog die Bibliothek vom Beauftragten des Reichsärzteführers für das ärztliche Fortbildungswesen, Kurt Blome, Bücher aus der Paracelsus-Bibliothek in Leipzig. Zwischen 1940 und 1942 kam es zu Erwerbungen über die “Reichsaustauschstelle Berlin“ (darunter Bücher von der Senckenbergischen Bibliothek in Frankfurt am Main) und von medizinischen Universitätsbibliotheken und medizinischen Einrichtungen in Deutschland. Nach der Besetzung Frankreichs erhielt die Bibliothek französische Zeitschriften von der Auslandszeitungshandel GmbH. in Köln. Darüber hinaus empfing die Bibliothek in den Jahren 1941 und 1942 mehr als 300 französischsprachige Bücher durch den Leiter der Presseabteilung der Gestapo-Leitstelle Wien, Alfons Rosse. Die Bücher stammen wahrscheinlich aus Beschlagnahmeaktionen der Gestapo in Frankreich.</p> <p>Nach der Befreiung Österreichs kam es am 10. Juni 1945 auf Initiative des amtsführenden Stadtrates für Kultur und Volksbildung der Stadt Wien, dem KPÖ-Funktionär Viktor Matejka, zur provisorischen Wiedererrichtung der GdÄW durch einen vorläufigen Verwaltungsrat und am 19. Oktober 1945 zur Wahl eines ordentlichen Präsidiums. Das Vereins-Reorganisationsgesetz vom 31. Juni 1945 ermöglichte am 13. Juni 1946 die Aufnahme der Vereinstätigkeit. Die Bibliothek war 1944 zum Schutz vor den Auswirkungen der Luftangriffe in einer Scheune in Peigarten bei Waidhofen an der Thaya untergebracht, im Juli 1945 sichergestellt und schließlich im Herbst 1945 an ihren ursprünglichen Standort in der Frankgasse 8 zurückgeführt worden. Erst im Jahr 1949, nach der Freigabe durch die amerikanische Besatzungsmacht, gelangte sie wieder ins Eigentum der GdÄW zurück. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Billrothaus noch grundbuchlich der Reichsärztekammer zugeordnet gewesen und hatte damit als “Deutsches Eigentum“ gegolten. Die größten Teile der Bibliothek der GdÄW wurden in den 1960er-Jahren und vor allem 1976 und 2003 als Dauerleihgabe in mehreren Tranchen von der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin übernommen, womit ein zentraler Standort der medizinhistorischen Bestände Wiens des 19. und 20. Jahrhunderts geschaffen wurde.</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/39" hreflang="de">Bibliothekswesen</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/110" hreflang="de">MedizinerIn</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/186" hreflang="de">Walter Mentzel</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2019-01-06T23:00:00Z">6. Jänner 2019</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Harald Albrecht/Bruno Bauer/Walter Mentzel, Josephinische Bibliothek und medizinhistorische Bestände der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien, in: GMS Medizin – Bibliothek – Information, 12 (2012).</p> <p>Peter Malina, Die Gestapo als Bücherlieferant. Vorläufige Ergebnisse der Provenienzforschung an der Universität Wien, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung (2006) 2, 30–41, URL: <a href="http://www.buchforschung.at/pdf/MB2006-2.pdf">www.buchforschung.at/pdf/MB2006-2.pdf</a> (3.12.2020).</p> <p>Max Neuburger, Die Entwicklung des wissenschaftlichen Vereinswesens und seine Bedeutung für den medizinischen Fortschritt, in: Wiener Klinische Wochenschrift (1937) 20, 666–674.</p> <p>Friedrich Ribar, Die Geschichte der Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien 1837–1987, Wien 1990.</p> <p>Karl Hermann Spitzy (Hg.), Gesellschaft der Ärzte in Wien 1837–1987, Wien 1987.</p> <p>Franz Weisz, Die Geheime Staatspolizei. Staatspolizeileitstelle Wien 1938–1945. Organisation, Arbeitsweise und personale Belange, Dissertation Universität Wien 1991.</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>UAW, Med. Fak., Dekanat, Zl. 1.259/1937–1938.<br /> UAW, Rektorat, Zl. 258/1941–1942, Universitätsbibliothek Wien.<br /> UAW, Rektorat, Zl. 150/1944–1945, Bergung der Bibliothek des “Billroth-Hauses“.</p> <p>WStLA, M.Abt. 119, A41, VEAV 217, 9. Bez., Gesellschaft der Ärzte in Wien.</p></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:39:27 +0000 acolono 1388 at https://www.lexikon-provenienzforschung.org Bibliothek Sassenbach https://www.lexikon-provenienzforschung.org/bibliothek-sassenbach <span>Bibliothek Sassenbach</span> <div class="field field--name-field-figure field--type-image field--label-hidden field__item"> <img loading="lazy" src="/sites/default/files/styles/large/public/prov_article/Bibliothek_Sassenbach.jpg?itok=1tiiqZCw" width="480" height="192" alt="Aufkleber mit Vordruck und handschriftlich eingetragener Signatur" title="Aufkleber der Bibliothek, undatiert. © Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien, Fotograf: Walter Mentzel" /> </div> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:40</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item"><strong>Bibliothek Sassenbach</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Die Bibliothek Sassenbach ist nach dem deutschen Gewerkschafter, SPD-Politiker und Mitbegründer des gewerkschaftlichen Verlags- und Bibliothekswesens Johannes Sassenbach (12. Oktober 1866–19. November 1940) benannt. Sassenbach, der sich intensiv für das gewerkschaftliche Bildungswesen engagierte, war ab 1891 Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Sattlervereins und zwischen 1902 und 1919 Mitglied der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands sowie seit 1922 dessen Sekretär. Zwischen 1906 und 1921 fungierte er als Sekretär der Internationalen Vereinigung der Sattler und verwandter Berufe, ab 1923 als Sekretär und zwischen 1927 und 1931 als Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Darüber hinaus war er Berliner Stadtverordneter (1906–1915) und von 1920 bis 1923 Vorsitzender der Volkshochschule Groß-Berlin. Nach der Abschaffung des demokratischen Rechtsstaates durch das NS-Regime wurde er am 7. Mai 1934 wegen "staatsgefährdender Handlungen" verhaftet und wegen Hochverrates angeklagt. Sassenbach, der als Verleger und Publizist tätig war und als erster Bibliograf gewerkschaftlichen Schriftgutes gilt, besaß eine große private Bibliothek, die er 1927 dem Berliner Ortsausschuss des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) als Studienbibliothek überlassen hatte. 1931 erwarb der Ortsausschuss die Sassenbach-Bibliothek. Am 2. Mai 1933 wurde das Vermögen der Gewerkschaften und am 10. Mai 1933, dem Tag der Bücherverbrennungen, das Eigentum der SPD beschlagnahmt. Darunter befand sich auch die Sassenbach-Bibliothek, die in dem von der Deutschen Arbeitsfront übernommenen Haus des freigewerkschaftlichen Dachverbandes Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund in Berlin zusammen mit den Archiven, Katalogen und Bibliotheken der verbotenen ArbeiterInnenorganisationen untergebracht wurde. Hier fand auch im Januar 1934 das Parteiarchiv der NSDAP und der DAF seinen Platz. Im Oktober 1934 gelangte die Bibliothek mit der Verlegung des NSDAP-Parteiarchivs nach München, wo sie bis zum Ende des Krieges verwahrt blieb. 1947 kam es zur Überführung des größten Teiles der Bibliothek über den Munich Central Collecting Point in das Offenbach Archival Depot (OAD), wo der Bibliotheksbestand wahrscheinlich aufgeteilt wurde – die Bibliothek gilt heute zum Großteil als verschollen. Ein Teil des Bibliotheksbestandes kam nach der Auflösung des OAD an die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, den diese vom Hessischen Ministerium für Kultur und Unterricht zur treuhänderischen Aufbewahrung übernommen hatte. Weitere Teile der Bibliothek gelangten in das Bundesarchiv in Berlin und in die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn.</p> <p>2011 konnte im Zuge der systematischen Provenienzforschung ein Buch aus dem Bestand der <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="4229eb7f-9893-4a3f-a735-cb62edf78127" href="/zweigbibliothek-fuer-geschichte-der-medizin-der-universitaetsbibliothek-der-medizinischen" title="Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien">Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien</a> an die Rechtsnachfolgerin der ehemaligen Bibliothek Sassenbach, die Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, restituiert werden. Das Separatum trägt ein Exlibris der "Bibliothek Sassenbach – Ortsausschuss Berlin des A.D.G.B." sowie einen Stempel mit dem Aufdruck "NSDAP Parteiarchiv". Wie das Buch in den Bibliotheksbestand des Instituts für Geschichte der Medizin gelangt war, konnte nicht lückenlos rekonstruiert werden.</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/39" hreflang="de">Bibliothekswesen</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/152" hreflang="de">Gewerkschaft</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/186" hreflang="de">Walter Mentzel</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2019-05-29T22:00:00Z">29. Mai 2019</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Bruno Bauer/Walter Mentzel, NS-Provenienzforschung an der medizinischen Universität Wien 2011 und 2012. Restitutionen von Büchern der Bibliothek Sassenbach sowie den Privatbibliotheken von Raoul Fernand Jellinek-Mercedes und Alfred Arnstein, in: VÖB (= Mitteilungen der Vereinigung österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare) 66 (2013) 3/4, 449–457, URL: <a href="https://fedora.phaidra.univie.ac.at/fedora/objects/o:309203/methods/bdef:Content/download">fedora.phaidra.univie.ac.at/fedora/objects/o:309203/methods/bdef:Content/download</a> (3.12.2020).</p> <p>Detlev Brunner, 2. Mai 1933 – Der Sturm auf die Gewerkschaftshäuser und das Schicksal der Gewerkschaftsbibliotheken, in: Verbrannt, geraubt, gerettet! Bücherverbrennung in Deutschland. Eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung anlässlich des 70. Jahrestages (= Veröffentlichung der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung 13), Bonn 2003, 31–46, 23–30.</p> <p>Heinz Roth/Karsten Linne, Searching for Lost Archives. New documentation on the pillage of trade union archives and librarys by the Deutsche Arbeitsfront (1938–1941) and on the fate of trade union documents in the postwar era, in: International Review of Social History 38 (1993), 163–207.</p> <p>Jacques Schwarz, Johann Sassenbach (1866–1940), in: Günter Benser/Michael Schneider (Hg.), Bewahren – Verbreiten – Aufklären: Archivare, Bibliothekare und Sammler der Quellen der deutschsprachigen Arbeiterbewegung. Bonn-Bad Godesberg 2009, 282–286.</p> <p>Rüdiger Zimmermann, Berlin – Offenbach – Washington – Bonn (mit Umwegen). Das Offenbach Archival Depot als Durchgangsstation für die Gewerkschaftsbestände der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, in: Verbrannt, geraubt, gerettet! Bücherverbrennung in Deutschland. Eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung anlässlich des 70. Jahrestages (= Veröffentlichung der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung 13), Bonn 2003, 31–46.</p></div> </div> <div class="field field--name-field-links-external field--type-link field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"><a href="http://viaf.org/viaf/308213750" rel="nofollow" target="_blank">VIAF: 308213750</a></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:40:23 +0000 acolono 1479 at https://www.lexikon-provenienzforschung.org Chefez, Nachim (Nachum) https://www.lexikon-provenienzforschung.org/chefez-nachim-nachum <span>Chefez, Nachim (Nachum)</span> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:39</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item">Nachim (Nachum) <strong>Chefez</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-biographical-data field--type-text-long field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Zusatzinformationen</div> <div class="field__item"><p>18.5.1873 Bachmut, Russland (heute Ukraine) – 30.8.1963 New York</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Nachim (Nachum) Chefez war der Sohn von Litmann Leib und Gittel Chefez und seit März 1901 mit Lea Leah (Lotte), née Heller, verheiratet. Er war ein in Wien bekannter und angesehener Fotograf, der seit 1900 in Wien 2, Taborstraße 41 ein Garten-Atelier besaß. 1913 wurde er Mitglied der Photographischen Gesellschaft in Wien und nahm an zahlreichen Foto-Ausstellungen teil, u. a. 1912 an der Sonderausstellung für Photographie innerhalb der Ausstellung Kind und Kunst, 1922 an der Ausstellung aus Anlass des 60-jährigen Jubiläums der Photographischen Gesellschaft und 1928 an der Fachphotographischen Ausstellung des Fachverbandes der Photographengenossenschaften Österreichs. Er publizierte seine Werke in Fach- und Foto-Zeitschriften wie <em>Der Bund</em>, der <em>Photographischen Korrespondenz</em> und <em>Radio Wien</em> und arbeitete mit dem Verfahren der Fotoradierung. Nachim Chefez, der mit seiner Familie in unmittelbarer Nähe seines Ateliers, in der Taborstraße 48a wohnte, war aufgrund seiner jüdischen Herkunft nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich der NS-Verfolgung ausgesetzt. Sein Atelier wurde am 11. November 1938 in Folge der Novemberpogrome auf Verfügung der NSDAP gesperrt und am 23. Dezember 1938 vom Fotografen Alfred Hofer, der seit 1931 Mitglied der NSDAP und seit 1934 für die Zentrale des Flüchtlingshilfswerkes in Berlin und München als Fotograf tätig war, "arisiert". Die Entziehung wurde durch die <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="ae7c83b3-45b1-4644-931f-9ba9e1f11e7d" href="/arisierungskommission-der-wiener-photographeninnung" title="Arisierungskommission der Wiener Photographeninnung">"Arisierungskommission" der Wiener Fotografenzunft</a> forciert. Zuvor war es unter der kommissarischen Verwaltung des Fotografen <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="eb25b1cf-483a-4731-93d5-4e9b1286db81" href="/nohynek-gustav" title="Nohynek, Gustav">Gustav Nohynek</a> gestanden. Die Vermögensbestandsaufnahme war vom Innungsmeister der Fotografeninnung <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6ca58b3a-cec0-4d6f-977b-a7f10e0e52ea" href="/jelinek-egon" title="Jelinek, Egon">Egon Jelinek</a>, das Schätzgutachten vom Fotografen Fritz Lanzenstorfer erstellt worden. Nachim Chefez flüchtete am 16. Juli 1939 mit seiner Familie in die USA, wo er bis zu seinem Tode 1963 in New York lebte. Chefez besaß in seinem Atelier ein großes Fotoplatten-Negativ-Archiv, das ihm entzogen wurde und dessen Verbleib und Fortbestand heute unbekannt ist.</p> <p> </p> <p>Aus dem Projekt <em>Durch das NS-Regime aus Österreich vertriebene und ermordete Fotografinnen und Fotografen und der Verbleib ihrer fotografischen Sammlungen</em> (Gefördert vom Nationalfonds der Republik Österreich. Durchgeführt von Dr. Walter Mentzel).</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/77" hreflang="de">&quot;Arisierung&quot;</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/13" hreflang="de">FotografInnengewerbe</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/19" hreflang="de">NS-Verfolgte/r</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/88" hreflang="de">NS-Vermögensentzug</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/186" hreflang="de">Walter Mentzel</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2019-01-06T23:00:00Z">6. Jänner 2019</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>OeStA/AdR, E-uReang, FLD, Zl. 2409, Zl. 7035, Zl. 5210, Zl. 3264, Nachim Chefez.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, FLD, Zl. 29882, Lea Lotte Chefez.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Gewerbe, Zl. 4060, Nachim Chefez.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, VA 46311 Lea Chefez.</p></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:39:27 +0000 acolono 1389 at https://www.lexikon-provenienzforschung.org Detoni, Josef Leopold Anton https://www.lexikon-provenienzforschung.org/detoni-josef-leopold-anton <span>Detoni, Josef Leopold Anton</span> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:40</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item">Josef A. <strong>Detoni</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-biographical-data field--type-text-long field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Zusatzinformationen</div> <div class="field__item"><p>15.10.1891 Klagenfurt – 11.5.1946 Wien</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Leopold Detoni war Amateurfotograf, Fotopublizist und seit spätestens 1922 Inhaber des in Wien angesiedelten Fotofachverlages Josef Detoni. 1916 trat er als Mitglied in die Photographische Gesellschaft in Wien ein, arbeitete als Journalist u. a. für die <em>Österreichische illustrierte Zeitung</em> und gründete 1919 die <em>Allgemeine Photographische Zeitung</em>, die 1923 zum offiziellen Organ des Österreichischen Photographen-Vereins und im Laufe der 1920er-Jahre zum Fachblatt der BerufsfotografInnen Österreichs, der Bundes- und Landesinnungen und des Verbandes der Photographengenossenschaften Österreichs avancierte. Detoni war ohne Unterbrechung Herausgeber, Schriftleiter und seit 1929 Eigentümer dieser Zeitschrift, die 1943 in die vom Verlag Wilhelm Knapp in Halle an der Saale herausgegebene <em>Photographische Chronik</em> integriert und unter dem Namen <em>Photographische Chronik und Allgemeine photographische Zeitung</em> als Verbandszeitschrift des Reichsinnungsverbandes des Fotografengewerbes bis 1945 weiter erscheinen sollte. In der Aprilausgabe der <em>Allgemeinen Photographischen Zeitung</em> begrüßte er überschwänglich den "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland und forderte die FotografInnen für die Volksabstimmung am 10. April 1938 zu "einem Bekennen zum Führer und Retter der großen deutschen Nation" auf. Gleichzeitig distanzierte er sich von der Zeit des Austrofaschismus, dem er die Förderung der "entarteten Staatskunst" vorwarf. Vom NS-Regime erhoffte sich Detoni ein Ende des "liberalistischen Zeitalters" und die Umsetzung protektionistischer Maßnahmen zugunsten der "arischen" FotografInnen, zugleich beklagte er das bisherige schädliche Wirken "volksfremder Elemente" im Gewerbe. 1940 gab Detoni im Zuge seines Antrages auf Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer an, seit Jänner 1938 Parteianwärter zu sein. Im Juli 1938 war er der NSV beigetreten. Seit 1940 forcierte er eine enge Zusammenarbeit zwischen der Fotografenzunft und der <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="a6be3a50-68df-4e3d-9b02-b654637bf34d" href="/oesterreichische-nationalbibliothek" title="Österreichische Nationalbibliothek">Nationalbibliothek</a> und rief zur Abgabe von Fotonegativ-Platten für das dortige Bildarchiv auf. In der von ihm herausgegebenen Fachzeitschrift listete er bis 1941 monatlich die "arisierten" fotografischen Betriebe samt den ehemaligen BesitzerInnen auf. Detoni stieg nach dem "Anschluss" in den Verbandsstrukturen auf und wurde 1938 Sekretär der Bezirksstelle Ostmark der Fotografenzunft sowie des Obermeisters <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6ca58b3a-cec0-4d6f-977b-a7f10e0e52ea" href="/jelinek-egon" title="Jelinek, Egon">Egon Jelinek</a>. In dieser Position war er auch in die von der Zunft gelenkten "Arisierungen" der Betriebe jüdischer FotografInnen involviert und gehörte zum engeren Kreis der <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="ae7c83b3-45b1-4644-931f-9ba9e1f11e7d" href="/arisierungskommission-der-wiener-photographeninnung" title="Arisierungskommission der Wiener Photographeninnung">"Arisierungskommission"</a>. Als Schätzmeister der <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="1739dbbd-7aa5-473f-a8d9-4f559f541d9e" href="/vermoegensverkehrsstelle" title="Vermögensverkehrsstelle">Vermögensverkehrsstelle</a> erstellte er im Sommer und Herbst 1938 Gutachten in mindestens sechs Fällen zu Ateliers und fotografischen Gewerbebetrieben, und zwar bei den Betrieben von Otto Johannes Benedikt, Baruch Kern, <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="1a799f56-28c2-44cd-84cb-bc26d5af8f5c" href="/schalita-arnold" title="Schalita, Arnold">Arnold Schalita</a>, Gisela Selka und <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="c9eb267b-5a3d-4da5-96cc-6b57a72b585c" href="/weitzmann-oskar" title="Weitzmann, Oskar">Oskar Weitzmann</a>. Ebenso war er 1938 an der Hausdurchsuchung der Wohnung von <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="c0c11f90-be3b-4038-aefc-7e885262586b" href="/pollak-wilhelm" title="Pollak, Wilhelm">Wilhelm Pollak</a> beteiligt. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte er bis zu seinem Tod 1946 die Berufsorganisation der FotografInnen wieder aufzubauen. Sein Verlag wurde von seiner Ehefrau nach dem Krieg weitergeführt.</p> <p> </p> <p>Aus dem Projekt <em>Durch das NS-Regime aus Österreich vertriebene und ermordete Fotografinnen und Fotografen und der Verbleib ihrer fotografischen Sammlungen</em> (Gefördert vom Nationalfonds der Republik Österreich. Durchgeführt von Dr. Walter Mentzel).</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/13" hreflang="de">FotografInnengewerbe</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/64" hreflang="de">NSDAP-Anwartschaft</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/37" hreflang="de">Publizistik</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/30" hreflang="de">SchätzmeisterIn</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/22" hreflang="de">Verlagswesen</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/186" hreflang="de">Walter Mentzel</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2019-05-29T22:00:00Z">29. Mai 2019</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>N. N., Vereins- und Personalnachrichten, Protokoll der Plenarversammlung der k. k. Photographischen Gesellschaft vom 7. März 1916, abgehalten im Parterresaale der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, in: Allgemeine Photographische Zeitung, (1946) 1, 1.<br /> N. N., Photographische Correspondenz, 667 (1916), 134–136, 135, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phc&amp;datum=1916&amp;page=173">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phc&amp;datum=1916&amp;page=173</a> (3.12.2020).</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-by field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen der Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Josef A. Detoni, Heimkehr, in: Allgemeine Photographische Zeitung (1938) 3, 45–46, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phz&amp;datum=1938&amp;page=47">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phz&amp;datum=1938&amp;page=47</a> (3.12.2020).<br /> Josef A. Detoni, Die neue Zeit und der Berufsphotograph, in: Allgemeine Photographische Zeitung (1938) 3, 47–49, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phz&amp;datum=1938&amp;page=49">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phz&amp;datum=1938&amp;page=49</a> (3.12.2020).<br /> Josef A. Detoni, Negative für das Bildarchiv der Nationalbibliothek, in: Allgemeine Photographische Zeitung (1940) 4, 41–42, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phz&amp;datum=1940&amp;page=45">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phz&amp;datum=1940&amp;page=45</a> (3.12.2020).<br /> Josef A. Detoni, Sicherstellung alter Negative im Gau Wien, in: Allgemeine Photographische Zeitung (1941) 6, 83, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phz&amp;datum=1941&amp;page=87">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=phz&amp;datum=1941&amp;page=87</a> (3.12.2020).</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Gewerbe, Zl. 2.911, Arnold Schalita.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Gewerbe, Zl. 4.066, Oskar Weitzmann.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Gewerbe, Zl. 4.228, Baruch Kern.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Gewerbe, Zl. 4.388, Gisela Selka.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Handel, Zl. 8.027, Otto Benedikt.<br /> OeStA/AdR, ZNsZ, Gauakt 14965, Josef A. Detoni.</p> <p>WStLA, Gauakten, A1, Personalakten des Gaues Wien, Josef A. Detoni.<br /> WStLA, Volksgericht, A1, Vg 1 Vr 6587/47, Alfred Wenzl, Egon Jelinek, Gustav Nohynek.</p></div> </div> <div class="field field--name-field-links-external field--type-link field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"><a href="http://d-nb.info/gnd/127530576" rel="nofollow" target="_blank">GND: 127530576</a></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:40:23 +0000 acolono 1480 at https://www.lexikon-provenienzforschung.org Drey, Julius https://www.lexikon-provenienzforschung.org/drey-julius <span>Drey, Julius</span> <div class="field field--name-field-figure field--type-image field--label-hidden field__item"> <img loading="lazy" src="/sites/default/files/styles/large/public/prov_article/Stempel%20Julius%20Drey.JPG?itok=rMr1hQn7" width="480" height="270" alt="Stempelabdruck Name und Adresse" title="Stempel Dr. Julius Drey, erste Wohn- und Ordinationsadresse, undatiert. © Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien" /> </div> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:40</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item">Julius <strong>Drey</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-biographical-data field--type-text-long field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Zusatzinformationen</div> <div class="field__item"><p>1.5.1858 Wien – 29.4.1939 Wien</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Julius Drey wurde am 1. Mai 1858 in Wien als Sohn von Lazarus Drey und Babette, née Cohn, geboren. Er studierte an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und schloss sein Studium mit seiner Promotion 1882 ab. Danach arbeitete er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien als Sekundararzt und Operateur an der I. geburtshilflichen Klinik. Seit 1886 war er Abteilungsvorstand am Ersten öffentlichen Kinderkrankeninstitut. Von 1899 bis 1938 führte er zudem an seiner Wohnadresse Wien 1, Wipplingerstraße 13 eine eigene Arztpraxis. Er war Mitglied der Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien (pädiatrische Sektion) und trat 1894 der Wiener Ärztekammer bei. Drey war seit 1893 mit der am 22. Juli 1863 in Jitschin, Böhmen (heute Jičín, Tschechien) geborenen Louise (Aloisie), née Kraus, verheiratet, einer Schwester des österreichischen Schriftstellers Karl Kraus. Die Ehe blieb kinderlos. Julius und Aloisie Drey waren jüdischer Herkunft und nach dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich der Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt. Aufgrund des Berufsverbotes für jüdische Ärzte wurde die Praxis von Julius Drey am 17. Juli 1938 abgemeldet. In einem Schreiben von Aloisie Drey an die <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="1739dbbd-7aa5-473f-a8d9-4f559f541d9e" href="/vermoegensverkehrsstelle" title="Vermögensverkehrsstelle">Vermögensverkehrsstelle</a> im Dezember 1938 gab diese an, dass das Ehepaar seit Juli 1938 keine Einkünfte hatte und Ende 1938 völlig mittellos war. Julius Drey verstarb am 29. April 1939 im Alter von 81 Jahren in seiner Wohnung in Wien, seine Beisetzung erfolgte am 3. Mai 1939 am Wiener Zentralfriedhof. Aloisie Drey wurde am 22. Juli 1942 von Wien in das Ghetto Theresienstadt deportiert und am 10. Oktober 1942 ermordet. Ihr letzter Wohnort vor ihrer Deportation war eine Sammelwohnung in Wien 2, Czerningasse 4/5 gewesen.</p> <p>Im Zuge der Provenienzforschung an der <span lang="EN-US" xml:lang="EN-US" xml:lang="EN-US"><span><span><a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="4229eb7f-9893-4a3f-a735-cb62edf78127" href="/zweigbibliothek-fuer-geschichte-der-medizin-der-universitaetsbibliothek-der-medizinischen" title="Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien"><span lang="EN-GB" xml:lang="EN-GB" xml:lang="EN-GB">Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien</span></a></span></span></span> konnte ein Buch aus dem Eigentum von Julius Drey mit seinem Stempel "Dr. Julius Drey Wien I. Stubenbastei 10" eruiert werden. Die ehemalige Institutsbibliothek für Geschichte der Medizin hatte laut Inventarverzeichnis und der handschriftlichen Eintragung im Buch selbst dieses am 25. Mai 1949 von dem in den NS-Bücherraub aktiv involvierten <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="864e2440-e785-46d9-bff7-328c188c7537" href="/wolf-alfred-reise-und-versandbuchhandlung-antiquariat-und-export" title="Wolf, Alfred. Reise- und Versandbuchhandlung, Antiquariat und Export">Antiquariat Alfred Wolf</a> erworben. Derzeit erfolgt die Suche nach den ErbInnen zur Durchführung der Restitution.</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/15" hreflang="de">Arzt/Ärztin</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/110" hreflang="de">MedizinerIn</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/19" hreflang="de">NS-Verfolgte/r</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/88" hreflang="de">NS-Vermögensentzug</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/186" hreflang="de">Walter Mentzel</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2019-11-24T23:00:00Z">24. November 2019</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>DÖW, Opferdatenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Eintrag zu Luise Drey, URL: <a href="https://www.doew.at/">www.doew.at/</a> (7.11.2019).</p> <p>Renate Feikes, Emigration jüdischer Wiener Ärzte ab 1938 in die USA, speziell nach New York, Dissertation Universität Wien 1999.</p> <p>Walter Mentzel/Harald Albrecht, Die "Antiquariats- und Exportbuchhandlung Alfred Wolf" – ehemals Hans Peter Kraus und Leo Weiser. Die Geschichte eines Raubunternehmens, in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, Sonderband 108 (2012), NS-Raubgut in Museen, Bibliotheken und Archiven. Viertes Hannoversches Symposium, 441–454.</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-by field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen der Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Julius Drey, Über die wichtigsten Erkrankungen der Mundhöhle im Säuglingsalter (1. Teil), in: Hebammen-Zeitung (30.11.1895) 22, 183–184, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=hez&amp;datum=18951130&amp;seite=1">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=hez&amp;datum=18951130&amp;seite=1</a> (3.12.2020).<br /> Julius Drey, Über die wichtigsten Erkrankungen der Mundhöhle im Säuglingsalter (2. Teil), in: Hebammen-Zeitung (15.12.1895) 23, 191–193, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=hez&amp;datum=18951215&amp;seite=1">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=hez&amp;datum=18951215&amp;seite=1</a> (3.12.2020).<br /> Julius Drey, Hereditäre Brachydaktilie kombiniert mit Ankylose einzelner Fingergelenke, in: Zeitschrift für Kinderheilkunde (1912) Bd. 4, H. 6, 553–561.<br /> Julius Drey, Die ärztliche Begutachtung der Lehrlinge, in: Wiener medizinische Wochenschrift 37 (1923), Sp. 1634–1635, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&amp;datum=1923&amp;page=780">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&amp;datum=1923&amp;page=780</a> (3.12.2020).</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>Archiv der IKG Wien, Trauungsbuch 1893, Julius Drey, Aloisie Kraus.</p> <p>Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Julius Drey.</p> <p>Ghetto Theresienstadt, Todesfallanzeige Luise (Aloisie) Drey, www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/49237-luise-drey/, Stand 16.9.2019.</p> <p>OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, VA 44754, Louise (Aloisia) Drey.</p> <p>UAW, Med.Fak., Sign. 177, Rigorosenprotokoll 1872–1894, Zl. 58b, Julius Drey (Rigorosum: 1879).<br /> UAW, Med.Fak., Sign. 186, Promotionsprotokoll 1874–1890, Zl. 1333, Julius Drey (Promotion: 24.5.1882).<br /> UAW, Med.Fak., Sign. 134, Nationalien/Studienkataloge 1862–1938, Zl. 121, Julius Drey.</p></div> </div> <div class="field field--name-field-links-external field--type-link field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"><a href="https://www.wikidata.org/wiki/Q107317029" rel="nofollow" target="_blank">Wikidata: Q107317029</a></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:40:39 +0000 acolono 1498 at https://www.lexikon-provenienzforschung.org Fantl, Alois, Buchhandlung und modernes Antiquariat https://www.lexikon-provenienzforschung.org/fantl-alois-buchhandlung-und-modernes-antiquariat <span>Fantl, Alois, Buchhandlung und modernes Antiquariat</span> <div class="field field--name-field-figure field--type-image field--label-hidden field__item"> <img loading="lazy" src="/sites/default/files/styles/large/public/prov_article/Besitzstempel_Alois%20Fantl.jpg?itok=hKEtpJOw" width="452" height="297" alt="Stempelabdruck Name und Adresse" title="Stempel Antiquariat Alois Fantl, undatiert. © Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien" /> </div> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:40</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item">Alois <strong>Fantl</strong>, Buchhandlung und modernes Antiquariat</div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Alois Fantl wurde am 27. April 1873 in Wittingau, Böhmen (heute Třeboň, Tschechien), als Sohn von Karl und Therese Fantl geboren. 1902 heiratete er Bertha, née Pokorny, mit der er eine Tochter, Margarethe, hatte. In zweiter Ehe war er seit 1921 mit Sofie Szécsi, née Pollak, verehelicht, deren Ehe kinderlos blieb. Nachdem er mehrere Jahre als Buchhandelsgehilfe gearbeitet hatte, gründete Alois Fantl am 1. September 1919 ein Buchhandlungsunternehmen in Wien 9, Liechtensteinstraße 23, in dem ein Antiquariat und seit 25. April 1931 eine Leihbibliothek integriert waren. Alois und Sofie Fantl waren beide jüdischer Herkunft und nach dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich der NS-Verfolgung ausgesetzt. Alois Fantl versuchte ab August 1938 die drohende Liquidation seines Geschäftes und damit den Totalverlust seiner Bücherlagerbestände zu verhindern. Um dessen Abverkauf selbst durchführen zu können, zog er sogar den Transfer seiner Bücher in seine Privatwohnung in Betracht, und suchte bei der <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="1739dbbd-7aa5-473f-a8d9-4f559f541d9e" href="/vermoegensverkehrsstelle" title="Vermögensverkehrsstelle">Vermögensverkehrsstelle</a> (<a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="1739dbbd-7aa5-473f-a8d9-4f559f541d9e" href="/vermoegensverkehrsstelle" title="Vermögensverkehrsstelle">VVSt</a>) sowie der Reichsschrifttumskammer in Berlin um eine Verlängerung der Liquidationsfrist seines Betriebes an. Obwohl ihm diese bis 30. September 1938 gewährt wurde, erfolgte bereits am 14. September 1938 die Anweisung der <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="1739dbbd-7aa5-473f-a8d9-4f559f541d9e" href="/vermoegensverkehrsstelle" title="Vermögensverkehrsstelle">VVSt</a> zur Einsetzung des kommissarischen Verwalters Gottfried Linsmayer. Nach der Schließung seines Betriebes Ende September sowie der Versiegelung des Geschäftes am 10. Oktober 1938, war Fantl der Zugriff auf seine Lagerbestände endgültig verwehrt. Bis dahin konnte er etwa ein Drittel seines Lagerbestandes, darunter der wertvollste Teil, für zirka 1.200 Reichsmark an BuchhändlerInnen verkaufen, rund 2.500 Bände seiner Leihbücherei veräußerte er darüber hinaus um 350 Reichsmark. Der restliche Bücherbestand blieb zur Abwicklung übrig. Laut dem wenige Tage vor seiner Deportation angelegten Vermögensverzeichnis belief sich dessen Wert auf nur noch 26 Reichsmark. Die letzte Wohnadresse der Familie Fantl war eine Sammelwohnung in Wien 1, Stoß im Himmel 3/7. Alois und Sofie Fantl wurden gemeinsam am 29. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt und am 15. Mai 1944 von dort nach Auschwitz deportiert und ermordet.</p> <p>An der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin an der Medizinischen Universität Wien konnten fünf Bücher (drei Signaturen) eruiert werden, die alle das Exlibris <em>Alois Fantl Buchhandlung und modernes Antiquariat Wien IX. Liechtensteinstraße 23</em> enthalten. Laut den handschriftlichen Vermerken in den Büchern hatte sie das ehemalige Institut für Geschichte der Medizin zwischen Februar und März 1943 erworben. Alle fünf Bücher waren von dem 1938 vom Buchhändler Karl Stark (1886–1949) "arisierten" Antiquariat in Wien 1, Dr.-Karl-Lueger-Platz 3, das in der Folge aktiv in den NS-Bücherraub involviert war, zum Verkauf angeboten worden. Derzeit erfolgt die Suche nach den ErbInnen zum Zweck der Restitution.</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/59" hreflang="de">Antiquitätenhandel</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/123" hreflang="de">Buchhandel</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/19" hreflang="de">NS-Verfolgte/r</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/88" hreflang="de">NS-Vermögensentzug</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/186" hreflang="de">Walter Mentzel</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2019-11-24T23:00:00Z">24. November 2019</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Neunter Bericht des amtsführenden Stadtrates für Kultur und Wissenschaft über die gemäß dem Gemeinderatsbeschluss vom 29. April 1999 erfolgte Übereignung von Kunst- und Kulturgegenständen aus den Sammlungen der Museen der Stadt Wien sowie der Wienbibliothek im Rathaus vom 1. Februar 2009 (Restitutionsbericht 2008), URL: <a href="https://www.wienmuseum.at/fileadmin/user_upload/PDFs/Restitutionsbericht_2008.pdf">www.wienmuseum.at/fileadmin/user_upload/PDFs/Restitutionsbericht_2008.pdf</a> (3.12.2020).</p> <p>DÖW, Opferdatenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Eintrag zu Alois Fantl, URL: <a href="https://www.doew.at/">www.doew.at/</a> (7.11.2019).</p> <p>Georg Hupfer, Zur Geschichte des antiquarischen Buchhandels in Wien, Diplomarbeit Universität Wien 2003.</p> <p>Iris Pawlitschko,  Jüdische Buchhandlungen in Wien. "Arisierung" und Liquidierung in den Jahren 1938–1945, Diplomarbeit Universität Wien 1996.</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>Archiv der IKG Wien, Trauungsbuch 2.3.1902, Alois Fantl, Berta Pokorny.<br /> Archiv der IKG Wien, Trauungsbuch 9.5.1921, Alois Fantl, Sofie Pollak.<br /> Archiv der IKG Wien, Geburtsanzeigen 9.1.1903, Margarethe Fantl.</p> <p>Archiv der Wirtschaftskammer Österreich, Gewerbeakt, Alois Fantl.</p> <p>Gedenkstätte Terezin, Ghetto Theresienstadt, Alois und Sofie Fantl.</p> <p>OeStA/AdR, E-uReang, FLD, Sign. 34, 337-338, Alois Fantl.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Handel, 2388, Stark/Stern.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, Handel, 5105, Alois Fantl.<br /> OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, VA 24531, Alois Fantl.</p></div> </div> <div class="field field--name-field-links-external field--type-link field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"><a href="http://d-nb.info/gnd/116408170" rel="nofollow" target="_blank">GND: 116408170</a></div> <div class="field__item"><a href="http://viaf.org/viaf/52441037" rel="nofollow" target="_blank">VIAF: 52441037</a></div> <div class="field__item"><a href="https://www.wikidata.org/wiki/Q104544722" rel="nofollow" target="_blank">Wikidata: Q104544722</a></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:40:39 +0000 acolono 1499 at https://www.lexikon-provenienzforschung.org Fürth, Otto (von) https://www.lexikon-provenienzforschung.org/fuerth-otto-von <span>Fürth, Otto (von)</span> <div class="field field--name-field-figure field--type-image field--label-hidden field__item"> <img loading="lazy" src="/sites/default/files/styles/large/public/prov_article/exlibris_otto%20f%C3%BCrth.jpg?itok=NaCD2C7A" width="368" height="480" alt="Zeichnung eines Oktobus, der ein Buch von unten umklammert - EX LIBRIS O. v. FUERTH" title="Exlibris Otto von Fürth, 1908. © Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien" /> </div> <span><a title="View user profile." href="/user/28">Leonhard Weidinger</a></span> <span>Wed, 11/18/2020 - 20:38</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item">Otto (von) <strong>Fürth</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-biographical-data field--type-text-long field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Zusatzinformationen</div> <div class="field__item"><p><span>18.11.1867 Strakonice, Böhmen – 7.6.1938 Wien</span></p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><span><span><span><span><span><span>Otto von Fürth war der Sohn des Fabrikbesitzers, Reichsratsabgeordneten und Abgeordneten zum böhmischen Landtag Josef Ritter von Fürth (1822–1892) und Wilhelmine (1832–1904), née Forchheimer. Fürth studierte in Wien, Prag, Heidelberg und Berlin Naturwissenschaften und Medizin und promovierte 1894 am Pharmakologischen Institut der Universität Wien zum Doktor der Medizin. Anschließend arbeitete er von 1894 bis 1896 als Assistent am Pharmakologischen Institut in Prag bei Franz Hofmeister, dem er 1896 als Assistent an das physiologisch-chemische Institut der Universität in Straßburg folgte, wo er sich 1899 im Fach angewandte physiologische Chemie habilitierte. 1900 heiratete er Margarethe Grünbaum, mit der er zwei Kinder – Josef Egon und Wilhelmine Fürth – haben sollte. 1905 kehrte er mit seiner Familie nach Wien zurück und arbeitete als Privatdozent an der Abteilung für physiologische Chemie am Physiologischen Institut der Universität Wien. 1906 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor für angewandte medizinische Chemie und im Mai 1917 erhielt er zunächst den Titel und Charakter eines ordentlichen Professors verliehen, 1929 wurde er zum ordentlichen Professor und zum Vorstand des medizinisch-chemischen Institutes ernannt. Otto Fürth und seine Familie waren aufgrund ihrer jüdischen Herkunft der NS-Verfolgung ausgesetzt. Nachdem er nach dem "Anschluss" am 18. März 1938 seines Amtes an der Universität Wien enthoben und Ende Mai 1938 zwangsweise in den dauernden Ruhestand versetzt worden war, verstarb Fürth am 7. Juni 1938 in Wien. Sein Sohn Josef Egon Fürth wurde am 16. November 1938 aus einer Sammelwohnung in Wien 2, Herminengasse 32 in das KZ Dachau verschleppt und dort am 15. März 1939 ermordet. Seine Ehefrau Margarethe und seine Tochter Wilhelmine Fürth lebten bis zur ihrer Deportation in einer Sammelwohnung in Wien 2, Herminengasse 16/7 und wurden gemeinsam am 9. Juni 1942 nach Maly Trostinec deportiert und dort am 15. Juni 1942 ermordet.</span></span></span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span><span><span><span><span><span><span><span>Von Otto Fürth konnten im Zuge der systematischen Provenienzforschung an der <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="8691461c-4a7d-4b17-a9f8-25b4bfbada24" href="/universitaetsbibliothek-der-medizinischen-universitaet-wien" title="Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien"><span><span>Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien</span></span></a> im ehemaligen Bibliotheksbestand der I. chirurgischen Klinik 68 Bücher und Separata ermittelt werden, die seine Exlibris, handschriftliche Eigentumsvermerke oder an ihn gerichtete Widmungen enthalten. Zwei Separata waren erst 1937, ein ihm zuordenbares Buch im Jahr 1938 erschienen. Derzeit erfolgt die Suche nach den ErbInnen nach Otto Fürth zur Durchführung der Restitution.</span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></span></p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/39" hreflang="de">Bibliothekswesen</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/110" hreflang="de">MedizinerIn</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/19" hreflang="de">NS-Verfolgte/r</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/67" hreflang="de">Universitätsprofessur</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/186" hreflang="de">Walter Mentzel</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2020-11-09T23:00:00Z">9. November 2020</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>DÖW, Opferdatenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Einträge zu Margarethe und Wilhelmine Fürth, URL: <a href="https://www.doew.at/">www.doew.at/</a> (6.10.2023).</p> <p>Erhard Glaser, Professor Dr. Otto Fürth – ein Siebziger, in: Wiener Medizinische Wochenschrift 87 (13.11.1937) 46, 1185–1186, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&amp;datum=1937&amp;page=1205">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&amp;datum=1937&amp;page=1205</a> (3.12.2020).</p> <p>Fritz Lieben, Otto von Fürth. Ein Gedenkblatt, in: Wiener klinische Wochenschrift, 18.6.1948, 376–378.</p> <p>N. N., Tagesnachrichten und Notizen, in: Internationale klinische Rundschau (1899) 48, 859, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=klr&amp;datum=1899&amp;size=45&amp;page=877">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=klr&amp;datum=1899&amp;size=45&amp;page=877</a> (3.12.2020).</p> <p>N. N., Tagesnachrichten und Notizen, Internationale klinische Rundschau (1905) 11, 196, URL: <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=klr&amp;datum=1905&amp;page=220&amp;size=45">anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=klr&amp;datum=1905&amp;page=220&amp;size=45</a> (3.12.2020).</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-by field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen der Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Otto Fürth, Probleme der physiologischen und pathologischen Chemie, 2 Bände, Leipzig 1912 und 1913.<br /> Otto Fürth, Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie in 75 Vorlesungen, Leipzig 1925.</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>Archiv der IKG Wien, Matriken, Trauungsbuch 1900, Otto Ritter von Fürth/Margarethe von Grünbaum.</p> <p>Arolson-Archiv, Inhaftierungsdokumente/Lager und Ghettos, Konzentrationslager Dachau, Individuelle Häftlings-Unterlagen – KL Dachau: Egon Fürth.</p> <p>OeStA/AdR, E-uReang, VVSt, VA 9583, Otto Fürth.</p> <p>UAW, Akten Sonderreihe des Akademischen Senats des Rektorats der Universitätsdirektion, S 304 Personalblätter, Senat S 304.327 Otto Fürth.<br /> UAW, Medizinische Fakultät, Promotionsprotokoll 1890–1894, Sign. 187, Zl. 1230, Otto Fürth.<br /> UAW, Medizinische Fakultät, Rigorosenprotokoll 1872–1894, Sign. 177, Zl. 100a, Otto Fürth.<br /> UAW, Medizinische Fakultät, Nationalien/Studienkataloge 1862–1938, Sign. 134, Zl. 0374, Otto Fürth.<br /> UAW, Medizinische Fakultät, Dekanat, Zl. 1019/1937-38, Otto Fürth.<br /> UAW, Rektorat, Zl. 19/1937-38, Zl. 677/1937-38, Otto Fürth.<br /> UAW, Senat S 305.22, Otto Fürth, Nekrolog verfasst von Fritz Lieben.</p> <p>WStLA, Bundespolizeidirektion Wien, Historische Meldeunterlagen, Prominentensammlung Otto Fürth.</p></div> </div> <div class="field field--name-field-links-external field--type-link field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"><a href="http://d-nb.info/gnd/117540277" rel="nofollow" target="_blank">GND: 117540277</a></div> <div class="field__item"><a href="http://viaf.org/viaf/57395058" rel="nofollow" target="_blank">VIAF: 57395058</a></div> <div class="field__item"><a href="https://www.wikidata.org/wiki/Q90019" rel="nofollow" target="_blank">Wikidata: Q90019</a></div> </div> Wed, 18 Nov 2020 20:38:41 +0000 Leonhard Weidinger 1569 at https://www.lexikon-provenienzforschung.org